Fußball-Rheinlandpokal : Der Finalteilnehmer wird per Los gesucht

Der Zufall soll nun entscheiden, welche Mannschaft gegen Regionalligist Rot-Weiß Koblenz um den Einzug in den DFB-Pokal spielt.

Über vier Stunden hatte das Präsidium des Fußballverbandes Rheinland (FVR) getagt, Präsident Walter Desch plagten zuvor sogar schlaflose Nächte, wie er zugeben musste. Das wochenlange Hickhack um die Fortsetzung des Rheinlandpokals und die (eigentlich) damit verbundene, wirtschaftlich lukrative Qualifikation für die erste Hauptrunde des DFB-Pokals ist am Dienstagabend mutmaßlich beendet worden (wir berichteten in einer Teilausgabe kurz): Entgegen des zuvor unterbreiteten Vorschlags an die insgesamt 37 im coronabedingt unterbrochenen Wettbewerb stehenden Clubs, neben Regionalligist Rot-Weiß Koblenz den aktuell ranghöchsten FVR-Oberligisten Eintracht Trier für den bundesweit abgestimmten Finaltag der Amateure zu setzen, hat sich die Verbandsspitze nun dem Meinungsbild der Clubs gefügt. Aus rund zwei Drittel der abgegebenen Rückmeldungen, so Desch, habe sich ergeben, dass der sportliche Aussagewert der Oberliga-Abbruchtabelle zu schwach sei, um daraus ein Startrecht für die Trierer zu folgern.

Nun soll am 29. Mai im Koblenzer Stadion Oberwerth ein Entscheidungsspiel zur Qualifikation für den DFB-Pokal ausgetragen werden. Dabei trifft Rot-Weiß Koblenz auf einen Gegner, der am Montag, ab 17 Uhr, unter den noch im Wettbewerb verbliebenen Teilnehmern ausgelost wird – und das nach einer Reihenfolge, um auf alle Eventualitäten (wie etwa coronabedingte Teamquarantänen) vorbereitet zu sein. Der FVR plant, die Auslosung in einem Stream live zu übertragen.

Die im Pokalrennen verbliebenen Vereine können mit Ausnahme der im DFB-Pokal statutenbedingt nicht zugelassenen Spielgemeinschaften bis Sonntag erklären, ob sie im Fall der Fälle gegen Koblenz antreten möchten. Bis Redaktionsschluss hatten folgende Clubs bereits angekündigt, dabei sein zu wollen: die beiden Oberligisten Eintracht Trier und FSV Salmrohr sowie aus der Rheinlandliga der FV Hunsrückhöhe Morbach und der FC Bitburg – sowie außerhalb der Region Trier TuS Koblenz, FV Engers (beide Oberliga), FV Rübenach, TuS Immendorf, Ata Urmitz, TuS Oberwinter, VfB Linz (alle Bezirksliga) sowie A-Ligist SSV Heimbach-Weis. Sollte die Partie coronabedingt nicht bis zum Meldetermin am 1. Juli („Dieses Datum ist wegen der in diesem Jahr so engen Terminlage in Stein gemeißelt“, so FVR-Geschäftsführer Armin Bertsch) ausgetragen werden können, sollen die Koblenzer Rot-Weißen für die erste DFB-Pokal-Runde gemeldet werden.

Der eigentliche Rheinlandpokal mit seinen noch ausstehenden fünf Runden ist abgekoppelt vom Spiel am 29. Mai geplant und soll bis spätestens Mitte Juli durchgezogen werden, sofern es die Corona-Lage zulässt. Den Teams winken hier gestaffelte Prämien, von 300 Euro in der aktuell zweiten Runde bis hin zu 6000 Euro für den Gewinner. Hinzu kommen soll ein Solidarbeitrag des DFB-Pokal-Qualifikanten. Rot-Weiß Koblenz hat bereits zugesagt, ein Drittel des Nettoerlöses aus der Prämie in Höhe von 90 000 Euro zur Verfügung stellen zu wollen. 

Bei Eintracht Trier schätzen sie die neueste Vorgehensweise als „unglücklich“ ein. „Sportlich nachvollziehbar wäre es gewesen, die beiden besten Teams um den Einzug in den DFB-Pokal antreten zu lassen – und das sind neben Rot-Weiß Koblenz nun mal wir, auch, wenn wir nur acht Oberligaspiele absolviert haben“, sagt Vorstandssprecher Alfons Jochem. Man habe nun das Ganze „verschlimmbessert“.

Konsequent wäre es nun gewesen, beide Finalteilnehmer zu losen, meint der Trierer Verantwortliche. Für den Verband sei es allerdings „nicht möglich, eine für alle zufriedenstellende Lösung zu bieten“. Jochem kritisiert vielmehr jene Oberligisten, die vor Wochen vehement für einen Abbruch der Punktrunde plädiert hätten, nun aber noch spielen wollen. „Dabei handelt es sich doch in beiden Fällen um Fußball.“

Druck auf das FVR-Präsidium kam zunehmend auf, als zwei Dutzend Clubs unter Federführung der Oberligisten TuS Koblenz, FV Engers, FSV Salmrohr und FC Karbach ein Positionspapier formulierten. Die Vereine hatten sich wie von Salmrohrs Ehrenpräsident Peter Rauen in der Videokonferenz am vergangenen Mittwoch gewünscht, virtuell geschlossen. Im ersten Adressatenfeld fehlten aber just Trier und Rot-Weiß Koblenz. Erst auf Salmrohrer Intervention lud der dafür zuständige TuS-Koblenz-Präsident Christian Krey darauf Vertreter dieser beiden Vereine ein, worauf die Eintracht verstimmt war und eine Teilnahme absagte. Salmrohrs Vorsitzender Christian Rauen findet es „einfach gut und richtig, dass man auf die Mehrheit der Vereine gehört hat und beim Verband von seiner ursprünglichen Absicht abgerückt ist“. Sollte ihr Team gezogen werden, wäre Rauen genauso wie Triers Jochem und Andreas Neuerburg (Geschäftsführer des FC Bitburg) sowie Georg Schuh (Sportlicher Leiter des FV Morbach) zuversichtlich, von den Behörden eine Zustimmung zu erhalten, trotz genereller Corona-Einschränkungen im Vorfeld des 29. Mai Mannschaftstrainings durchführen zu können, um einigermaßen auf das Duell mit den voll im Saft stehenden Koblenzern vorbereitet zu sein.