| 13:11 Uhr

Zweite Frauen-Handball-Bundesliga
Trierer Miezen stellen Insolvenzantrag

 Tiefschlag für die Trierer Miezen (im Bild Hannah Sattler (links) und Gabriella Szabo): Der Verein hat einen Insolvenzantrag gestellt.
Tiefschlag für die Trierer Miezen (im Bild Hannah Sattler (links) und Gabriella Szabo): Der Verein hat einen Insolvenzantrag gestellt. FOTO: TV / Björn Pazen
Trier. Die Spielerinnen des Frauen-Handball-Zweitligisten haben seit drei Monaten kein Geld mehr bekommen. Trier spielt die aktuelle Saison zu Ende, doch der Abstieg ist besiegelt. Einen Neuanfang wird es entweder in der 3. Liga oder der Oberliga geben. Von Björn Pazen

Der DJK/MJC Sportmanagement e.V – Lizenznehmer der Trierer Miezen – hat beim Amtsgericht Trier einen Antrag auf ein vorläufiges Insolvenzverfahren gestellt. Nach einer Prüfung durch das Gericht wurde diesem Antrag am Donnerstag stattgegeben, wie der Verein am Freitag mitteilte. Der vorläufige Insolvenzverwalter ist in Trier und auch im Sport kein Unbekannter. Es ist Thomas Schmidt, der unter anderem in gleicher Funktion das Insolvenzverfahren des Nürburgrings leitete.

„Seine Ziele sind die Sanierung und der langfristige Fortbestand der Trierer Miezen. Dafür wird er in den nächsten Wochen Gespräche mit allen wesentlichen Beteiligten führen“, heißt es in einer Mitteilung des DJK/MJC Sportmanagement e.V.. Der Verein DJK/MJC Trier (Mergener Hof) ist von dieser Insolvenz nicht betroffen, es handelt sich nur um den wirtschaftlichen Träger und Lizenznehmer des Bundesliga-Spielbetriebs.

In der Mitteilung, unterzeichnet von den Miezen-Vorständen Jürgen Brech und Christoph Steil, heißt es weiter: „Wir müssen in der aktuellen Situation verantwortlich handeln und mit diesem Schritt die Zukunftsfähigkeit der Trierer Miezen wiederherstellen. Sponsorenausfälle, Kürzungen durch langjährige Unterstützer sowie massive Einbußen bei den Zuschauereinnahmen lassen uns leider keinen Spielraum. Vorstand und Aufsichtsrat haben bis zum heutigen Tag alles erdenklich Mögliche versucht, um diese Entwicklung abzuwenden. Wir haben unseren Etat bereits vor dieser Saison drastisch gekürzt und auch während dieser Spielzeit weitere Einsparungen vorgenommen. Es trifft uns sehr, dass alle Maßnahmen und Bemühungen nicht zum gewünschten Ergebnis geführt haben.“

Wie geht es nun weiter? Die Spielerinnen und Trainerin erhalten nun für drei Monate Insolvenzgeld in der Höhe ihres Gehalts von der Agentur für Arbeit. „Wir spielen die Saison definitiv zu Ende“, sagt Steil. Fünf Spieltage stehen in der zweiten Liga noch auf dem Programm. Das erste dieser Abschiedsspiele ist am heutigen Samstag um 18 Uhr gegen die SG Kirchhof (siehe Extra). „Wir hoffen, dass die Fans die Mannschaft noch bis zum Saisonende unterstützen. Das haben sich die Spielerinnen verdient“, appelliert Brech an die Zuschauer.

Die Ligastatuten sehen für den Fall einer Insolvenz vor, dass der Verein automatisch keine Lizenz für die neue Saison erhält. Somit stehen die Miezen als nächster nicht-sportlicher Absteiger in die 3. Liga fest. Da diese Liga aber vom Deutschen Handballbund und nicht der Handball Bundesliga Vereinigung-Frauen organisiert wird, steht eine Bestätigung noch aus, ob die Miezen dort auch zugelassen werden.

„Unser Ziel ist es, den Verein zu konsolidieren, um einen unbelasteten Neustart in der 3. Liga oder sogar in der Oberliga angehen zu können“, heißt es dazu in der Mitteilung. Der aktuelle Vorstand und Aufsichtsrat werden beim Neustart an Bord bleiben. „Wir danken all unseren Unterstützern und Fans und hoffen, dass die hohe Verantwortung und Wichtigkeit dieses schweren, aber notwendigen Schrittes Anerkennung findet“, heißt es in der Mitteilung. Allerdings besagt der Vertrag der RPS-Oberliga, dass keine Zwangsabsteiger aufgenommen werden dürfen. Im schlimmsten Fall müssten die Miezen daher in der Rheinlandliga weitermachen.

Nach TV-Informationen haben die Spielerinnen in den vergangenen drei Monaten kein Geld mehr bekommen. Schon häufiger in den vergangenen Jahren war die MJC mit Zahlungen in Verzug, teilweise auch über mehrere Monate. Zum Beispiel 2011, als der damalige Trainer Thomas Happe kurz nach Weihnachten fristlos kündigte, weil er über mehrere Monate kein Geld erhalten hatte. Auch in der aktuellen Saison soll es schon im Herbst kurzfristig zu Problemen gekommen sein, diese konnten aber gelöst werden.

Am Montagabend informierte der Vorstand die Mannschaft über die prekäre Lage. Trainerin Elena Vereschako lobt das Verhalten der Spielerinnen, auch wenn sie vom 5. Januar bis vergangenen Samstag elf sieglose Spiele einstecken mussten und bis Samstag Tabellenletzter waren: „Auch wenn sie kein Geld bekommen haben, waren sie in jedem Training und haben auch in den Spielen immer gekämpft. Sie haben sich die Situation nicht anmerken lassen und haben alles gegeben.“

Von der Miezen-Insolvenz könnte also das aktuelle Schlusslicht Gedern/Nidda noch profitieren, allerdings nur, wenn sich keine drei Drittligisten finden, die aufsteigen wollen. Definitiv gerettet ist mit der Trierer Insolvenz der Drittletzte Werder Bremen, es wird im Höchstfall nur einen sportlichen Absteiger geben. Wie schon permanent in den vergangenen Jahren, ist die Zahl der Clubs, die wegen finanzieller Probleme oder nicht erhaltenen Lizenzen absteigen, deutlich höher als die Zahl der sportlichen Absteiger.

Die Miezen sind indes nicht der erste Trierer Großverein, der einen Insolvenzantrag stellt: Auch die Eintracht (1999) und die Basketballer (2011 als HERZOGtel, 2015 als TBB) waren schon insolvent.