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Trier: Rainer Loch, ein Urgestein des Basketballs an der Mosel

Basketball : Ein Urgestein des Trierer Basketballs

Er hat an der Erfolgsstory des Basketballs an der Mosel von Anfang an mitgeschrieben, war erst Spieler, dann Trainer und förderte später jahrelang die Talente: Rainer Loch blickt im TV-Portrait auf viele besondere Momente zurück.

Sein Name ist ganz eng mit der Geschichte des Trierer Basketballs und dem Weg des TVG Trier von der Oberliga in die Bundesliga verbunden: Die Rede ist von Rainer Loch, dem echten Trierer Jung aus Kürenz, der Ende des Jahres die 60 vollmacht.

Vor uns liegt ein dickes Fotoalbum, liebevoll von seiner Ehefrau Alex zusammengetragen, mit unzähligen Bildern, Zeitungsartikeln und persönlichen Erinnerungen an eine glanzvolle Zeit als Basketballer mit Leib und Seele. „Werner Häberlein, für viele auch der Urvater des Trierer Basketballs, hat mich im Alter von zehn Jahren zum Basketball gebracht“, erinnert sich Loch an den Beginn seiner Karriere. „Nach dem ersten Training in der ehrenvollen Kürenzer Sporthalle wusste ich: Dieser Sport ist etwas für mich.“ Die Entscheidung für den Basketball war die richtige. Ein steiler sportlicher Aufstieg folgte.

Schon im Alter von 15 Jahren schaffte er es als bis dato jüngster Spieler in die Herren-Oberliga – wieder unter Trainer Häberlein. Einer der Mitspieler in diesem Team, der ihn noch viele Jahre im Basketball begleiten sollte, war Wolfgang Esser. Dann ging es rasch weiter nach oben. Unter Coach Horst Barinka folgte der Aufstieg in die Regionalliga, unter anderen mit den Mitspielern Patrick Börner, Michael Edringer und Jörg Maus – alles Namen, die noch lange in Triers Basketballszene eine wichtige Rolle spielen sollten und immer noch spielen.

Um seiner Karriere einen weiteren Schub zu geben, wechselte Loch zur Saison 1982/83 in die 2. Bundesliga nach Dillingen. Doch der „kleine Ausflug“ dauerte nicht lange. Schon bald kehrte Loch nach Trier zurück, um als Spielertrainer den Wiederaufstieg des TVG in die Regionalliga zu gestalten und dann zu feiern. Zur Saison 1986/87 kehrte auch TVG-Urgestein Wolfgang Esser aus Linz am Rhein nach Trier zurück. Nach der Hinrunde in dieser Saison noch Vorletzter, reichte es dank einer starken Serie in der Rückrunde zur Vizemeisterschaft hinter Essers Ex-Club BBC Linz. „Mit einem Grinsen im Gesicht“, erinnert sich Loch, „überraschte uns Wolli Esser mit der Nachricht, dass Linz auf den Aufstieg verzichtet“.

Damit war der Weg in die 2. Liga für den TVG frei. James Marsh kehrte aus den USA zurück. Mit David Kowalski fand ein US-Spieler den Weg nach Trier, um gemeinsam mit Daniel Beerbaum, Michael Edringer, Michael Sliwinski, Ralf Dahlem und Mike Venz – um nur einige zu nennen – das Abenteuer 2. Liga in Angriff zu nehmen. Rainer Loch war für seine Distanzwürfe bekannt und gefürchtet. Nicht selten knackte er in dieser Liga die 30-Punkte-Marke.

 Rainer Loch
Rainer Loch Foto: Uli Kaurisch

Die weitere Geschichte der TVG-Korbjäger ist bekannt. Es folgte in der Saison 1989/90 der sensationelle Aufstieg in die Bundesliga. Spieler wie George Devone und Peter „Rookie“ Reißaus fanden den Weg an die Mosel. Loch erinnert sich, dass „wir alle wichtigen Partien gewinnen konnten“. Doch Lochs Spielerkarriere neigte sich mit Ende 20 langsam dem Ende entgegen. 

„Dass es mich bis in die Bundesliga führen wird“, schaut Loch zurück, „war beim ersten Training mit Werner Häberlein noch nicht absehbar. Natürlich hatte ich sehr viel Glück zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein“. Sehr gerne erinnert er sich an die große Rivalität in der Stadt zwischen dem TVG und dem Post SV Trier. Im Nachhinein ist er sich sicher, „dass diese Rivalität erheblich zur Entwicklung des Trierer Basketballs und seiner Leistungsträger beigetragen hat“. Höhepunkte seiner Spielerkarriere fallen Loch zahlreiche ein, doch einer sticht heraus. Vor der ersten Saison in der Bundesliga weilte die Mannschaft zum Trainingslager in Ungarn, als Trainer Esser in die Halle kam: „‚Wir haben einen neuen Mitspieler’, verkündete Esser. ‚Es ist der russische Nationalspieler Sascha Belostenny!‘“ Die Hallentür öffnete sich und herein kam dieser 2,14 Meter große Ausnahmespieler, der mit der russischen Nationalmannschaft Weltmeister und Olympiasieger geworden war. „Da begriff ich, dass wir wirklich in der Bundesliga angekommen waren“, sagt Loch noch heute voller Stolz.

Schon ganz früh stand für ihn der Berufswunsch fest, Sportlehrer zu werden. Erste Erfahrungen sammelte er schon als 15-Jähriger. „Ich wusste auch schon sehr früh, dass ich Trainer sein wollte“, berichtet der heutige Sportpädagoge. Fast ohne Unterbrechung war Loch bis vor zwei Jahren als Coach aktiv.

Die Liste seiner Stationen als Übungsleiter ist lang: Viele erfolgreiche Jugendmannschaften des TVG, unter anderem mit dem späteren Nationalspieler Patrick Börner, profitierten von ihm. Mehrmals trainierte Loch zeitgleich verschiedene Teams, darunter auch vier Jahre lang die Damenmannschaft des TVG in der Regionalliga. In der Saison 1993/94 wurde er Co-Trainer von Juri Selikow in der Bundesliga, um dann am 19. Januar ’94 diesen als Headcoach abzulösen.

Die sportliche Entwicklung der Mannschaft in der Bundesliga war in die falsche Richtung gegangen. Überredet zu dieser Tätigkeit als verantwortlicher Bundesligatrainer, so erinnert sich Loch, hatte ihn Wolli Esser im schmucklosen Backsteingebäude des Moselstadions. „Du bist der Einzige, der es jetzt machen kann“, meinte Esser damals. Loch sicherte sich die Unterstützung seines ehemaligen Mitspielers Michael Sliwinski als Co-Trainer und wagte diesen Schritt.

Tatsächlich gelang die sportliche Kehrtwende. Dabei erinnert sich Loch besonders gerne an den Sieg gegen das Topteam Bayer Leverkusen und dessen Trainer Dirk Bauermann. In einer erfolgreichen Abstiegsrunde wurde der Klassenerhalt gesichert. Mit Sascha Hupmann und dem Ausnahmespieler Sergei Babkov verließen jedoch wichtige Akteure am Ende der Saison den Verein und auch Loch beendete sein Engagement. Profitrainer sein oder doch lieber Sportlehrer werden? Diese Frage stellte sich Loch. „Schnell war mir klar, dass ich kein Profitrainer werden möchte“, stellt er fest. Er blieb aber dem TVG treu und wurde Coach der Reservemannschaft in der Oberliga. Aus dieser Talentschmiede schafften einige dann auch den Sprung nach oben.

Über sein Engagement bei den Basketballfreunden Kordel und im luxemburgischen Düdelingen fand er 2005 den Weg zur D-Jugend der MJC Trier. Bei dieser Entscheidung spielte sein Sohn Florian eine wichtige Rolle. „Familienzeit“, so beschreibt Rainer sein Engagement. Auf Drängen der Verantwortlichen übernahm Loch dann zudem die Oberligamannschaft der MJC, um auch hier erfolgreich zu sein. Nach dieser Zeit wollte er sich „so langsam“ aus dem Basketball-Geschehen zurückziehen, um sich dann doch an verantwortlicher Stelle im Nachwuchsprogramm der Gladiators zu engagieren und sich auch für die Verpflichtung des jetzigen Basketball-Bundestrainers Henrik Rödl starkzumachen. Mit einem Schmunzeln erinnert sich Loch an das sportliche Aufeinandertreffen mit dem Nationalspieler bei einem Spiel in Offenbach: „Ich habe an der Mittellinie ein Offensivfoul von Henrik angenommen.“

An so manches denkt er positiv zurück: „Natürlich gehören die Aufstiege in die 2. und in die Bundesliga dazu. Es sind auch die vielen Freundschaften, die entstanden sind, die mich sehr gerne an die Basketballzeit zurückdenken lassen.“ Selbst wenn der Anlass ein sehr trauriger war: „Als unser ehemaliger Mitspieler Tom Jarosch vor kurzer Zeit verstarb, haben sich viele ehemalige Mitspieler wie Patrick Börder, James Marsh und Martin Weigand wie selbstverständlich am Telefon kurzgeschlossen.“

Das dicke Fotoalbum liegt immer noch vor uns. „Es ist Zeit, das Kapitel Basketball zu schließen“, sagt Loch, der vor zwei Jahren seine Tätigkeit als Coach und Berater eingestellt hat. „Es war eine ganz tolle Zeit, die mich sehr geprägt hat.“

Beim abschließenden Gläschen Moselriesling sinniert Loch dann noch über die Gegenwart des Trierer Basketballs: „Wir waren als Team mit etlichen Trierer Jungs, die sich über viele Jahre kannten, gerade durch unseren Zusammenhalt so erfolgreich. Ich habe mich daher sehr intensiv für den propagierten ‚Trierer Weg’ eingesetzt, der Talente der Region besonders fördert und ihnen den Sprung in den Spitzensport ermöglicht.“

Ihm bereitet die aktuelle Entwicklung im Basketball der Stadt derzeit Sorgen. „Ich hoffe, dass man diesen Weg nicht verlässt und kann in dem Zusammenhang nicht verstehen, warum man bei den Gladiators mit Rupert Hennen beispielsweise ein echtes Trierer Eigengewächs ziehen lässt, obwohl der Trainer ihm schon mal eine Bundesligaperspektive bescheinigt hat“, meint Loch, „aber das liegt nicht mehr in meiner Verantwortung“.