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Trierer Peter Schermann bei Mountainbike-Marathon-WM: Ein Kraftakt

Radsport : Der Trierer Peter Schermann bei der Mountainbike-Marathon-WM: Ein körperlicher und mentaler Kraftakt

Bei der bisher wohl schwersten WM erreichten mehr als ein Drittel der Starter nicht das Ziel. Peter Schermann biss sich auf Elba dagegen durch und steht zum vierten Mal in Folge in der WM-Ergebnisliste.

„Nicht ins Ziel zu kommen ist keine Option“ – diesen Spruch bemühen Ausdauersportler nur allzu gerne, um schon vor dem Start Kampfgeist, Zähigkeit und Leidensfähigkeit zu demonstrieren. Viele, denen dieser Spruch bei den Mountainbike-Weltmeisterschaften auf der Marathondistanz auf Elba vor dem Start über die Lippen kam, bereuten es während des Rennens. Denn die auf drei Runden aufgeteilte 115-Kilometer-Distanz über die Mittelmeerinsel mit insgesamt fast 5000 Höhenmetern entpuppte sich als eines der härtesten Mountainbike-Marathon-Rennen der Geschichte.

40 von 114 gestarteten Fahrern kamen nicht ins Ziel – mehr als ein Drittel. Einige sprachen von der schwersten WM seit deren Einführung vor 18 Jahren.

Mit Andreas Seewald aus dem bayerischen Lenggries gewann erstmals ein Deutscher den Weltmeistertitel. Der 30-Jährige setzte sich in 6:02,03 Stunden gegen den Kolumbianer Diego Alfonso Arias Cuervo (6:04,27) und den Portugiesen Jose Dias (6:07,34) durch. Trotz aller Glückshormone konnte sich auch der neue Weltmeister kaum mehr auf den Beinen halten und sprach vom „brutalsten Rennen meiner Karriere“. Unter den 39 Fahrern, die das Rennen vorzeitig beendeten, war unter anderem der amtierende Cross-Country-Weltmeister und Olympiasieger von Rio de Janeiro 2016, Nino Schurter aus der Schweiz.

Auf Platz 73 der Ergebnisliste schaffte es dagegen Peter Schermann aus Trier. Platzierung und Zeit (mehr als zwei Stunden hinter dem Sieger) waren nach mehr als acht Stunden Plackerei im Fahrradsattel nebensächlich. „Ich bin sehr zufrieden damit, wie ich es mental geschafft habe, mich durchzukämpfen“, sagt der 33-Jährige vom Team Embrace the World, der auch für den RV Schwalbe Trier startet. Als Radsport-Späteinsteiger (bis 26 spielte Schermann Basketball) fehle ihm die fahrtechnische Ausbildung im Jugendalter.

Probleme bereitete Schermann eine fehlende technische Unterstützung. „Nach knapp zwei Stunden habe ich meinen Radcomputer in einem sehr ruppigen Stück verloren. Ohne Daten musste ich ausschließlich auf mein Körpergefühl hören“, berichtet er.

Die fehlende Rückmeldung zu Puls und getretener Wattzahl könnte mit dazu beigetragen haben, dass Schermann wieder muskuläre Probleme bekam. Er habe gedacht, dass er diese mittlerweile im Griff habe. „Beim letzten Test beim Odenwald-Mountainbike-Marathon habe ich davon nichts mehr gemerkt“, sagt er. Bei 30 Grad Hitze auf Elba kamen die Muskelschmerzen aber wieder. Er vermute, dass sein Elektrolytgleichgewicht aus den Fugen geraten ist, seit er bei der Ultramarathon-Mountainbike-EM im Frühsommer über seine Grenzen hinaus gegangen war: „Physisch kann ich deutlich mehr.“

Stolz ist der in Wittlich aufgewachsene Sportler, dass er als Späteinsteiger zum vierten Mal in Folge bei der Mountainbike-Marathon-Weltmeisterschaft ins Ziel kam. Viel Ruhe bleibt Schermann nicht: Am kommenden Wochenende stehen die Deutschen Meisterschaften auf dem Programm. In Singen geht es über 98 Kilometer – und zu bewältigen sind 2800 Höhenmeter.