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Trier/Kblenz: Klares Ja bringt Verband ins Schwitzen

Fußball : Klares Ja bringt Verband ins Schwitzen

Dieses Ergebnis hatten sie beim Fußballverband Rheinland doch anders erwartet: 35 der 37 im Pokalwettbewerb verbliebenen Clubs oder Spielgemeinschaften plädierten in einer Umfrage dafür, die Serie fortsetzen zu wollen, sofern es die Corona-Lage im Mai zulässt. Beim Verband hält man sich noch bedeckt, wie und wann genau der Ball rollen soll. Aus einer anderen Richtung kommen überraschende Informationen.

Mit dem Verweis auf das Abstimmungsergebnis – demnach wollen nur zwei Vereine nicht mehr am coronabedingt unterbrochenen Wettbewerb teilnehmen –  erklärt der Fußballverband Rheinland in einer kurzen Pressemitteilung, die er am Mittwochnachmittag versendete: „Das weitere Vorgehen wird nun innerhalb der zuständigen Gremien des Fußballverbandes Rheinland abzustimmen sein.“

Mitte Mai als möglicher Termin des Pokal-Re-Starts war mal ins Auge gefasst – um dann das Programm im Englische-Wochen-Rhythmus bis zum bundesweiten Finaltag der Amateure am 29. Mai durchzuziehen. Doch mit fast allen Teams weiterspielen zu sollen, hatten sie beim FVR nicht gerechnet.

Aus dem westlichen Verbandsgebiet möchten sogar alle dabei bleiben  – trotz vorher teilweise gegensätzlicher Aussagen.

Georg Schuh, Sportlicher Leiter des Rheinlandligisten FV Hunsrückhöhe Morbach, sagt: „Diese Entscheidung geht zwar gegen unsere eigentliche Auffassung, aber wir wollen uns nicht selbst benachteiligen und den Pokal als Vorbereitung nutzen. Wir wollten für einen Abbruch stimmen, aber merkten, dass der Verband den Pokal nicht abbrechen wird. Ich glaube aber nicht daran, dass der Pokal wie geplant vom 13. bis 29. Mai durchgezogen wird.“ Für den FC Bitburg meint Geschäftsführer Andreas Neuerburg: „Die Jungs wollen auf den Platz. Als FC Bitburg sollten wir im Bitburger Rheinlandpokal vertreten sein. Sollte es wieder losgehen, werden wir unsere Spieler vor jedem Training mit Selbsttests durchchecken, um das Infektionsrisiko zu minimieren.“ Trainer Fabian Ewertz ergänzt: „Aktuell ist die Inzidenz viel zu hoch, weshalb wir nicht richtig trainieren können. Und ohne Training wird eine Pokalfortsetzung nur schwer vorstellbar.“

Für die SG Hochwald Zerf erklärt der Sportliche Leiter Ralf Weinacht: „Wir hatten uns vor Wochen dafür ausgesprochen, den Ligabetrieb wieder aufzunehmen und die Saison zu Ende zu bringen. Daher haben wir auch für die Pokalfortsetzung gestimmt. Ich finde es unverständlich, dass manche Mannschaften in der Liga für Abbruch plädiert haben, aber im Pokal weiterspielen wollen.“ Auch die SG Schneifel plädiert für eine Fortsetzung des Wettbewerbs, so Fußballchef Martin Knuppen: „Ich muss auch den Fußballverband in Schutz nehmen, denn dieser wird falsch und zu schlecht dargestellt. Die Vorgehensweise des Verbands verstehe und akzeptiere ich – wir haben für eine Pokalfortsetzung votiert und haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht. Wir sind Sportler und wollen zurück auf den Platz, sollten die Inzidenzzahlen sinken.“

Zuvor hatten auch bereits die Oberligisten Eintracht Trier und FSV Salmrohr bekanntgegeben, weitermachen zu wollen (TV berichtete).

Im Wettbewerb bleiben möchten zudem die West-Bezirksligisten SG Saartal Irsch, SG Daleiden, SG Mont Royal Reil, SG Rascheid, SG Sauertal und SG Nusbaum.

„Wenn herauskommt, dass nur drei, vier Mannschaften überhaupt weiter im Pokal spielen wollen, liegen wir gut im Zeitplan“, sagte der FVR-Spielausschussvorsitzende Bernd Schneider noch am Wochenende, und auch Präsident Walter Desch hatte zuvor in einer Videokonferenz, in der es um den Pokal ging, den Vereinen nahegelegt, sie müssten ja nicht unbedingt spielen und könnten auch verzichten, ohne Sanktionen befürchten zu müssen. Der Wunsch des Verbandes war, dass so wenige Mannschaften wie möglich übrig bleiben, damit es zeitlich noch möglich ist, das Finale am 29. Mai zu spielen. Es geht dabei um einen bundeseinheitlichen Sendetermin im ARD-Fernsehen und dem gerade in Corona-Zeiten wirtschaftlich gebeutelten FVR um Sponsorengelder im mittleren fünfstelligen Bereich.

Schwere Geschütze fährt Martin Hahn, der Vorsitzende des Oberligisten FV Engers, auf: „Das Endspiel unbedingt am 29. Mai austragen zu wollen, koste es was es wolle, ist unverantwortlich. Der Fußballverband opfert die Interessen seiner Amateur- und Hobbyfußballer auf Kosten eigener wirtschaftlicher Interessen. In der Corona-Pandemie stehen wir aktuell viel schlimmer da als zum gleichen Zeitpunkt im vergangenen Jahr.“ Er sei überzeugt davon, den Pokalwettbewerb mit allen 37 Vereinen sportlich entscheiden zu können: „Wie vor einem Jahr, im Sommer und während der Vorbereitung auf die neue Saison. Das ist das richtige Signal.“ Die Äußerungen von Hahn kann FVR-Chef Desch nicht nachvollziehen: „Einerseits wirft man uns und konkret mir vor, die Gesundheit der Spieler gefährden zu wollen. Andererseits stimmen jetzt fast alle fürs Weiterspielen. Das ist für mich nicht logisch.“

Im Gespräch mit dem TV betont Desch, ihm sei auch nach Rücksprache mit dem DFB nichts anderes bekannt, als dass der Termin des Finaltags am 29. Mai unumstößlich sei. Allerdings erklärt Stephan Eiermann von der DFB-Abteilung Kommunikation auf Anfrage der „Rhein-Zeitung“, dass der Meldetermin für die neue Saison im Spielausschuss für den DFB-Pokal (die erste Runde ist für das Wochenende des 6. bis 8. August geplant) noch behandelt werde. Insofern könne man hierzu noch keine Auskunft gegeben. Eiermann verweist auch darauf, dass die Landesverbände für die Ausrichtung der Endspiele um den Landespokal und des Finaltags der Amateure zuständig seien. Dirk Brennecke, Geschäftsführer des Fußballverbandes Mittelrhein, ist stellvertretend für alle Landesverbände der Finaltag-Koordinator. Er sagt: „Die Landesverbände und der WDR sind zum Format des Finaltags der Amateure 2021 im intensiven Austausch.“

Durch die sehr unterschiedlichen behördlichen Verfügungslagen in den 16 Bundesländern würden derzeit alle Landesverbände mit Hochdruck die rechtlichen und organisatorischen Herausforderungen prüfen, um am 29. Mai spielen zu können. „Ich bin zuversichtlich, dass wir den Landesverbänden bis Mitte April, auch unter Berücksichtigung der pandemischen Entwicklung und den individuellen Situationen in den 21 Landesverbänden, eine abschließende Auskunft zum Finaltag der Amateure geben können.“

Ob am 29. Mai wirklich auch im Fußballverband Rheinland der Cupsieger ermittelt wird, erscheint demnach doch nicht so ganz sicher.