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Trier/Region: Das Votum ist klar - Saison steht vorm Aus

Fußball : Das Votum ist klar: Saison steht vorm Aus

Das Ergebnis ist eindeutig: 86 Prozent der Vereine im Fußballverband Rheinland stimmten für einen Abbruch und die Annullierung der coronabedingt seit rund fünf Monaten ausgesetzten Saison. Am Samstag soll endgültig ein Schlussstrich unter die 2020/21er Runde gezogen werden. Bemühungen einiger Clubs, die angefangene Spielzeit noch zu retten, scheinen ins Leere zu laufen.

Lange Zeit war er optimistisch, die seit Ende Oktober unterbrochene Meisterschaftssaison von der Rheinlandliga bis hinunter in die Kreisligen noch retten zu können. Zumindest die Hinrunde zu absolvieren und damit eine sportliche Wertung zu erlangen, war das Ziel. „Doch zuletzt wurde mit jedem Tag die Anzahl derjenigen, die einen Abbruch befürworten, größer“, hat Walter Desch beobachtet.

Wieder steigende Corona-Fallzahlen, dadurch erhöhte Inzidenzen und vielerorts damit nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten, überhaupt ein annähernd normales Mannschaftstraining durchzuführen: „Angesichts der aktuellen Entwicklungen“, so der Präsident des Fußballverbandes Rheinland (FVR), „war ein solches Resultat sicherlich zu erwarten – es spiegelt die traurige Realität wider, die eine baldige Rückkehr aller Fußballerinnen und Fußballer auf den Sportplatz leider nicht in Aussicht stellt“.

Von vergangenem Donnerstag bis Dienstag konnten die Vertreter der am Spielbetrieb teilnehmenden Vereine aus dem Herren-, Frauen- und Jugendbereich darüber abstimmen, ob sie für oder gegen einen Abbruch und eine Annullierung sind. Insgesamt 533 und damit knapp 60 Prozent der wahlberechtigten Vereine beteiligten sich an der Umfrage. Jeder Verein hatte eine Stimme. Davon waren 458 (rund 86 Prozent) für eine Annullierung der Saison, 75 (etwa 14 Prozent) dagegen.

Im Rahmen seiner Frühjahrstagung soll nun der Beirat als höchstes Gremium des FVR (siehe Info) am Samstagmorgen, ab 10 Uhr, den offiziellen Beschluss fassen, wie es mit der noch unterbrochenen Saison weitergeht. Das Votum der Vereine ist für den Beirat nicht bindend, soll ihm aber als klares Meinungsbild dienen. Der Weg, die Spielzeit vorzeitig zu beenden und ab Sommer in den jeweiligen Ligen mit den gleichen Teams wie in diese Runde zu starten, scheint vorgezeichnet.

Offen bekunden auch die drei Vorsitzenden der westlichen FVR-Spielkreise, für einen Abbruch zu stimmen. „Die Corona-Zahlen steigen und sind von Landkreis zu Landkreis noch dazu sehr unterschiedlich. Einen geordneten Spielbetrieb würden wir da bis Ende Juni nicht hinbekommen“, sagt der Eifel-Vorsitzende Walfried Hacken (Bleialf). Sein Mosel-Pendant Walter Kirsten hat zwar „schon Entzugserscheinungen, weil es am Wochenende keine Spiele gibt“, doch man müsse die Gesamtentwicklung einfach realistisch sehen – das Ergebnis der Umfrage ist auch noch mal ein klares Zeichen“, so der Piesporter weiter. Aus Osburg im Hochwald ist vom Trier-Saarburger Vorsitzenden Hans-Peter Dellwing ähnliches zu hören. „Wenn man sich dann auch noch wie auf so vielen Anlagen nicht umziehen darf und auch die Duschen gesperrt sind, bringt das überhaupt nichts.“

Aus seinem Spielkreis machte in den vergangenen Tagen ein Vorschlag die Runde, wie es in den Amateurligen weitergehen soll. Daniel Clemens, Abteilungsleiter des derzeitigen A-Liga-Zweiten DJK Pluwig-Gusterath, plädiert für eine Ausdehnung der Saison auf das kommende Jahr, also eine Saison 2020/22: „Dann würden wir im Spätsommer mit dem aktuellen Punktestand weiterspielen. Somit wären die Anstrengungen der in ihren Ligen oben mitspielenden Teams nicht umsonst, und wir hätten durch die bereits absolvierten Spiele etwas weniger Termindruck.“ Gerade jene, die weit unten in der Tabelle stehen, würden für einen Abbruch plädieren. Jenen wirft Clemens eine „egoistische Denkweise“ vor. „Corona wird da oft als Argument nur vorgeschoben.“

Dem bereits vom Bayrischen Fußballverband nach dem Abbruch der 2019/20er Runde angewendeten Modell kann Walfried Hacken durchaus Sympathien abgewinnen, weiß aber, „dass für solch einen Vorschlag die Zeit zu fortgeschritten ist und man die Clubs dafür ja noch mal fragen müsste“. FVR-Präsident Desch führt als Gegenargument den fehlenden zeitlichen Zusammenhang an, wenn eine Ende Oktober unterbrochene Saison erst rund ein dreiviertel Jahr später fortgesetzt würde. Zudem äußert er Bedenken wegen der generell auf die Jahresmitte hin getakteten Wechselperiode. 

Am Vorhaben, den Rheinlandpokal noch durchzuziehen, hält Desch fest. Dazu soll es am heutigen Freitagabend eine Videokonferenz unter allen aktuell noch im Wettbewerb verbliebenen Vereinen geben. Ziel ist es, am 29. Mai bundesweit den Finaltag der Amateure stattfinden lassen zu können (TV berichtete mehrfach). Das ARD-Fernsehen will die Landespokalendspiele wieder per Konferenzschaltung übertragen. „Es gibt diesmal keinen Alternativtermin. Außerdem geht es auch für unseren Verband um eine Stange Geld“, sagt der FVR-Chef. Nach TV-Informationen handelt es sich um einen mittleren, fünfstelligen Betrag aus Sponsorengeldern.

Geplant ist auch weiter, zumindest etwa im Juni oder Juli, die Kreispokalrunden fortzusetzen. Auch, wenn in der ersten Jahreshälfte nach dem zu erwartenden Beschluss des FVR-Beirats nicht mehr um Punkte gespielt wird, soll es aber alternative Spielformen geben. Freundschaftsspiele zumindest der jüngeren Jugendjahrgänge, (Kleinfeld-) Spiele und/oder -turniere der Senioren in einem enger begrenzten lokalen Umfeld seien denkbar, so Desch – und erntet mit dieser Idee durchaus Zustimmung bei den Kreisvorsitzenden aus der Region.

Auch kritische Töne dürften die Videokonferenz am Samstagmorgen begleiten. Walfried Hacken moniert, dass die Kommunikation mit der Verbandsspitze sehr dünn gewesen sei: „Es gab kaum einmal eine Information – auch nicht, wie der Tenor der Videokonferenzen mit den Vereinen war.“ Zudem hätte es ja anfangs geheißen, die Kreise könnten individuell über eine Fortsetzung des Ligabetriebs entscheiden. „Wir versuchen, sehr transparent zu sein. Es gibt aber auch Kreisvorsitzende, die sich ein ganzes Jahr nicht melden. Wenn Walfried Hacken da Defizite sieht, hat das auch immer etwas mit einer Holschuld zu tun“, kontert der FVR-Präsident.