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TuS Mosella Schweich in der Corona-Krise: „Viele Mitglieder wissen jetzt, was ein Verein so alles leistet."

TuS Mosella Schweich : „Viele Mitglieder wissen jetzt, was ein Verein so alles leistet.“

Wie sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie? Und wie geht’s weiter? Der TV hat beim TuS Mosella Schweich nachgefragt. Der Präsident Harald Emmrich beschreibt die Lage.

Hätten Sie sich vom jüngsten Bund-Länder-Treffen kurzfristige Lockerungen für den Sport gewünscht? Wenn ja: Welche?

Emmrich: Ich hätte mir gewünscht, dass zu mindestens in festen Kleingruppen im Freien trainiert werden kann, sofern es die Temperatur zulässt. Vor allem die kleinsten unter uns können es nicht verstehen, da in der Schule Sport stattfindet und ihrem Hobby dürfen sie nicht nachgehen.

Welche längerfristige Perspektive für den Amateur- und Breitensport ins nächste Jahr hinein hätten Sie sich erwartet?

Emmrich: Es ist schwer zu sagen, da wir allgemein die Situation abwarten müssen.

Was sagt Ihr Bauchgefühl: Wie geht’s ab Januar weiter?

Emmrich: Mein Bauchgefühl sagt mir, dass vor März/April es nicht weitergehen wird. Vor allem kommen jetzt die kalten Temperaturen, anders als im Sommer, hinzu, bei denen alle Voraussetzungen erfüllt werden müssen, d.h. auch als Beispiel beim Fußball müssen Kabinen und Duschen geöffnet werden. Also alle Rahmenbedingungen müssen erfüllt werden, damit man keinen Sportler nach dem Sport ungeduscht nach Hause schicken muss.

Welche Auswirkungen hat das Corona-Jahr 2020 bislang konkret für Ihren Verein?

Emmrich: Wir haben seit ca. 20 Jahren wieder eine negative Entwicklung bei den Mitgliederzahlen, da wir viele Kündigungen haben. Auch finanziell fehlt uns einiges, da unsere Kosten weiterlaufen, aber wir keine Einnahmen z.B. Eintrittsgelder oder Getränkeverkauf haben.

Wir sind aber sehr dankbar, dass fast alle Sponsoren uns weiterhin unterstützen.

Inwieweit kamen und kommen die Ehrenamtlichen in Ihrem Verein an Ihre Grenzen?

Emmrich: Man kommt schon sehr an die Grenzen! Vor allem aufgrund der viele Auflagen (die sich auch noch täglich oder wöchentlich ändern), der Hygienekonzepte, der Auflagen für die Sportplatz oder Hallennutzung und dadurch verengte Kapazitäten.

Dann die ganzen Nachfragen: darf man dies, darf man das.

Wie groß ist bislang quantitativ der Mitgliederschwund? In welchen (Alters-)Schichten findet er statt?

Emmrich: Wir haben vor allem im Kleinkinderbereich eine Menge von Austritten. Hauptbetroffen ist die Abteilung Turnen in der Altersklasse von 2-8 Jahre.

Welche Folgen hat Corona in Ihrem Verein für den Kinder- und Jugendsport?

Emmrich: Da nenne ich gerne unsere Abteilung Turnen als Beispiel, was wir mit einem Konzept aufgebaut haben, das sich die Kinder bis 6 Jahren „frei und ohne Regeln“ bewegen dürfen. Solange die Situation sich nicht grundlegend ändert, können wir unser erfolgreiches Konzept nicht mehr umsetzen.

Und grundsätzlich gefragt: Welche Strukturen sind mittelfristig in ihrer Existenz bedroht?

Emmrich: Ich denke, je nachdem wie lange es so weitergeht, sind vor allem die Hallensportarten von der Existenz bedroht, da dort erst wieder gespielt werden kann, wenn alle anderen Sportarten schon laufen, d.h. es könnte sein, das viele die Sportart wechseln bzw. aufhören.

Aber bisher haben wir unser Ziel im Präsidium erreicht und wir haben keine Abteilung verloren.

Wie groß sind die finanziellen Belastungen für den Verein? Wodurch werden Sie konkret verursacht?

Emmrich: Da unser Sportanlage vereinseigen ist, haben wir natürlich sehr hohe laufenden Kosten. Auch haben wir in der Abteilung Fußball zwei eigene „Vereinsbusse“. Dort laufen die Kosten natürlich weiter.

Aber auch Übungsleiterverträge laufen natürlich.

Inwieweit helfen Ihrem Verein die von der Politik aufgelegten Hilfsprogramme?

Emmrich: Überhaupt nicht, da wir „leider“ (muss ich jetzt sagen) die letzten Jahre gut gewirtschaftet haben und so keinen Anspruch haben.

Die Verteilung der Gelder war in meinen Augen alles andere als fair. Man hätte sich ganz einfach nach den Mitgliederzahlen orientieren sollen, damit jeder Verein ein fairer Anteil zugestanden hätte.

Welche Aktionen/Entwicklungen im Corona-Jahr 2020 in Ihrem Verein machen Ihnen Mut für die Zukunft?

Emmrich: Wie oben schon erwähnt bin ich sehr dankbar, dass uns zum größtenteils die Sponsoren erhalten bleiben. Aber auch das unser Online-Aktionen wie der Malwettbewerb oder unsere Online-Videos so gut angenommen wurden sind.

Und vor allem wissen jetzt viele Mitglieder, was ein Verein so alles leistet, denn das merkt man meistens erst, wenn man es „verloren“ hat. Vor allem beim Kindersport.