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Trierer Ruderer Richard Schmidt hält nichts von einer Olympia-Absage

Interview Richard Schmidt : Olympia-Absage? – „Ich halte das für Quatsch“

Der Trierer Ruder-Routinier bestreitet in Tokio seine vierten Sommerspiele, doch ausgerechnet so kurz vor Beginn der Wettkämpfe streikt der Körper. Im TV-Gespräch sagt der 34-Jährige, ob für ihn Olympia in Gefahr ist. Und er äußert sich zu Kritik in Japan sowie zur eigenen Konkurrenzfähigkeit.

Für den deutschen Ruder-Achter geht die Marathon-Vorbereitung aufgrund der Verschiebung der Olympischen Sommerspiele um ein Jahr auf die Zielgerade. Und jetzt das: Richard Schmidt, der Trierer Routinier im Flaggschiff des deutschen Ruder-Verbands, muss verletzungsbedingt eine Pause einlegen.

Herr Schmidt, wie steht’s um Ihre Gesundheit?

Schmidt: Ich habe Schmerzen an der Rippe. Deshalb wurde ich zuletzt im zweiten Rennen des Weltcups in Sabaudia rausgenommen. Woher die Schmerzen kommen, kann ich nicht sagen. Ich bin aktuell in Behandlung bei unserem Mannschaftsarzt Uli Kau und unserem Osteopathen Thorsten Ammann.

Wie nervös sind Sie, wenn der Körper so kurz vor dem Ziel eine Auszeit einfordert?

Schmidt: Das ist alles andere als optimal. Als Sportler ist man ungeduldig. Ich will möglichst schnell wieder im Boot trainieren. Aber im Moment darf ich nicht rudern. Ich muss die Situation annehmen. Immerhin kann ich auf dem Fahrrad trainieren.  So kann ich die Trainingspläne in anderer Form abarbeiten. Ich hoffe, in der nächsten Woche in unser Trainingslager nach Völkermarkt in Österreich nachreisen zu können.

Spüren Sie Vorfreude auf die Olympischen Spiele?

Schmidt: Ja, ich habe richtig Bock. Wir sind im Ruder-Achter ein eingespieltes Team. Und ich gehe fest davon aus, dass die Spiele auch stattfinden.

Mit welchen Erwartungen fliegen Sie nach Tokio?

Schmidt: Klar, es werden wegen der Corona-Einschränkungen andere Spiele. Es wird speziell sein. Es ist schade, dass es zum Beispiel keine Zuschauer geben wird. Aber man muss das so annehmen.

Wie reagieren Sie auf Forderungen, die Spiele doch noch abzusagen?

Schmidt: Ich halte das für Quatsch. Es wird ein enorm ausgeklügeltes Hygienekonzept geben. Die Sportler werden ständig getestet. Zudem werden die meisten Athleten geimpft sein.

Eine Mehrheit der Japaner ist gegen die Austragung der Spiele. Haben Sie deshalb ein schlechtes Gewissen?

Schmidt: Ich kann mir vorstellen, dass die japanische Bevölkerung kritisch ist. Die Impfquote unter der Bevölkerung ist noch sehr gering. Man muss respektvoll mit den Sorgen umgehen – und dankbar sein, dass die Spiele stattfinden. Andererseits vertraue ich der japanischen Regierung. Sie wird sich an die aufgestellten Regeln halten. Das tun auch wir Sportler.

Für Sie sind es die vierten Olympischen Spiele. Sind Sie dennoch so aufgeregt wie beim ersten Mal 2008?

Schmidt: Jein. Es werden nicht die Spiele, wie man sie kennt. Viel ist reguliert. Man darf nicht viel machen. Gleichwohl werden es toporganisierte Spiele. Ich bin da recht entspannt.

Sie sind junger Familienvater.  Ihre Tochter ist gut zwei Jahre alt, ihr Sohn sechs Monate. Wie sind Sie bisher durch die Corona-Zeit gekommen?

Schmidt: Es ist nicht nur für mich schwer. Die ganze Familie leidet darunter. Wir haben uns sehr an die Regeln und Kontaktbeschränkungen gehalten. Es wäre eine Katastrophe gewesen, wenn sich einer von uns mit dem Coronavirus infiziert hätte.

Und wie sehr beeinflusst die Pandemie die Vorbereitung mit dem Deutschland-Achter?

Schmidt: Wir haben inzwischen den Vorteil, dass wir geimpft sind. Somit können wir freier agieren. Dennoch bleiben wir in einer Blase und meiden Kontakte, so gut es geht. Einige Bereiche werden für uns gesperrt. Das ist schon krass.

Inwieweit war der Rückschlag bei der Europameisterschaft im April, als der Deutschland-Achter eine Medaille verpasste, eine Folge von erschwerten Trainingsbedingungen?

Schmidt: Das wäre eine Ausrede. Wir waren einfach schlecht vorbereitet und gezwungen, den Rückstand schnell aufzuholen.

Wie wurde auf die EM-Enttäuschung reagiert?

Schmidt: Wir haben einiges analysiert, Dinge hinterfragt und danach viel verändert. Im Krafttraining, in der Art, wie wir rudern, in der Belastungssteuerung.

Zum Einsatz kommt auch ein neues Boot. Was macht das aus?

Schmidt: Es ist ganz nah am Wettkampfgewicht von 96 Kilo. Und mit Blick auf die Ausleger ist es noch ein bisschen besser.

Wird der Achter in Tokio um Gold kämpfen können?

Schmidt: Ja, klar. Nur, weil wir bei der EM einmal nicht gut waren, sind wir nicht raus. Unser Ziel ist, vorne dabei zu sein. Aber es wird wahrscheinlich ein verdammt enges Finale werden. Ich gehe davon aus, dass es mit Abständen innerhalb einer Bootslänge entschieden wird.

Wie ist der weitere Fahrplan Richtung Tokio?

Schmidt: Für mich persönlich gilt es zunächst, wieder fit zu werden. Ende Juni fliegen wir nach Japan. In Kinosaki, mehrere Hundert Kilometer von Tokio entfernt, werden wir uns dann den letzten Schliff holen.

Das Interview führte Mirko Blahak.