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Platten: „Dima will einfach nur nach Hause“

Fußball : „Dima will einfach nur nach Hause“ - Fußballer aus Platten sitzt in der Ukraine fest

Dmytro Shuklin vom TuS Platten wollte nur seinen Geburtstag in der Ukraine feiern - dann kam der Krieg. Seitdem sitzt der Fußballer dort fest. Seine Fußballkollegen vom Kreisligisten TuS Platten kämpfen um Shuklins Rückkehr.

Ein Verein setzt alle Hebel in Bewegung, um einen Fußballkameraden zurückzuholen. Dmytro Shuklin, der seit neun Jahren in Wittlich lebt und den sie beim Mosel-B-II-Ligisten TuS Platten nur „Dima“ rufen, wollte mit seiner Familie eigentlich seinen 35. Geburtstag in seinem Geburtsland feiern. Aber dann feuerten die Russen just an Shuklins Ehrentag am 24. Februar die ersten Raketen auf die Ukraine.

Mit dem Auto seines Bruders wollte Shuklin mit seiner Frau und den beiden Kindern die Grenze zu Polen passieren. Auf den letzten zwei Kilometern wurden die Nerven der Familie bereits auf die Folter gespannt, brauchten sie doch für diese kurze Strecke ganze 24 Stunden.

Ihm wurde dann die Ausreise verwehrt – Männer mit ukrainischem Pass müssen im Land bleiben. „Sie werden gebraucht, um gegen die Russen zu kämpfen, obwohl Dima bislang noch nicht eingezogen wurde“, weiß Ingo Herges. Der frühere Vorsitzende und aktuell als Teammanager und Stadionsprecher beim TuS engagierte Funktionär unternimmt allerhand, damit seinem Vereinskollegen die Ausreise ermöglicht wird. Der SWR-Hörfunk hat schon über die missliche Situation Shuklins berichtet, genauso wie das Kicker-Sportmagazin in seiner Online-Ausgabe. Sat 1 war kürzlich auch auf der Sportanlage Elsenborn in Platten zu Gast. Zudem hat Herges einen offenen Brief an Bundes- und Landtagsabgeordnete, Landrat Gregor Eibes und Bürgermeister aus dem lokalen Umfeld geschickt. Unterschrieben wurde dieser auch von Michaele Schneider vom Verein Perspektiven e.V. (kümmert sich unter anderem  um die Unterstützung von Flüchtlingen), Maria Langlitz, der Ehefrau Shuklins, und Werner Koller, dem Vorsitzenden des TuS Platten.

In dem Brief macht Herges noch einmal deutlich, dass Shuklin – der im Besitz einer sogenannten deutschen Niederlassungserlaubnis ist und seinen Lebensmittelpunkt in Wittlich hat – gezwungen ist, in der Ukraine zu bleiben, um womöglich Kriegsdienst zu leisten. Die Hoffnung ist, dass es eine Art Passierschein gibt, oder bei einem Waffenstillstand auch eine bestimmte Anzahl von männlichen Ukrainern zwischen 18 und 60 Jahren das Land aus humanitären Gründen verlassen darf.

„Dmytro gehört nicht in diesen Konflikt. Auch wenn sein Nationalpass ihn noch zum Ukrainer macht. Er will einfach nur nach Hause. Hier ist seine Frau, hier gehen seine Kinder zur Schule. Hier ist seine geregelte Arbeit, hier sind seine Freunde und seine Hobbys“, betont Herges. Täglich stehe er mit „Dima“ in Kontakt. Aus der gut 80.000 Einwohner zählenden Stadt Oleksandrija habe dieser bis vor kurzem immer „alles gut“ gemeldet. Zuletzt seien die Russen aber näher gerückt. Die Angst werde auch bei Shuklin größer.

Frau und Kinder bräuchten ihn hier, betont Herges, der negative Langzeitfolgen für die Familie befürchtet: „Es ist derzeit nicht abzusehen, inwieweit die Erlebnisse der Flucht sich auch psychisch auf die Kinder ausgewirkt haben.“

Sich für einen Vereinskollegen einzusetzen, ist für ihn selbstverständlich: „Wenn einer von den Jungs Helfer beim Umzug braucht, bin ich auch da.“ Dass er sich einmal dafür einsetzt, einen Clubkameraden aus einem Kriegsgebiet herauszuholen, hätte sich Herges bis vor rund zwei Wochen aber auch nicht vorstellen können.