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Amateurfußball
Trübe Zeiten an der Basis

 Die Aussichten für den Fußball in den unteren Ligen gestalten sich als schwierig.
Die Aussichten für den Fußball in den unteren Ligen gestalten sich als schwierig. FOTO: picture-alliance/ dpa/dpaweb / Bernd Weißbrod
Trier/Deudesfeld. Die Stimmung ist mies: Viele Vereine fühlen sich alleine gelassen mit ihren Problemen. Der Amateurkongress in Kassel soll nun Lösungen entwickeln, wie es wieder aufwärts gehen kann. Wo der Schuh drückt, wissen auch der Vulkaneifeler Dirk Bender und Werner Gorges aus Trier, die unter den Kongressteilnehmern sind.   
Andreas Arens

Kreissport-Mitarbeiter beim Trierischen Volksfreund

Immer weniger Mannschaften, aber größere Probleme, die Aufgaben zu bewältigen – bei schwindenden finanziellen Ressourcen: Der Fußball ist zwar mit weitem Abstand unverändert die Sportart Nummer eins auch in Deutschland, doch die Hürden für die Basis werden höher. Ganz oben in der Bundesliga sprudeln dabei die Millionen nur so. „Aber unten kommt kaum etwas an. Der Grundlagenvertrag, den der Deutsche Fußball-Bund mit der Deutschen Fußball-Liga geschlossen hat, ist sehr zu seinen Ungunsten. In der Privatwirtschaft würde man solch eine Vereinbarung sicher nicht machen“, sagt Dirk Bender (50). Vom milliardenschweren Fernsehvertrag fließen so gerade einmal maximal 26 Millionen Euro pro Jahr an den Verband und unterm Strich nur ein Bruchteil davon an die Vereine.  

Bender als Vorsitzender des  Vulkaneifel-Vereins FC Deudesfeld und auch sein Amtskollege vom FSV Trier-Tarforst, Werner Gorges (61), zählen zu den regionalen Vertretern einer Delegation des Fußballverbandes Rheinland, die vom 22. bis 24. Februar am dritten Amateurkongress des DFB in Kassel teilnimmt.  Im Austausch zwischen DFB-Vertretern, den Regionalverbänden sowie Kreisen und Vereinen sollen auch mit ihrer Hilfe „Lösungen und Handlungsempfehlungen zur Stabilisierung und Stärkung der Basis“ erarbeitet werden, wie es im offiziellen Wortlaut des größten Sportfachverbands der Welt heißt. Die „aktuellen und künftigen Herausforderungen des Vereinsfußballs im Amateurbereich“ will man anpacken.

Aktuell zählen die 21 Landesverbände im DFB knapp 7,1 Millionen Mitglieder, aber auch auf dem Gebiet des Fußballverbandes Rheinland (siehe Info) eine stetig rückläufige Zahl an Mannschaften.

Weil auch ihn die Sorge umtreibt, was die Verteilung der Gelder im deutschen Fußball angeht, ist Kongressteilnehmer Gorges in der Initiative Rettet den Amateurfußball engagiert (TV berichtete mehrfach).  „Wir fordern nach wie vor,  dass der DFB den Landesverbänden höhere Mittel überlässt. Dann könnte es gezielt finanzielle Unterstützungen der Vereine zu Fahr- und Schiedsrichterkosten oder Qualifizierungen geben“, so Gorges. Vom Gießkannenprinzip hält er nichts, wohl aber etwas von Belohn- und Anreizsystemen; finanzielle Mittel könnten es zum Beispiel für in der Nachwuchsförderung engagierte Vereine geben.

 Ihm und Bender geht es aber noch um viel mehr. Seit Jahrzehnten sind sie in ihren Clubs engagiert. „Es ist schwer geworden, junge Menschen für das Vereinsleben nachhaltig zu begeistern. Wenn du vor 25 Jahren für einen Samstagmorgen zum Arbeitseinsatz auf den Sportplatz gebeten hast, waren die meisten auch da. Das hat sich inzwischen geändert. Es herrscht halt eine andere Lebenseinstellung“, hat der Deudesfelder Vorsitzende beobachtet.

Hapert es manchmal mit der eisernen Disziplin, so sei die nachrückende Generation  durchaus begeiste­rungsfähig. Vorschriften würden dem aber entgegenstehen, so Bender „Es erfordert eine höhere Flexibilität, mit der wir jüngeren Leuten entgegenkommen müssen – auch, was Spieltermine am Wochenende angeht. Gerade kam im Fußballkreis Eifel jedoch die Ansage, dass Seniorenspiele nur noch eingeschränkt an Samstagen stattfinden können.“

Flexibilität ist auch eine Kernforderung von Gorges – nicht zuletzt, wenn es um die Sommer- und Winterpausen geht: „In der besten Zeit des Jahres, wenn es warm ist, bieten wir keinen Spielbetrieb insbesondere im Jugendbereich an.“

Generell unterstreicht der Tar­forster­ Clubchef, der sich als „Amateurverein oft alleine gelassen fühlt“, dass die Verbände grundsätzlich für die Vereine da sein sollen und eben nicht umgekehrt. „Wir haben den Eindruck, dass man oft nur noch nach Möglichkeiten und Quellen bei den Vereinen suchen um ihren eigenen Haushalt zu decken, wie etwa Strafen für verspätete Ergebnismeldungen im DFB-Net oder Passgebühren.“

Gorges sieht aber auch immer schwierigere Rahmenbedingungen.  Lösungsansätze zu erhalten, anhand derer sich entgegensteuern lässt, erhofft er sich ebenfalls Ende Februar in Kassel: „Wir stellen eine abnehmende Unterstützung der Kommunen für die Anlagen fest.“ Ferner laufe man Gefahr, dass – Stichwort Ganztagsschule – der Sport „nicht mehr im Verein angeboten werden kann, sondern wie in anderen Ländern in den Schulen“.

Gespannt sind Gorges, wie auch Bender auf den Kongress in Kassel. „Patentlösungen habe ich für viele Problemfelder auch nicht. Tatsache ist aber, dass wir uns intensiv mit der Zukunft des Amateurfußballs beschäftigen müssen“, sagt der Deudesfelder Vorsitzende.

 

Der Amateurfußballkongress wird um zahlreiche Außenstellen in den Landesverbänden erweitert. Eine davon befindet sich in der Sportschule Oberwerth. Zur Teilnahme an diesem Satellitenkongress am Samstag, 23. Februar, 8.45 bis 15 Uhr, können sich Vereinsvertreter noch bis einschließlich kommenden Montag melden. Der Workshop in Koblenz mit dem Thema Rahmenbedingungen des Vereinsfußballs ist live mit dem Kongress in Kassel verbunden. Die dort zusammengetragenen Ideen sollen direkten Einfluss auf die Ergebnisse des Kongresses nehmen.