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TV-Serie: Jochen Scheler - Selbst auf dem Golfplatz zählt nur Handball

TV-Serie „Handball ist unser Leben!“ : Jochen Scheler: Selbst auf dem Golfplatz zählt nur Handball

Jochen Scheler ist im Dauner Handball eine Institution. Der 68-jährige Pädagoge über eine enorm aufwändige Videoanalyse Anfang der 1980er Jahre, einen zerstückelten Skiurlaub in der Schweiz,  seine Freundschaft mit Dago Leukefeld und die Wichtigkeit der Jugendarbeit.

Mangels Alternativen war die Handball-Karriere von Jochen Scheler programmiert: „Ich durfte nur zum Handball, es gab zunächst keine andere Sportart“, berichtet der gebürtige Oldenburger.  Als Jugendlicher sammelte er erste Handballerfahrungen beim OTB. Hinzu kam, dass Schelers Vater Handballtrainer war. Auch sein Bruder spielte seinerzeit Feldhandball. So war klar, wohin Jochen Schelers Reise gehen würde.

Als Seniorenspieler wechselte er 1974 zur SG Altjührden, die in der Oberliga Nordsee spielte. Er stieg mit der Mannschaft in die seinerzeit zweithöchste Liga in Deutschland, die Regionalliga Nord, auf.

Seine berufliche Laufbahn führte Jochen Scheler zunächst als Lehrer an die Grundschule Fredenberg in Salzgitter. 1976 wechselte er als Handballer zur SG Eintracht Hildesheim, die in der Regionalliga Nord spielte. Berufliche Gründe seiner damaligen Verlobten waren ausschlaggebend dafür, dass Scheler im August 1979 in die Eifel umzog – dort wurde der Norddeutsche sesshaft. Scheler wurde Spieler und Trainer beim TuS Daun.

Foto: privat

„Der Einstieg wurde mir einfach gemacht. Ich fand ein sehr gutes Umfeld im Verein vor, hatte Spieler wie Rainer Schwab, Pit Lörscher, Michael Weinmann, Peter Schüller, die Kauffeld-Brüder, Gerd Junk, Norbert Stelmach, Heinz Hammann und viele mehr, die genauso handballverrückt wie ich waren“, erinnert sich der heute 68-jährige Scheler.

„Im ersten Oberligajahr in der Saison 1981/82 wurde uns im Pokal der Zweitligist TuS Derschlag zugelost. Also machte ich mich gemeinsam mit Rainer Schwab und Pit Lörscher auf den Weg, beobachtete den TuS in einem seiner Meisterschaftsspiele. Wir machten Videoaufnahmen mit einem Equipment, das gut und gerne in einen Container gepasst hätte. Zu Hause habe ich das Spiel der Derschlager regelrecht seziert, dabei jeden einzelnen Spielzug auseinandergenommen und meine Jungs auf den Gegner vorbereitet. Obwohl wir uns dann im Pokalspiel gut verkauften, verloren wir die Begegnung. Geblieben sind aber die Erkenntnisse über deren Spielzüge, die ich dann für unser Spiel adaptiert und weiter ausgebaut habe“, plaudert Scheler aus dem Nähkästchen.

 Scheler führte den TuS Daun von der Landesliga über die Oberliga 1983 in die Regionalliga, in der er die Mannschaft drei Jahre lang als Spielertrainer coachte. Gerne erinnert er sich an eine Begebenheit im Aufstiegsjahr 1983, als die Familien Schwab, Scheler und Lörscher gemeinsam ihren Skiurlaub in der Schweiz gebucht hatten, der jedoch in die Phase der letzten drei entscheidenden Spiele um die Meisterschaft fiel. Was tun? „Unsere Frauen fuhren schon mal alleine vor, wir absolvierten unser Heimspiel gegen Hermeskeil, setzten uns anschließend ins Auto und fuhren in den Skiurlaub nach. Am nächsten Wochenende stand die Begegnung in Sobernheim an. Also setzten wir uns wieder ins Auto, fuhren aus der Schweiz in den Hunsrück, absolvierten das entscheidende Saisonspiel, nach dem wir dann als Meister feststanden. In der Kabine wurde gefeiert. Rainer und Pit hatten etwas getrunken und saßen für die Rückfahrt in den Skiurlaub bereits hinten in meinem Auto. Zwangsläufig musste also ich fahren“, berichtet Scheler, der gerne zurückblickt: „Es war eine tolle Gemeinschaft in Daun. Da waren vor allem auch die vielen Abende nach unseren Spielen im Hotel Groß, die wir gemeinsam mit unseren Frauen verbrachten.“

Foto: privat

Sein besonderes Augenmerk legte der Pädagoge aber schon immer auf die Jugend. Von 1987 bis 1996 trainierte er in Daun verschiedene Mannschaften von den Minis bis zur A-Jugend. Nach einer Operation an beiden Hüften im Jahr 1996 musste er eine Pause einlegen. Doch diese dauerte nicht lange: Von 1997 an stand Scheler wieder als verantwortlicher Trainer der ersten Herrenmannschaft des TuS Daun seinen Mann, die damals in der Oberliga Rheinland aktiv war, der höchsten Spielklasse des Handballverbands.

Auch als Vereinsfunktionär machte sich Scheler verdient. Von 1989 bis 2001 war er im Vorstand des Gesamtvereins TuS Daun tätig. Zunächst als zweiter und dann als erster Vorsitzender zeichnete er verantwortlich für den 1400 Mitglieder starken Verein. Auch politisch mischt sich Scheler ein. Er war zunächst in Manderscheid aktiv und sitzt seit 2010 im Dauner Stadtrat.

Im Februar 2002 verließ Scheler den TuS Daun und wurde Trainer bei der DJK/MJC Trier, die er bis 2006 aus der Landesliga in die Oberliga führte. 2002 entstand eine intensive Freundschaft mit dem damaligen Frauen-Coach der Miezen, Dago Leukefeld, die bis heute Bestand hat. „Sie ist noch fester und intensiver geworden. Ich habe von Dago viel lernen können. Noch heute treffen wir uns regelmäßig – vor allem, wenn Dago seine Camps in der Nähe ausrichtet. Wir gehen dann golfen, und spätestens ab dem zweiten Loch reden wir nur noch über Handball. Ich habe von Dago viel übernommen, vor allem eine Forderung, die elementar für unsere Vereine ist: Pflegt eure Jugendtrainer. Die Vereine wollen die Jugendarbeit und müssen deshalb bereit sein, die entsprechende Aufwandsentschädigung zu zahlen und den Jugendtrainern einiges an die Hand zu geben. So habe ich aus privaten Mitteln eine Handballbibliothek aufgebaut, die ich immer wieder gerne interessierten Nachwuchstrainern an die Hand gebe.“

Foto: tv

Es folgte ein „Auslandsaufenthalt“: Mit seinem Freund Christoph Bartel übernahm Scheler den luxemburgischen Erstligisten HC Berchem (2007 bis 2008), ehe ihn berufliche Gründe zwangen, eine handballerische Pause einzulegen. Scheler übernahm die Leitung der Hauptschule Daun. „Ich konnte in dieser Zeit einen Einblick in die luxemburgische Handballszene genießen und hatte mit Christoph einen jungen engagierten Handballkollegen, der als hauptverantwortlicher Coach tätig war. Ich übernahm als Co-Trainer das Torwarttraining und hatte gleich drei Nationalkeeper im Training. Als Christoph dann zur HG Saarlouis in die zweite Liga wechselte, wollte Berchem mich als hauptverantwortlichen Coach verpflichten. Doch meine beruflichen Anforderungen ließen das einfach nicht zu.“

Lange hielt es der Handballfanatiker auch diesmal nicht ohne seinen Sport aus. 2011 übernahm er in seiner Wahlheimat Daun erneut C-, B- und A-Jugendmannschaften. Aktuell ist er verantwortlicher Coach der Dauner A-Jugend.

Der Handball-Enthusiast, dessen mittlerweile erwachsenen Kinder Jan-Dirk und Wibke als Handballer höherklassig unterwegs waren, ist neben seiner Trainertätigkeit im Jugendbereich intensiver Besucher der Spiele der ersten Herrenmannschaft. Er hat sich der neugegründeten Dauner Gruppe „RPS 2020“ angeschlossen und steht dort mit Rat und Tat zur Seite. „Es kommen in der Oberliga viele Aufgaben und Anforderungen auf den Verein zu, und selbstverständlich bin ich bereit, mich hier einzubringen. Wahrscheinlich wird aber die nächste Saison die letzte Saison meiner Trainertätigkeit sein“, sagt Scheler. So recht glauben will ihm das aber keiner.