Trotz Todesfällen: Motorboot-Rennen vor Traben-Trarbach hat Zukunft.

Motorboot-Rennen auf der Mosel : Gefährliches Spektakel

Trotz zweier Todesfälle in der Vergangenheit hat das Motorboot-Rennen vor Traben-Trarbach offenbar eine Zukunft.

Jubiläum unter besonderen Vorzeichen. 60 Jahre, nachdem zum ersten Mal ein Motorboot-Rennen auf der Mosel vor Traben-Trarbach ausgetragen worden ist, fand an diesem Wochenende die Premieren-Veranstaltung des neu gegründeten Vereins „Motorbootrennen e. V. Traben-Trarbach“ statt.

Mit der Bürde zweier (unverschuldeter) tödlicher  Unfälle in den Jahren 2016 und 2018 hatte sich eine Handvoll  mutiger Enthusiasten der Fortführung und damit der Zukunft dieses gefährlichen Spektakels verschrieben. Geht es nach der Meinung vieler Beteiligter an diesem Wochenende, haben es die Macher des Rennens nicht vergebens getan.

Olaf van Schijndel fällt alleine schon wegen seines knallroten Rennanzugs im Fahrerlager am Trabener Mosel-Ufer aus. „Scuderia Ferrari“ prangt in Kanarien-Gelb auf seinem Overall. Der Niederländer ist zum ersten Mal in Traben-Trarbach. Anfang April hat der Besitzer zweier Autohäuser im niederländischen Vlaardingen in Brodenbach auf der Mosel sein erstes Rennen auf einem Binnengewässer überhaupt absolviert.

Beklemmung, vielleicht auch ein bisschen ,Schiss’ also als Neuling vor der Strecke bei Traben-Trarbach? Der 52-Jährige schüttelt den Kopf. Autorennen fahre er nebenbei, in der Jugend habe er es auch einmal als Profi-Fußballer probiert. Und jetzt wolle er sich eben den „Kick“ auf dem Wasser abholen. „Wo Geschwindigkeit im Spiel ist, ist auch Risiko mit dabei“, sagt er.

Aber das sei auch der Reiz, und mit einer gesunden Einschätzung der eigenen Fähigkeiten und einer intakten Technik könne man vieles absorbieren.

Ähnlich sieht es der amtierende Deutsche Meister in der Klasse Formel 4, Dietmar Kaiser, der in jungen Jahren Kart gefahren ist. „Wenn du anfängst zu überlegen, was alles passieren könnte, hast du schon verloren. Dann darfst du in kein Boot und in kein Auto steigen.“ Rennen auf dem Wasser zieht er dem sportlichen Vergleich auf dem Asphalt vor: „Für mich gibt es nichts Aufregenderes. Der kleinste Fehler wird mit Schwimmen bestraft. Das sagt alles.“

Anders sind die Gegebenheiten bei Noah Römer. Der Grundschüler aus Traben-Trarbach ist erst  zehn Jahre alt.  In diesem Alter beginnt der Deutsche Motoryachtverband (DMYV) die Jüngsten an den Motorboot-Rennsport heranzuführen. Nach dem Absolvieren einer Fahrprüfung in Theorie und Praxis dürfen die ,Benjamine’ ihre Boote, ausgestattet mit einem 15 PS starken Außenbordmotor, erstmals zu Wasser lassen. „Natürlich bubbert mir jetzt das Herz, wenn er ins Boot steigt“,  sagt Mutter Nicole. Sie hätte Noah zu nichts gedrängt, sagt Stiefvater Rocco.

Im Fahrerlager ist – dezent sichtbar – für alles vorgesorgt. Das Deutsche Rote Kreuz, ein Notarzt, die Polizei sind vertreten. Der Veranstalter hat im Vorfeld einen Notfallplan ausgearbeitet. Und auch die Quadstaffel aus Bad Kreuznach, Stammgast in Traben-Trarbach, ist für alle Fälle wieder dabei.

Die Männer und Frauen des neu gegründeten Vereins „Motorbootrennen e. V. Traben-Trarbach“ wollen nach der „Manöverkritik“ – wenn, so Sprecher Wolfgang Malk, „alles auf den Tisch kommt“ – Bilanz ziehen. Nach all dem, was beim Gang durchs Fahrerlager herauszuhören ist, stehen die Zeichen für die Zukunft der Motorboot-Rennen vor der Kulisse der romantischen Doppelstadt auch 60 Jahre nach dem ersten Anlassen der Triebwerke nicht schlecht.

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