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Trier/Region: Der harte Kampf durch die lange Handballpause

Sport in der Region : 14 Monate Stillstand - Der harte Kampf durch die lange Handballpause

Seit rund 14 Monaten wird auch in der Verbandsliga West nicht mehr gespielt. Wie die Clubs damit umgehen, und was sie planen.

Die Corona-Pandemie hat die Planungen auf regionaler Handballebene gehörig durcheinandergewirbelt: Eigentlich war die Saison 2019/20 als Qualifikationsrunde für die neue eingleisige Verbandsliga angedacht. In den Staffeln West und Ost sollten je sechs Mannschaften das Ticket für die unter vielen Vereinen in der Region Trier umstrittene eingleisige Liga lösen. Das Vorhaben sollte nach dem Abbruch in der 2020/21er Runde umgesetzt werden. Hier kam es aber im Herbst zum Stopp, noch bevor die Saison überhaupt starten konnte. Nun ist davon auszugehen, dass die kommende Spielzeit als Qualifikationsrunde gespielt wird, damit dann ab der Saison 2022/23 die eingleisige Verbandsliga greift. Die Durchführungsbestimmungen müssen allerdings vom Spielausschuss des Verbandes noch beschlossen werden.

Seit rund 14 Monaten ruht insgesamt der Spielbetrieb bei den West-Verbandsligisten. Wir haben nachgefragt, wie die Lage bei den Clubs ist.

HSC Igel: Der Kader des Teams von Trainer Heiner Mainz blieb im vergangenen Sommer unverändert und wurde durch einige Jugendspieler ergänzt, die nun auch für die kommende Saison 2021/22 ihre Zusage gegeben haben. 16 Spieler sind an Bord. „Ich habe die Mannschaft in einer schwierigen Zeit übernommen. Die Jungs waren vor dem geplanten Saisonstart topfit. Wir hoffen nun, in der neuen Saison den hoffentlich wieder zahlreichen Besuchern attraktiven Handball zeigen zu können. Der Samstagabend war in Igel immer ein Treffpunkt vieler Familien mit ihren Kindern, die zum Handball gingen und die auch so zu unserem Sport fanden“, sagt der 60-jährige Mainz. Das alles ist seit über einem Jahr weggebrochen und seine Enkel würden regelmäßig danach fragen, wann sie wieder mit in die Halle dürfen. Mainz, für den es nach dem Neustart um den Klassenverbleib geht, hofft auf eine baldige Rückkehr in die Halle. Derzeit ist lediglich individuelles Training möglich, „und hier ziehen alle nach Kräften mit“, lobt der Igeler Trainer.

HSC Schweich:  Auch moselabwärts halten sich die Akteure individuell fit. Daniel Rohr (private Gründe), Tim Karrenbauer (berufsbedingt) und Chris Kordel wollen künftig kürzertreten. Dafür hat der HSC mit Johannes Rosch einen namhaften Rückkehrer. „Ich hoffe sehr, dass wir bald wieder in einen geordneten Trainingsbetrieb einsteigen können. Für uns in Schweich liegt die Priorität auf der Rheinlandliga der Frauen, doch ich werde weiterhin auch das Traineramt der Herren übernehmen“, sagt Coach Christian Leyh (42).

TV Bitburg II: Noch ist unklar, ob Trainer Janusz Klimek (58) nächste Saison bei den Bierstädtern weitermacht. „Das hängt vor allem von der Corona-Situation ab. Vor Beginn der vergangenen Saison haben wir ein komplett neues Team aufgestellt, mit dem wir uns auf die Saison vorbereitet hatten. Doch dann kam Corona und seither haben wir nur noch Kontakt über Social-Media-Kanäle. Persönlich gesehen haben wir uns zuletzt im Oktober 2020“, berichtet der frühere polnische Erstligaspieler. Derzeit sieht es laut Klimek so aus, als wollten alle Spieler weitermachen. Zudem hofft er auf den einen oder anderen Neuzugang. Bis Anfang Juni will er eine Entscheidung zu seiner Zukunft in Bitburg getroffen haben.

TuS Fortuna Saarburg: Als Spielertrainer wird Tim Moske (33) die Fortunen in die nächste Saison führen. „Die Rheinlandliga hat allen viel Zeit abverlangt. Das ist in der Verbandsliga anders. Mich freut, dass erfahrene Spieler ihre Zusage gegeben haben, uns in der Saison zu helfen, in die wir mit einer guten Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern gehen wollen. Dabei sollen alle ihre Spielanteile bekommen. So halten wir vor allem die jungen Spieler bei der Stange“, glaubt der neue Coach. Moske hofft, dass sich seine Jungs entsprechend fit halten. Gespannt ist er, wie sich der Verband hinsichtlich der eingleisigen Verbandsliga positionieren wird: „In Anbetracht der bestehenden Situation halte ich die Einführung der eingleisigen Liga für das falsche Signal. Alle können froh sein, wenn sie ihre Spieler bei der Stange halten und auch die Jugendlichen ihrem Handballsport erhalten bleiben.“

HSG Mertesdorf/Ruwertal: Mit Matthias Krewer, der aus Luxemburg zurückkam, sowie Torben Laible aus Hermeskeil hatte die HSG vor der abgebrochenen Saison zwei starke Neuzugänge zu verzeichnen. Vor dem Lockdown Ende Oktober gab es im Testspiel gegen Igel einen klaren Sieg. Seither findet kein Mannschaftstraining mehr statt. „Viele unserer Spieler haben vielfältige persönliche Kontakte, sind Lehrer, Erzieher, Bänker oder Handwerker und wir wollen uns einfach keiner Gefahr aussetzen. Deshalb trainieren alle individuell“, berichtet Trainer Andreas Cartarius (35).

TV Hermeskeil:  Als Spielertrainer wird Konstantin Menzer die Hochwald-Truppe in die nächste Saison führen. Vor dem Lockdown war das Team dreimal wöchentlich im Mannschaftstraining, dann beendeten die geschlossenen Hallen das Geschehen. „Ich bin echt gespannt, in welcher Verfassung sich meine Spieler präsentieren, wenn wir wieder in ein ordentliches Mannschaftstraining einsteigen können“, sagt der 31-jährige Menzer. Während Torben Laible nun im Ruwertal spielt,  konnte sich der TVH die Dienste von Nachwuchstalent Louis Auster sichern, der zuletzt in der A-Jugend-Bundesliga für die HG Saarlouis unterwegs war. „Louis wohnt jetzt in Hermeskeil“, verrät Menzer.

HSG Wittlich: „Es ist in der momentanen Situation schwierig, den Kontakt zu halten“, weiß Trainer Frank Staskewitz, der noch hinter dem einen oder anderen Spieler aus Studiengründen ein Fragezeichen sieht. Staskewitz sehnt der „richtigen“ Vorbereitung entgegen, „für die wir sicherlich zwei Monate brauchen werden“. Zudem sei abzuwarten, wie sich der Verband hinsichtlich der eingleisigen Verbandsliga positioniert, zumal sich einige Vereine in der kommenden Saison erst einmal finden müssten. „Unser Anspruch besteht darin, einen vernünftigen Tabellenplatz zu erreichen“, erklärt Staskewitz.

HSG Eifel: Die HSG hatte ihren Verzicht auf die Zugehörigkeit zur Rheinlandliga erklärt und wollte eigentlich mit Trainer René Wingels in der Saison 20/21 einen Neustart in der Verbandsliga wagen. „Nach dem Saison­aus haben wir zwei Monate überhaupt nichts gemacht, sind dann im November über einen vom Ski-Klub Prüm angebotenen Onlinekurs wieder ins Training eingestiegen mit dem Ziel, sich individuell fit zu halten. Ab Mitte Dezember habe ich dann gemeinsam mit unserem Physio einen Onlinekurs angeboten, der gut besucht war. Ab März wollten wir dann wieder ins Training einsteigen, doch zeitgleich kam die Notbremse. So haben wir uns persönlich zuletzt im Oktober letzten Jahres sehen können. Eine mehr als bescheidene Situation. Ich sehe eine gewisse Normalität erst wieder für Ende des Jahres“, beschreibt Wingels die missliche Situation. Er verfügt derzeit über einen 15 Mann starken Kader. Johannes Schellen kommt aus Bitburg zurück. „Einige personelle Entscheidungen sind jedoch noch in der Schwebe“, sagt der 39-jährige Coach der Vereinigten aus Prüm und Neuerburg.  Auch er baut darauf, dass von Verbandsseite die Entscheidung der eingleisigen Verbandsliga überdacht wird und man den Vereinen Gelegenheit gibt, sich in den nächsten beiden Jahren zunächst einmal wieder zu finden: „Für uns steht fest, dass wir keine weiten Fahrten auf uns nehmen werden.“

HSG Hunsrück II: Sehr eingeschränkt sei der Kontakt zu den Spielern nach Abbruch der Saison gewesen, berichtet der frühere Trainer Martin Bach. „Es konnte kein regulärer Trainingsbetrieb mehr stattfinden und so hielten sich die Spieler individuell mit Laufen, Radfahren und Krafttraining fit.“ Bach gab sein Amt an Jochen Tatsch ab (TV berichtete) und wird selbst künftig die A-Juniorinnen in der Rheinlandliga betreuen. Der neue Coach Tatsch hatte auf einen Wiederbeginn der Trainingsarbeit nach Ostern gehofft, doch auch das fiel der Corona-Situation zum Opfer: „Jeder Spieler ist für sich selbst verantwortlich, da kann ich wenig Einfluss nehmen. Zudem ist die Motivationslage schwierig, da völlig unklar ist, wie und wann es unter normalen Verhältnissen weitergehen wird.“ Immerhin: Die Mannschaft werde fast komplett zusammenbleiben. Ein Fragezeichen steht aus beruflichen Gründen noch hinter Kris Jünemann. „Dominique Mende muss sehen, wie er seinen Sport mit der beruflichen Weiterbildung unter einen Hut bekommen kann“, sagt der 41-jährige Trainer.