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Trierer Fußballer Harald Kohr: Das FCK-Gen trägt er immer noch in sich

Was macht eigentlich ...? Harald Kohr : Das FCK-Gen trägt er immer noch in sich

Die Fußball-Laufbahn des Harald Kohr stand vor ihrem Höhepunkt, da warf ihn eine Verletzung entscheidend zurück. Im Gespräch mit dem TV verrät er, wie er seine relativ kurze Zeit als Profi im Rückblick sieht, wie er die Karrieren seiner beiden Kinder Karoline und Dominik verfolgt und wo er mit fast 60 Jahren noch heute ab und an kickt.

Kurzer Blick aus dem Wohnzimmerfenster im Trierer Stadtteil Ehrang/Quint: Das Tor ist weg! Einst hatte Harald Kohr für seine beiden Sprösslinge Karoline und Dominik auf der Wiese hinterm Haus einen kleinen Fußballplatz gebaut. Die Bundesligakarriere des Vaters vergegenwärtigten sich Tochter und Sohn in jungen Jahren durch Fotos, Zeitungsausschnitte  und eine Best-of-DVD. Anschließend sind sie dann raus und spielten die Szenen nach. „Die Bretter waren morsch. Deshalb habe ich das Tor inzwischen abgebaut“, verrät Harald Kohr, der am 14. März runde 60 Jahre alt wird, indes zunächst nur im „ganz kleinen Rahmen“ feiern will. Die größere Fete soll dann bei einer sich hoffentlich weiter entspannenderen Corona-Lage voraussichtlich im Mai folgen.

Karoline (25) übte das Toreschießen sehr erfolgreich im Garten: Nach ihrer Zeit beim TuS Issel stürmte sie fünf Jahre lang in den beiden höchsten deutschen Frauenspielklassen für den 1. FC Köln, wechselte dann im vergangenen Sommer zu Union Luxemburg – nicht zuletzt aus privaten Gründen, weil ihr Freund aus Trier kommt. Dominik (28) hat sich als defensiver Mittelfeldstabilisator in der Bundesliga längst einen Namen gebracht. 209 Bundesligaeinsätze stehen für ihn mittlerweile zu Buche. Aktuell ist er von Eintracht Frankfurt an Mainz 05 ausgeliehen. „Domi fühlt sich in Mainz wohl“, lässt sein Vater durchblicken. Er verfolgt die Laufbahnen seiner beiden Kinder genau, ist so oft es geht bei den Spielen im Stadion dabei. „Wir tauschen uns regelmäßig aus, gehen aber nicht ins Detail. Sie sollen und müssen ihre eigenen Wege gehen – und das machen sie ganz hervorragend. Dafür haben sie Trainer, die mit ihnen wesentlich mehr ins Detail gehen können, und auch die Berater geben wertvolle Hilfestellungen“, sagt der noch 59-Jährige.

Wie die Bedingungen in der Bundesliga heute sind, bekommt er über Dominik also genau mit. Eine ganze Menge hat sich seit 1986 getan, als Harald Kohr von der Eintracht auf den Betzenberg nach Kaiserslautern wechselte. Dabei tauchte er bereits nach seinem Wechsel von der damals noch drittklassigen Oberliga in die Bundesliga in eine ganz andere Welt ein. „Über 30.000 Zuschauer im Stadion, eine Rieseneuphorie in der Stadt, als wir um einen Platz im Uefa-Pokal spielten, mehr Training, eine ganz andere Betreuung: Das war schon ein Quantensprung“, erinnert sich der frühere Strafraumstürmer, dessen Engagement beim VfB Stuttgart im Jahre 1989 aufgrund einer Knieverletzung nur ganze vier Tage währte, ehe die Schwaben den Kontrakt wieder kündigten. Kohr kämpfte sich wieder mühsam ran, wurde aber auf dem Platz nicht mehr der Alte. Ob seiner Treffsicherheit (in 86 Bundesligaspielen für die Roten Teufel traf er 45 Mal) war er sogar als Kandidat für den 1988er Olympiakader gehandelt worden. Zu einer Nominierung kam es aber nicht, DFB-Trainer Hannes Löhr setzte auf andere damalige Topangreifer wie Jürgen Klinsmann, Fritz Walter, Frank Mill und Karl-Heinz Riedle. Im gleichen Jahr war für Kohr ein anderer Traum geplatzt: Der FC Bayern München buhlte um die Dienste Kohrs. Es kam zu konkreten Verhandlungen. Drei Millionen Mark (umgerechnet rund 1,5  Millionen Euro) wollte der damalige Manager Uli Hoeneß für den Trierer auf den Tisch blättern – und blitzte mit dieser Offerte bei den Pfälzern ab. Kohr und die Bayern: In den Duellen mit dem FCK war das eine besondere Beziehung. „In fünf Spielen gegen sie habe ich fünf Mal getroffen“, berichtet er stolz. Bis heute ist Kohr den Bayern dankbar dafür, dass er nach der Knie-Operation und anschließender Reha im Herbst 1989 einige Monate lang unter  Jupp Heynckes mittrainieren und sich fitmachen durfte.

Gerne wäre er heute noch mal Bundesligaspieler, gibt er zu: „Sicher stehst du durch die ganzen Medien mehr im Fokus und musst schon aufpassen, was du so machst. Trotz allem  ist es ein Traumjob. Die Bedingungen in den Clubs sind super professionell. Da kannst du dich als Spieler voll auf den Fußball konzentrieren und hast absolute Fachleute an deiner Seite.“

  
 Tochter Karoline und Sohn Dominik werfen auch heute noch gerne einen Blick auf die Fotosammlung, in der einige Laufbahn-Höhepunkte des Vaters festgehalten sind. Im Dress von Eintracht Trier (Foto links) sorgte Harald Kohr einst für Pokalfurore. Heute verfolgt er die Karriere seiner Sprösslinge aufmerksam und steht ihnen mit Rat und Tat zur Seite.
Tochter Karoline und Sohn Dominik werfen auch heute noch gerne einen Blick auf die Fotosammlung, in der einige Laufbahn-Höhepunkte des Vaters festgehalten sind. Im Dress von Eintracht Trier (Foto links) sorgte Harald Kohr einst für Pokalfurore. Heute verfolgt er die Karriere seiner Sprösslinge aufmerksam und steht ihnen mit Rat und Tat zur Seite. Foto: Andreas Arens

Mit 29 war seine Karriere aufgrund der Knieprobleme schon vorbei. „Klar fällst du da erst mal in ein Loch.“ Nachdem Kohr zu seiner Trierer Zeit als Konstrukteur in einem Zeichenbüro gearbeitet hatte, wollte er nach seiner Profilaufbahn nahe am Sport dran bleiben, absolvierte 1993 die DFB-Fußballlehrer-Ausbildung und wurde staatlich geprüfter Sportlehrer. Von Mitte der 90er Jahre an arbeitete er als Sporttherapeut bei der Caritas in Trier und wirkte parallel als Trainer. „Früh war klar, dass ich mich vor allem um die Nachwuchsförderung kümmern will“, blickt er besonders gerne auf seine Zeit als DFB-Stützpunkttrainer und Jugendchef bei Eintracht Trier zurück. Zudem brachte er sich beim TuS Issel ein und begleitete so die fußballerische Laufbahn von Karoline und Dominik von Anfang an. „Ich wollte meine Kinder optimal fördern. Deshalb war es für mich auch keine Option, die Region zu verlassen.“

2008 wechselte er sogar die Arbeitsstelle, um Dominik immer freitags nach Leverkusen fahren zu können: Der damals 14-Jährige trainierte die Woche über in Issel und sollte dann die Abschlusseinheit und das Spiel am Wochenende bei Bayer absolvieren. „Das war für den Übergang sehr gut. Nach einer Saison ging Dominik dann fest zu Leverkusen“, erinnert sich sein Vater, der durch seinen Job als Außendienstmitarbeiter bei Lotto Rheinland-Pfalz fortan zeitlich etwas flexibler agieren konnte. 

Mitglied der Eintracht-Traditionself ist er noch, „durch Corona herrscht da aktuell aber noch Stillstand“, Auftritte mit den Lauterer Legenden gab es indes auch in den vergangenen zwei Jahren, wie etwa im vergangenen Spätsommer in der Nähe von Kusel zugunsten der Flutopfer. Bei weitem kein Leistungsträger sei er mehr, meint Kohr, fügt aber augenzwinkernd an: „Für das eine oder andere Törchen reicht es noch.“ Und: Das FCK-Gen, unbedingt gewinnen zu wollen, sei auch bei den Promispielen immer noch ausgeprägt. Das hat er auch bei der aktuellen Mannschaft der Roten Teufel ausgemacht: „Typisch FCK: Am Anfang der Saison lief es gar nicht, und jetzt reiten sie in der 3. Liga auf einer Euphoriewelle. Hoffentlich klappt es mit dem Aufstieg. Dem Verein und gerade den fantastischen Fans würde ich es so sehr gönnen.“

 Harald Kohr
Harald Kohr Foto: privat

Abseits des Fußballplatzes und der Zuschauertribünen ist Kohr mit den Jahren auch zum Genießer geworden: Auf dem Motorrad oder im Cabriolet tourt er gerne gemütlich durch die Region, die er „wunderschön“ findet. Zudem  geht er „gerne gut essen“. Ab und an sind dann auch noch mal Karoline und Dominik dabei. Dann kommen auch Erinnerungen auf – wie sie einst in der Quinter Talentschmiede hinterm Haus gemeinsam Fußball spielten …