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Trierer Paar: Paso Doble im Park und Deutscher Meister in Berlin

Lateintanz : Trierer Paar: Paso Doble im Park und Deutscher Meister in Berlin

Das für den TSC Trier startende Tanzpaar Karabo Morake/Zeynep Karademir musste wegen Corona im Training ordentlich improvisieren. Doch es hat sich gelohnt. Die Lateintänzer sind nun Deutsche Meister.

Turnier-Tanzen – das ist Gefühl, Emotion, die Konzentration auf den Partner und knallharter Leistungssport. Alleine schon diese vier Charakteristika lassen erahnen, dass sich ein effektives Training unter Corona-Beschränkungen kaum realisieren lässt. Individuelle Fitnessprogramme kann jeder alleine absolvieren.  Aber Tanzpaare brauchen das gemeinsame Arbeiten. Coachings via Internet-Videokonferenzen lassen sich organisieren, doch am Bildschirm fehlt die entscheidende dritte Dimension.

Von all dem können Karabo Morake und Zeynep Karademir ein Lied singen. Die beiden 29-Jährigen bilden seit gut einem Jahr ein ambitioniertes Tanzpaar, das seit Februar für den Tanzsportclub (TSC) Trier startet. Er lebt in Konz, sie in Luxemburg. Während des ersten Lockdowns im Frühjahr wurde ihre Vorbereitung auf die großen nationalen Meisterschaften im Herbst auf eine harte Probe gestellt. Wegen der Corona-Einschränkungen sowie der zeitweise geschlossenen Grenze haben sich beide vier Monate nicht gesehen. Vier Monate nur Individualtraining und ,Trockenübungen’ als Paar. „Als die Grenze zwischen Deutschland und Luxemburg wieder uneingeschränkt offen war, fuhr Karabo zu mir. Wir trainierten dann gemeinsam draußen im Park. Das war so ungewöhnlich, dass einige Interessierte stehen blieben und uns zusahen“, berichtet Karademir.

Karabo Morake, der aus Südafrika stammt, und Zeynep Karademir, die türkische Wurzeln hat, machten das Beste aus der Situation. Bei den Deutschen Latein-Meisterschaften  der Hauptgruppe I im Oktober in Magdeburg belegte das Duo nach der langen Zwangspause Rang 29 unter 46 Paaren. In dieser Hauptgruppe starten sämtliche Paare, die zur Altersklasse der 18- bis 35-Jährigen gehören.

Foto: privat

Ein sehr solides Ergebnis. „Es war das erste großes Turnier  für uns. Von daher war es ein guter Start, auch wenn unser Ziel das Viertelfinale war. Wir wollten unter die Top 24“, ordnet Morake das Ergebnis ein.

 Einen Tag später wussten Karademir und er die gezeigte Leistung zu toppen. Und wie. Bei den Deutschen Latein-Meisterschaften der Hauptgruppe II (dort starten Paare, die zur Altersgruppe 28 bis 35 Jahre zählen) in Berlin errang das Duo des TSC Trier den Meistertitel. Nach den fünf Tänzen Samba, Cha-Cha-Cha, Rumba, Paso Doble und Jive thronten Morake und Karademir im neun Paare umfassenden Starter-Feld des als ,Deutschlandpokal’ firmierenden Wettbewerbs ganz vorne. Und das unter erschwerten Bedingungen. Morake: „Obwohl jeder außer Puste war, mussten alle zwischen den Tänzen eine Maske tragen. Und bei der Präsentation der Tänze wussten wir anfangs gar nicht, wo die Jury saß. Sie wurde wegen den Corona-Vorgaben nicht an den gewohnten Stellen platziert.“

Der TSC-Präsident Christian Klein ist begeistert vom Auftritt: „Das war eine herausragende Leistung, auf die wir sehr stolz sind.“

Morake sammelte mit sieben Jahren erste Erfahrungen im Standardtanz, Karademir begann im gleichen Alter zunächst mit Ballett. Tanzen ist für beide mehr als ein Hobby. „Wir trainieren an fünf bis sechs Tagen pro Woche, jeweils drei bis sechs Stunden. Hinzu kommen Fahrten zu Trainern, etwa nach Berlin“, berichtet Morake. Das gleicht einem Fulltimejob. Die Folge: Weder Morake, der Rechtsanwalt ist, noch Karademir, die im Finanz-Consulting arbeitet, sind derzeit in ihren angestammten Berufen tätig.

Wegen Corona haben schon mehrere Paare aufgehört. Nicht so Morake und Karademir. Das Duo, das auch am rheinland-pfälzischen Kadertraining teilnimmt, hat die nächste Deutsche Meisterschaft im Blick. Sie soll im März 2021 stattfinden. „Wir wollen uns als Paar verbessern. Dazu brauchen wir Wettbewerbe als Motivation“, sagt Karademir.

Ob ihr Wunsch erhört wird? Jetzt – im nächsten Teil-Lockdown – herrschen erst mal wieder Corona-Beschränkungen.  Auch für Tanzpaare.