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TV-Serie: Wie Stürmer Horst Brand (Eintracht Trier) die TuS Neuendorf demontierte

Kostenpflichtiger Inhalt: Serie „Welch’ ein Spiel!“ : Ein Brand-gefährlicher Auftritt

Im Topspiel der Fußball-Amateurliga Rheinland zwischen Eintracht Trier und der TuS Neuendorf am 13. März 1976 erwischte SVE-Stürmer Horst Brand einen Sahne-Tag. Er steuerte alle fünf Tore zum 5:0-Triumph bei. In unserer Serie „Welch’ ein Spiel!“ blickt er auf die 90-Minuten-Gala und die ,dritte Halbzeit’ zurück.

Nach dem Spiel gab’s lobende Worte für Torhüter Charly Schröder, für Wolfgang Müller, Michael Veit und Helmut Zöllner. Doch einer überstrahlte an diesem 13. März 1976 im Trierer Moselstadion alle. Horst Brand war beim 5:0-Sieg von Eintracht Trier in der damaligen Amateurliga Rheinland gegen die TuS Neuendorf (Vorgängerverein der TuS Koblenz) der Mann des Tages – weil er alle fünf Tore erzielte.

„Brand feierte Tor-,Festival‘“ titelte der Trierische Volksfreund. Im Kicker hieß es: „Trier deklassierte Neuendorf – Beim 5:0 der Eintracht schoß Brand alle Tore!“

Es war ein Topspiel, das sich 6500 Zuschauer nicht entgehen ließen. Trier führte die Tabelle nach 23 von 30 Saisonspielen mit zwei Punkten vor Neuendorf an. „Schon damals war die Rivalität groß. Im Jugendbereich gab’s viele Endspiele zwischen Trier und Neuendorf“, erinnert sich Brand.

Der Rasen im Moselstadion war so lala. Des Öfteren wärmte sich das Team laut Brand hinter dem Stadion auf, um den Untergrund im Stadion nicht über Gebühr zu strapazieren.

Horst Brand schoß alle Tore Foto: TV/Schramm, Johannes

Trier trat vorne mit einer offensiven Dreier-Reihe an – mit Brand als zentraler Spitze. „Wir haben viele Tore geschossen, am Ende der Saison waren es 84 in 30 Partien“, erinnert sich der heutige Sport-Vorstand des SVE.

Gegen Neuendorf sollte es zunächst aber nicht klappen. Brand vergab gleich in der ersten Minute eine gute Gelegenheit, in der 13. Minute landete ein abgefälschter Schuss von ihm am Pfosten. Brand, damals 30 Jahre alt, verlor aber nicht die Geduld. „Ich war erfahren. Ich wusste, dass ich weitere Chancen bekommen sollte.“ Fünf davon nutzte er – mal äußerst sehenswert wie beim 1:0 in der 30. Minute, als er einen Neuendorfer Abwehrspieler austrickste und aus rund 16 Metern platziert traf, und mal an der Grenze des Erlaubten, wie beim 2:0 kurz vor der Pause.

Meisterkurs Eintracht Foto: TV/Schramm, Johannes

Brand: „Das Tor war nicht ganz regulär. Neuendorfs Torwart Werner Adam hatte den Ball zwischen den Fingern, als ich ihm das Leder aus der Hand grätschte.“ Schiedsrichter Walter Engel pfiff nicht ab, das Tor zählte. „Der Unparteiische kam aus dem Saarland.  Die Saarländer waren uns damals wohlgesonnen“, erinnert sich Brand mit einem Augenzwinkern. Neuendorfs Schlussmann Adam musste verletzt ausgewechselt werden – laut des damaligen TV-Berichts wegen einer Gehirnerschütterung.

Nach der Pause ließ Brand einen Hattrick folgen – ein 5:0-Triumph im Spitzenspiel stand zu Buche. „Ein verdienter Sieg der Trierer Eintracht, die die 6500 Zuschauer sowohl spielerisch als auch kämpferisch vollauf zufriedenstellte“, hieß es im TV-Fazit.

Das war augenscheinlich keine Selbstverständlichkeit – das Trierer Publikum war seinerzeit gerne mal kritikfreudig. Das musste auch Brand erleben, wie ein Passus im Kicker-Bericht erahnen lässt: „Das Schlagerspiel im Moselstadion wurde zu einem ,Brandfestival‘, denn Triers Mittelstürmer – in dieser Saison wegen Erfolglosigkeit schon oftmals kritisiert – erzielte alle fünf Treffer und wurde verständlicherweise von Mitspielern und Zuschauern begeistert gefeiert.“

Horst Brand (links) erzielt im Duell mit Neuendorf das 5:0. Foto: TV/-

Entsprechend musste Brand nach der Partie etwas springen lassen: „Wir haben immer mal einen getrunken. Nach meinen fünf Toren gegen Neuendorf war ich offensiver beim Ausgeben.“

In der Saison 1968/69 hatte Brand schon einmal fünfmal getroffen, beim 7:1 mit der Eintracht in der Regionalliga Südwest gegen Völklingen.

In dem Ausriss des Saison-Mannschaftsfotos ist Horst Brand in der oberen Reihe als Zweiter von rechts zu sehen. Foto: Jubiläumsmagazin „100 Jahre SV Eintracht-Trier 05 Foto: -

In der alten Regionalliga Südwest (1963 bis 1974) ist Brand mit 118 Treffern (48 für Trier, 70 für Borussia Neunkirchen) Rekordtorschütze. „Ich war als Stürmer eher der Gerd-Müller-Typ. Es war Intuition, dass ich häufig besser stand als mein Gegenspieler“, charakterisiert sich Brand in der Rückschau.

Nach der 5:0-Gala gegen Neuendorf schien in der Amateurliga Rheinland eine Vorentscheidung gefallen zu sein. „Vier Minuspunkte Rückstand sind für die Koblenzer im Restprogramm wohl kaum noch aufzuholen“, schrieb der Kicker. Denkste!

Trier verdaddelte den Vorsprung, am Saisonende hatten Trier und Neuendorf jeweils 45:15 Punkte. Brand: „Wir mussten in ein Entscheidungsspiel gegen Neuendorf, das wir mit 2:1 in Wittlich gewannen. Wolfgang Riemann und ich trafen, wir kamen in die Aufstiegsrunde.“ Trier setzte sich dort gegen Wormatia Worms und Neunkirchen durch und stieg in die zweite Bundesliga Süd auf.

Im Unterhaus spielte die Eintracht dann ohne Brand, der frühzeitig dem FSV Salmrohr als Spielertrainer sein Wort gegeben hatte: „Vielleicht hatte ich mich aus heutiger Sicht damals zu früh entschieden. Aber Salmrohr wollte mich unbedingt haben. Man muss auch bedenken, dass ich seinerzeit nebenher gearbeitet habe, als Geschäftsführer der Hengstenberg-Niederlassung in Trier. Wir haben zwar auch schon drei, vier Mal pro Woche abends trainiert. In der zweiten Liga gab es aber viele Profis. Ich weiß nicht, ob das funktioniert hätte.“