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Trier/München: Fußball-EM: Im Stadion war Hygiene kein Thema

Fußball-EM und Corona : Stadion-Besuch: Als die Hygiene in München auf einmal kein Thema mehr war

Fußballer aus der Region berichten von ihren Besuchen von EM-Spielen. In München und Budapest haben sie überraschende Erkenntnisse gewonnen.

Auch einige Fußballer aus der Region sammelten EM-Erlebnisse vor Ort. Was aus ihrer Sicht gut lief, woran es haperte und warum die Ticketpreise in Budapest niedriger sind als etwa in München, verraten sie im TV-Gespräch.

Öfters ist er bei Länderspielen der DFB-Elf und mit ihr auch immer wieder bei großen Turnieren zu Gast. „Selten“, merkt der aus Lorscheid stammende und in Trier lebende Nico Thömmes an, waren „die Voraussetzungen für den Besuch eines Länderspieles der deutschen Nationalmannschaft so besonders wie zuletzt gegen die ungarische Auswahl“. Gemeinsam mit seinem Bruder Lukas – beide Aktive des Trier-Saarburger Kreisligisten SG Osburg –  zählte er zu den knapp 12 500 Zuschauern in der Münchner Arena.

Zuerst ging es auch für die beiden Hochwälder in ein Testzentrum der bayerischen Landeshauptstadt. Das Ergebnis des durchgeführten (negativen) Schnelltests musste auf die Corona-Warn-App übertragen werden. „Dann besuchten wir am frühen Abend einen Biergarten in der Innenstadt. Von der Stimmung, die wir von früheren Europa- sowie Weltmeisterschaften kannten, war jedoch leider nichts zu spüren. Pandemiebedingt fielen etwa auch sämtliche Fanfeste aus“, so Thömmes. Die Anreise ins Stadion sei durch Sonderzüge und Einlassfenster am Stadion „gut getaktet und sehr coronakonform“ gewesen.

EM-Spiel in München: Hygiene-Regeln und Regenbogenflaggen im Stadion

In der Arena seien nicht nur die Regenbogenflaggen als Zeichen der Vielfalt („Das haben natürlich auch wir zum Ausdruck gebracht.“) allgegenwärtig gewesen, sondern auch das Thema Hygiene und Sicherheit: „Wir wurden immer wieder durch Plakate der Volunteers oder Stadiondurchsagen auf die einzuhaltenden Regeln hingewiesen. Spätestens mit dem einsetzenden Regen wurden diese aber nicht mehr sonderlich beherzt.“

Das schwache Spiel der Gastgeber ließ die Stimmung in der sowieso nur spärlich gefüllten Arena schnell zum Erlahmen bringen. „Eine uninspirierte und indisponierte deutsche Nationalmannschaft tat sich einmal mehr gegen einen destruktiv spielenden Gegner äußerst schwer“, lautet das sportliche Fazit von Thömmes. „Ohne Stimme und in einer nicht einzuordnenden Stimmung aus Enttäuschung über das Spiel, Wut über die Spielweise und Freude über den Achtelfinalzug“, habe er mit seinem Bruder den Heimweg angetreten. Kurios: Nach dem Abpfiff durften alle Zuschauer gleichzeitig das Stadion verlassen und zur U-Bahn-Station strömen. „Da hat es niemanden mehr interessiert, ob die vorher angepriesenen Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten wurden.“ 

  Endlich wieder im Stadion: Fabian Mohr und Dominik Keils (l.) schauten sich Deutschland gegen Frankreich an.
Endlich wieder im Stadion: Fabian Mohr und Dominik Keils (l.) schauten sich Deutschland gegen Frankreich an. Foto: Fabian Mohr Dominik Keils

Beim ersten Gruppenspiel der DFB-Elf war Fabian Mohr in München zu Gast. Der für den SV Strohn pfeifende Vulkaneifeler Schiedsrichter (bis hinauf zur Oberliga) konnte die 0:1-Niederlage gegen die Franzosen genauso verschmerzen wie sein aus Olzheim (Eifelkreis Bitburg-Prüm) stammender Ex-Schirikollege Dominik Keils: „Über allem stand das tolle Gefühl, nach über eineinhalb Jahren noch mal im Stadion gewesen zu sein“, so Mohr. Schnell vergessen waren im Nachhinein die aus seiner Sicht herrschenden organisatorischen Probleme: „Nach der Ankunft in München ging es für uns darum, eine Teststelle zu finden, die auch den notwendigen QR-Code ausstellt. Das  war aber nicht ganz so einfach.“

EM-Spiel in Budapest: Mit Bändchen und Fiebermessen in die Fanmeile

Die Temperaturen während des Frankreich-Spiels waren hoch. Erfrischungen gab es zwar in der Arena, durften jedoch nur in unmittelbarer Nähe der Imbissstände verzehrt werden. „An unseren Platz selbst durften wir aus Corona-Gründen nichts mitnehmen“, so Mohr. Schwamm drüber: „Alleine die Tatsache, dabei gewesen zu sein und die Atmosphäre live und vor Ort mitbekommen zu haben, war schon ein Genuss.“

 Genossen eine Woche in Budapest (von links): Björn Kraus, Marc Fußangel und Christian Anderle.
Genossen eine Woche in Budapest (von links): Björn Kraus, Marc Fußangel und Christian Anderle. Foto: Anderle, Fußangel, Kraus

55 662 Zuschauer: Teil dieser in Corona-Zeiten für einige schier unvorstellbaren Kulisse war Christian Anderle mit seinen Kumpels Björn Kraus und Marc Fußangel vom TuS Mosella Schweich beim ungarischen Auftaktmatch gegen die Portugiesen (0:3). So unkompliziert und stimmungsvoll es in der Puskás Aréna zuging, so hoch waren die Hürden im Vorfeld: Um sicherzustellen, dass nur berechtigte Personen ins Stadion gelangen, gab es in Budapest verschiedene Sammelpunkte. Dort müssen Zuschauer ihren Impfpass oder einen aktuellen PCR-Test, ihren Personalausweis und die Eintrittskarte für das jeweilige Spiel vorlegen, um für den Einlass registriert zu werden. Dann gab es ein Armbändchen, mit dem man schließlich ins Stadion gelassen wurde. Dieses berechtigte auch zum Einlass auf die Fanmeile, in der jede Menge Abwechslung geboten wurde und wo das Trio den zweiten Auftritt der Ungarn gegen die Franzosen (1:1) verfolgte.

„Am Eingang zum Stadion wurde dann an einer Schranke noch einmal Fieber gemessen“, berichtet der in Neumagen-Dhron lebende Anderle, der die C-Junioren der Mosella coacht. In der ungarischen Metropole („Eine weltoffene, sichere und sehr sympathische Stadt, in der sich unheimlich viel bewegt und die viele schöne Seiten hat.“) hätten sie eine unbeschwerte Woche erlebt, mit „unheimlich freundlichen und zuvorkommenden Gastgebern“. Für gute Plätze hinterm Tor zahlten Anderle und seine beiden Begleiter übrigens gerade mal 30 Euro. In den westeuropäischen Städten kostet die günstigste Kategorie 50 Euro. Mit dieser Staffelung will die Uefa den unterschiedlichen wirtschaftlichen Verhältnissen und dem Preisniveau in den verschiedenen Ländern während des paneuropäischen Turniers Rechnung tragen.