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Trier/Region: „Jede Begegnung mit ihm war eine kleine Ehre“

Zum Tode von Horst Eckel : „Jede Begegnung mit ihm war eine kleine Ehre“

Er war der letzte noch lebende deutsche Fußball-Held der Weltmeisterschaft 1954. Im Alter von 89 Jahren ist Horst Eckel vor wenigen Tagen verstorben. Spuren hat er auch in der Region hinterlassen – und das auf vielfältige Art und Weise.

Bereits mit Anfang 20 kam Horst Eckel zu Weltmeisterruhm und hatte großen Anteil am „Wunder von Bern“. Auch an der Blütezeit seines 1. FC Kaiserslautern in den fünfziger Jahren – gekrönt von den zwei Deutschen Meisterschaften 1951 und ’53 – wirkte der „Windhund“, wie sie ihn aufgrund seiner enormen Schnelligkeit nannten, entscheidend mit. Nach seiner aktiven Laufbahn, die er fast ausschließlich bei den Roten Teufeln verbrachte, engagierte sich Eckel auf verschiedenen Ebenen. Seinen letzten großen Auftritt in der Region hatte er vor rund zweieinhalb Jahren – in Morbach. Dass die von zahlreichen Fußballpromis besuchte Gala zugunsten der Horst-Eckel-Stiftung ausgerechnet in der Baldenauhalle stattfand, hatte einen guten Grund: Die Familie Eckel hatte Anfang der 1970er Jahre in Morbach gelebt. Der Weltmeister war Sportlehrer an der Realschule, seine Frau führte das ehemalige Sporthotel. Einige Besucher hatten beste Erinnerungen an das FCK-Urgestein, das als 17-Jähriger vom heimischen Vogelbach, wo am Donnerstag auch die Beerdigung stattfindet (siehe Extra) zum Betzenberg gewechselt war. Eckels früherer Lehrerkollege Friedel Müller, berichtete am Rande der Gala von einem „lieben, netten Menschen, mit dem man Pferde stehlen konnte“. Norbert Laudes, der als 15-Jähriger unter Eckel in einer Schul-AG Fußball gespielt hatte, beschrieb Eckel als „sehr korrekt, aber immer ehrgeizig. Wenn man gegen ihn ein Tor geschossen hat, hat er sich geärgert“.

Seinerzeit spielte Eckel auch noch bei den Alten Herren des SV Morbach. Bis ins hohe Alter blieb er aktiv und half als Spieler der Lotto-Elf mit, Geld für soziale Zwecke einzusammeln. Als Teamkollege war Edgar Schmitt oft an seiner Seite. „Auf Horst konntest du dich zu 100 Prozent verlassen. Solidität, Ehrlichkeit, Geradlinigkeit: Was heutzutage nicht selten zu kurz kommt, verkörperte Horst in unnachahmlicher Art und Weise.“ Auch dem aus Rittersdorf in der Südeifel stammenden und mittlerweile in Württemberg lebende Schmitt ist der große Ehrgeiz Eckels noch in lebhafter Erinnerung: „Bei einem Fußballcamp wollte ich ihn mal ein wenig foppen und ließ meine Mannschaft in der abschließenden Partie mit einem Spieler mehr spielen. Als Horst das bemerkte, war er so sauer auf mich, dass er eine Woche lang nichts mit mir sprach. Nachher konnte er aber darüber lachen und fiel mir um den Hals.“ Der WM-Gewinn 1954, an dem Eckel seinen Anteil hatte, ist für den 58-jährigen, früheren Bundesligastürmer Schmitt „bis heute der wertvollste Titel für Fußball-Deutschland, weil er den Menschen nach den Kriegsjahren wieder Freude und Selbstbewusstsein geschenkt hat“.

Die ausgeprägte soziale Ader Eckels beeindruckte auch Wolfgang Briesch. Der heute 78-jährige Trierer war frühere in der Justizvollzugsanstalt Wittlich beschäftigt und erlebte Eckel dort, wie er im Auftrage der Sepp-Herberger-Stiftung junge Strafgefangene besuchte: „Er hat sich intensiv mit den Menschen befasst, ihnen Ratschläge gegeben, wie sie etwa durch eine solide Berufsausbildung wieder den Weg zurück in ein normales Leben schaffen können. Dabei war er immer sehr authentisch.“ Auch bei Spielen in der Region erlebte Briesch die Lauterer Legende oft und zeigt sich noch heute beeindruckt vom fußballerischen Können Eckels.

 Wolfgang Briesch präsentiert Erinnerungsstücke an Horst Eckel.
Wolfgang Briesch präsentiert Erinnerungsstücke an Horst Eckel. Foto: Oliver Briesch

Seine Sportlehrerausbildung absolvierte Eckel zu Beginn der 70er Jahre in Trier. „Mit ihm in der Klasse war damals auch Peter Trump, Goldmedaillengewinner der Olympischen Spiele von 1972 im Hockey“, weiß TV-Mitarbeiter Jürgen C. Braun und schwärmt noch heute davon, wie er mit Anfang 20 als Mitglied der Volksfreund-Betriebsmannschaft auf dem Moselstadion-Nebenplatz gegen eine Auswahl mit Eckel, Trump und Co. spielte: „Das waren damals noch echte Granaten.“

 Horst Eckel und Edgar Schmitt bei der Lotto-Elf.
Horst Eckel und Edgar Schmitt bei der Lotto-Elf. Foto: FOTO SEYDEL/Peter Seydel

Zunächst als Fan und später als Journalist lernte Thomas Hilmes den nun Verstorbenen kennen. „Horst Eckel war einer der ersten Fußballspieler, von dem ich als Kind ein Autogramm ergattern konnte – 1991 bei einem Benefizspiel der FCK-Traditionsmannschaft in Neumagen-Dhron. Später sah ich ihn dann immer wieder. Im Jahr 2000 fuhr meine Mutter zum ersten Mal mit in ein Stadion – zum Abschiedsspiel von Stefan Kuntz auf dem Betzenberg. Auch sie erinnert sich noch heute bei jeder Fernseh-Einblendung daran, wie Horst Eckel mit damals 68 Jahren noch auf dem Platz stand und sogar ein Tor erzielte“, berichtet der Betreiber des Online-Magazins „Der Betze brennt“, das sich intensiv mit den Geschehnissen um die Roten Teufel befasst. Ein Autogramm, das er 2018 bei der Eröffnung der Horst-Eckel-Ausstellung in Hauenstein bekam („Dabei sammle ich eigentlich gar keine mehr.“), hat seitdem einen Ehrenplatz im Büro des in Piesport an der Mosel lebenden Hilmes. „Es war einfach ein toller Mensch, und jede Begegnung mit ihm war eine kleine Ehre“, betont Hilmes – und spricht damit Eckels zahlreichen Weggefährten wohl aus der Seele.