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TV-Serie: Uwe Kreten – Der „Handball-Papst“ aus dem Ruwertal

TV-Serie „Handball ist unser Leben!“ : Uwe Kreten – Der „Handball-Papst“ aus dem Ruwertal

Schriftverkehr, Sponsorensuche, Trikotbeschaffung, Festhefterstellung: Uwe Kreten war als Funktionär an vielen Stellen gefragt. Auch wenn er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der ersten Linie steht, kribbelt es beim 62-Jährigen immer noch.

Es war und ist für ihn eine Herzensangelegenheit: der HSC Mertesdorf und die heutige HSG Mertesdorf/Ruwertal – eine Handball-Erfolgsgeschichte. Die Rede ist von Uwe Kreten. Über die Grenzen der Verbandsgemeinde Ruwer hinaus wird er als „Handball-Papst vom Ruwertal“ bezeichnet.

Der mittlerweile pensionierte Justizvollzugsinspektor ist ein Tausendsassa und ein Glücksfall für die Vereine. Ihm verdankt der Handball im Ruwertal viel. Mit Herzblut hat sich Kreten dem Handball verschrieben. Ohne ein Team, vor allem seine Familie, wäre das alles nicht gegangen. Zwischenzeitlich hat sich Kreten aus dem aktiven Vereinsgeschehen zurückgezogen, doch das „Kribbeln im Bauch“ bleibt.

„1978 wurde in Mertesdorf bekannt, dass wir eine Sporthalle bekommen, 1979 wurde daraufhin der HSC Mertesdorf gegründet. Wir begannen den Spielbetrieb in der 3. Kreisklasse. An das eine oder andere Erlebnis erinnere ich mich noch heute: Wir wurden einmal gleich so richtig nass gemacht. Das Team aus Biewer/Pfalzel, dessen Spieler alle über 60 Jahre alt waren, verpasste uns mit seiner Cleverness und Erfahrenheit einen richtig dicken Einlauf. Wenn du in der Jugend kein Handball gespielt hast, kannst du als 20-jähriger Spätstarter kein guter Spieler mehr werden. Ehrgeiz, Kampf, Einsatz und Wille allein reichen da nicht. Diese Erkenntnis hatte ich schnell erlangt und mir überlegt, wie ich mich am besten in den Verein einbringe“, erinnert sich der heute 62-jährige Kreten.

Er sah sich mehr als Organisator und übernahm 1980 den Vorsitz des hoch verschuldeten Stammvereins. Er brachte dabei mit anderen Vorstandsmitgliedern eine persönliche Bürgschaft mit Privatkapital ein. Kreten blieb bis 2012 an der Spitze und gab dann diese Funktion aus gesundheitlichen Gründen ab.

Foto: Dietmar Scherf (dis)

Die Arbeit als Funktionär war in seinen Anfangsjahren wesentlich schwieriger als heute: „Handy, PC, Drucker, Internet  – das gab es alles nicht. Wählscheibe mit Festnetz, Schreibmaschine, Copyshop, Post- und Faxversand – so sah das die ersten 20 Jahre aus. Die Erstellung der Saisonpläne für neun bis 14 Mannschaften glich einer Mammutaufgabe. Eine Spielverlegung war schon eine Herausforderung. Heute macht man am PC ein paar Klicks  und ist fertig“, sagt Kreten, der als Vorsitzender eine Reihe von Jobs zu erledigen hatte: Schriftverkehr, Kommunikation auf allen Ebenen, Sponsorensuche, Spenden, Werbungen sammeln und Firmen abklappern, Trikots, Trainingsanzüge, Bälle und Pokale beschaffen, Festhefte und Saisonhefte erstellen.

Auch für das Vereinsleben abseits des Handballs zeichnete Kreten verantwortlich. Er übernahm die Organisation von Familienabenden mit Tombola, zeichnete für die Integration von Menschen mit Handicap der Lebenshilfe in den Verein verantwortlich, organisierte Sammlungen für den Jugendbund und die Kriegsgräber, die Großveranstaltung Hallenhalma, Sommerfeste und später die Maifeste.

Noch gut hat Kreten die Bewerbung des HSC beim Toto-Lotto-Förderpreis 1998 in Erinnerung, der anlässlich des 50-jährigen Bestehens von Toto Lotto Rheinland-Pfalz ausgelobt wurde: „Maßgeblich für die Bewerbung waren damals Anja Monzel und Erhard Schöler. Die Bewerbung war erfolgreich.  Wir belegten den ersten Platz und erhielten einen Siegerscheck über 3000 D-Mark. Das war eine besondere Auszeichnung für unsere erfolgreiche Jugendarbeit.“

Auch als Schiedsrichter war Kreten aktiv: „Mit meinem Sportkameraden und langjährigen zweiten Vorsitzenden Hans-Günter Schmitt habe ich mehrere Jahre gepfiffen, und wir waren auch Zeitnehmer und Sekretär bei den Bundesligaspielen der DJK/MJC Trier. Nach einem Infarkt im Jahr 2002 musste ich leider damit aufhören und übernahm, um dem Verein eine Geldstrafe für fehlende Schiedsrichter zu ersparen, das Amt eines Staffelleiters.“

Foto: steffgen

Für all seine Verdienste um den Handballsport erhielt Kreten 2004 die Ehrenadel des Handballverbands Rheinland in Gold sowie 2007 die silberne Ehrennadel des Sportbunds Rheinland. Doch er sah auch die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter in seinem Verein, für die er die entsprechenden Ehrungen beantragte. Von der HSG Mertesdorf/Ruwertal, vor knapp 30 Jahren entstanden durch die Zusammenarbeit des HSC Mertesdorf mit den Handballern der SG Ruwertal, erhielt Kreten die Ehrenmitgliedschaft.

Er blickt mit Stolz zurück: „In all den Jahren habe ich mit vielen Menschen zusammengearbeitet. Sehr viele haben uns und mir geholfen, den Verein unterstützt – ohne sie wäre es auch nicht gegangen. Ganz besonders hervorheben möchte ich hier Erhard Schöler, Detlef Kottmair, H.G. Schmitt und Anja Monzel. Ich habe fast meine ganze Freizeit dem Handball gewidmet, habe zudem Damen-, Herren- und vor allem Jugendmannschaften ohne Entschädigung trainiert, die ersten 20 Jahre auch kein Spiel der ersten Mannschaft verpasst. Durch meine berufliche Tätigkeit mit Wochenenddiensten war dies später nicht mehr möglich. Der Verein hatte sich all die Jahre stets gute Trainer geleistet. Dabei denke ich an Walter Deutschen, Conny Degenhardt, Robert Schwab und viele mehr.“

Kreten war klar, dass die Mitgliedsbeiträge alleine nicht für eine Vereinsfinanzierung ausreichen. Es musste viel bewegt werden, ihm gelang das. Zudem darf sich Kreten auf die Fahne schreiben, dem Club 2007 ein Vereinsheim „besorgt“ zu haben, direkt neben der Halle. Die Räumlichkeiten, im Besitz der Ortsgemeinde, standen nach der Nutzung als Fitnesscenter leer, und der Verein verkaufte seine Getränke am Treppenaufgang zur Halle im Eingangsbereich – dies war Kreten schon lange ein Dorn im Auge. Da kam ihm seine Gemeinderatstätigkeit gerade recht. Kreten beantragte unmittelbar nach Bekanntgabe des Leerstandes einen Teil dieser Räumlichkeiten für den Handballsportclub Mertesdorf – mit Erfolg. Der Verein hatte von da an endlich ein Zuhause. „Er ist Gründer des Vereins und hat immer wieder mit Idealismus und Engagement neue Entwicklungen angestoßen und umgesetzt. Dafür zolle ich ihm großen Respekt und Anerkennung“, sagte der damalige Ortsbürgermeister Erich Griebeler bei der Übergabe des neuen Vereinsheims.

Das Hauptaugenmerk in all den Jahren auch außerhalb des Spielbetriebs lag und liegt in der Jugendarbeit – und so soll es auch bleiben. Deshalb wurden auch Kooperationen zwischen Schulen und Verein initiiert. „Schließlich ist die Jugend das Kapital eines jeden Vereins. Fällt sie weg, stirbt der Verein“, weiß Kreten, der seit 2017 auf eigenen Wunsch nicht mehr im Vorstand tätig ist: „Doch es kribbelt immer noch. HSC und HSG werden für immer eine Herzensangelegenheit bleiben.“