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Trier/Koblenz: „Es geht um die Existenz“

Handball : „Es geht um die Existenz“

Wenn der Handballverband nicht überleben kann, hätte das weitreichende Folgen für die Vereine.

Nach der Modus-Änderung durch den Deutschen Handballbund (DHB) könnten die Drittliga-Frauen der HSG Wittlich im April zu einem freiwilligen Wettkampfangebot wieder auf die Platte zurückkehren, und die Frauen der HSG Hunsrück würden gerne um den Aufstieg in die 3. Liga spielen (TV berichtete). Wie es dann um ihren Heimatverband bestellt ist, bleibt abzuwarten: Der Handballverband Rheinland (HVR) ist von der Corona-Pandemie genauso betroffen wie zahlreiche Vereine.

Um die sehr angespannte finanzielle Situation darzustellen, leiteten Geschäftsführer Hermann Josef Häring und Präsident Peter Josef Schmitz eine Online-Konferenz für Vereinsvertreter in die Wege. Die Schocknachricht, die rund 50 Teilnehmer vernahmen: Das Loch in den Kassen ist groß. Geschäftsführer Häring brachte es auf den Punkt: „Es geht um die Existenz des Verbandes.“

Sämtliche Einsparmaßnahmen seien bereits getroffen worden, und trotzdem droht ein Kollaps. „Im März/April steht ein akuter Liquiditätsengpass ins Haus“, warnten Häring und der für die Finanzen zuständige Vizepräsident Klaus Müller. Seit dem Jahr 1996 ist er im HVR-Präsidium aktiv, der Haushalt sei immer auf Kante genäht gewesen, aber eine so dramatische Situation wie aktuell habe es noch nie gegeben.

Der DHB verlangt nämlich weiterhin die Beiträge und Abgaben durch seine Landesverbände und auch weitere laufende Kosten machen vor der Pandemie nicht Halt. Erschwerend kommt hinzu, dass der Verband von den öffentlichen Fördermitteln aus systemrelevanten Gründen nicht profitieren kann.

Die HVR-Verantwortlichen machten den Vereinsvertretern deutlich, dass sie mit Hochdruck daran arbeiten, neue Sponsoren und Unterstützer zu generieren, aber ohne die jährlichen Abschlagszahlungen der Meldebeiträge gehe es nicht. „Anders wird unser Verband kaum weiter bestehen können, und das hätte für die Vereine die fatale Folge, dass kein Spielbetrieb mehr möglich ist“, schilderte Häring die drohenden Konsequenzen.

Peter Josef Schmitz ging auf die Nöte der Klubs ein. Der Präsident aus Weibern kennt deren schwierige Lage. „Jede Zahlung trifft alle dort, wo es schmerzt. Aber die Alternative wäre, den Verband abzuwickeln.“ Von großer Solidarität zeugen die überwiegenden Reaktionen.

Eine spontane Abfrage machte deutlich, dass die Vereine mit dem zeitnahen Einzug der Abschlagszahlungen einverstanden sind. „Der Verband verzichtet auf die Jugendmeldebeiträge sowie auf die Kostenumlagen für das Schiedsrichterportal und das Spiel- und Passverwaltungsprogramm nuHandball. Die Vereine werden so linear um circa 35 Prozent entlastet“, so Hermann-Josef Häring.

„Gemeinsam kommen wir da raus. Wir sitzen alle in einem Boot“, rief Axel Weinand von der HSG Wittlich zum Zusammenhalt auf. Das Präsidium wertete die Reaktionen als positives Signal. „Es war ein sehr konstruktiver Austausch mit einem sehr sachlichen, zielorientierten Umgang“, resümierten Häring und Schmitz.

Für Michael Thomas ist es selbstverständlich, dem Verbands-Anliegen zu entsprechen. „Auf diese Situation war ich ehrlich gesagt nicht gefasst. Man muss sich die drohenden Folgen vor Augen führen: Wenn sich der Verband auflöst, lösen sich im nächsten Schritt die Handballabteilungen auf. Soweit dürfen wir es nicht kommen lassen, dafür ist der Handballsport bei uns viel zu populär“, sagt der Abteilungsleiter des TuS Daun. „Aus der Sicht unseres Vereins wird uns die Abschlagszahlung nicht umbringen. Wir sind ein gesunder Verein und im Gegensatz zu anderen auch nicht auf eine abteilungsinterne Kasse angewiesen.“