Eishockey-Toptalent Moritz Seider: Von der Mosel in die größte Profi-Liga der Welt

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Bei der Weltmeisterschaft im Mai war er bester Verteidiger im deutschen Team, nun hat sich ihm sogar die Tür zur nordamerikanischen NHL geöffnet. Der 18-jährige Moritz Seider gilt als größtes Eishockey-Talent in Deutschland. Seine Wurzeln liegen in der hiesigen Region. Der Trierische Volksfreund hat sich auf Spurensuche begeben.

Moritz Seider ist derzeit die heißeste Aktie im deutschen Eishockey. Der 18-jährige Verteidiger hat kürzlich Geschichte geschrieben, als er bei der jährlichen Auswahl der besten Nachwuchsspieler durch die Clubs der größten Liga der Welt, der NHL, von den Detroit Red Wings als sechster Akteur „gedraftet“ wurde. Der Nachwuchsstar der Adler Mannheim ist damit nach Leon Draisaitl, der 2014 an dritter Stelle ausgewählt wurde, der höchstbewertete Deutsche in der Draft-Geschichte.

Was aber fast noch mehr erstaunt: Seider kommt gebürtig aus Zell an der Mosel, das mit einer Eishockey-Hochburg mal gerade überhaupt nichts zu tun hat.

Wie passt das zusammen? Der TV hat sich auf Spurensuche begeben. Anruf beim ehemaligen Zeller Bürgermeister Hans Schwarz. Er vermittelt den Kontakt zu den Eheleuten Ilse und Werner Grünewald aus dem benachbarten Peterswald-Löffelscheid. Sie wüssten „viel zu erzählen“.

Foto: TV/Mirko Blahak

Peterswald-Löffelscheid? Der TV meldet sich bei den Grünewalds. Sie laden spontan in ihr Haus zum Besuch ein.

Dort ist Moritz Seider im Büro direkt gegenwärtig. Den Computer-Bildschirm auf dem Schreibtisch ziert ein Bild Seiders, auf dem er von seinen Eltern Sabine und Kay eingerahmt ist – aufgenommen beim NHL-Draft in Vancouver.

Die Grünewalds waren zwischen 1998 und 2004 Vermieter der Seiders. Kay Seider, gebürtig aus Mecklenburg-Vorpommern, war mit seiner aus Thüringen stammenden Ehefrau berufsbedingt in den Kreis Cochem-Zell gezogen. Im Seniorenheim in Blankenrath trat Seider die Pflegedienstleitung an – der Arbeitgeber suchte per Anzeige eine Wohnung für ihn. Ilse Grünewald meldete sich – und wenig später zogen die Seiders in ein Haus der Grünewalds schräg gegenüber des eigenen Domizils im Peterswalder Bildchenweg.

Eishockey-Toptalent Moritz Seider stammt aus Peterswald-Löffelscheid im Kreis Cochem-Zell. Ilse und Werner Grünewald (Foto unten) waren in der kleinen Gemeinde die Vermieter von Seiders Eltern. Sie haben sich wie Großeltern um Klein-Moritz gekümmert – und sind heute große Fans von ihm. Sie verfolgen dessen verheißungsvolle Karriere, die beim EHC Erfurt begann,  bei den Adler Mannheim weiterging und demnächst in der NHL bei den Detroit Red Wings fortgesetzt werden könnte. . Foto: TV/Mirko Blahak

2001 kam Moritz Seider im Zeller Krankenhaus zur Welt. Die ersten drei Jahre seines Lebens verbrachte er in Peterswald-Löffelscheid. Mit Bruder Marius ist er dem Fußball hinterhergejagt – eine Karriere im Eishockey zeichnete sich selbstredend noch nicht ab. Werner Grünewald: „Wäre die Familie hier in Peterswald geblieben, dann wäre er auf keinen Fall Eishockeyspieler geworden.“

Doch die Familie zog 2004 weiter nach Erfurt, wo Moritz im Kindergartenalter über einen Schnupperkurs bei den Erfurter Youngdra­gons Gefallen am Eishockey fand. Der Start einer verheißungsvollen Karriere.

Die Grünewalds verfolgen das Wirken des Nationalspielers bis heute – und wie! „Früher haben wir uns nicht für Eishockey interessiert. Heute schauen wir im Fernsehen alle Spiele, in denen Moritz dabei ist“, sagt Werner Grünewald. „In der Gymnastikgruppe oder beim Masseur in Blankenrath – Moritz ist hier vor Ort ein großes Thema“, sagt der 80-Jährige.

Ehefrau Ilse, 73 Jahre alt, verfolgt Seiders Werdegang zudem via Internet. In der Suchmaschine ploppen direkt die Suchbegriffe Moritz, Seider und Eishockey auf. Die nach der Suche ausgespuckten Ergebnisse sind über mehrere Seiten hinweg rot markiert. Heißt: Ilse Grünewald hat alles gelesen! Zudem schaut sie via YouTube Videos mit Moritz – aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), von der WM in der Slowakei, an der Seider im Mai teilgenommen hat, und vom NHL-Draft – auch wenn sie des Englischen nicht mächtig ist.

„Nachdem Moritz auf die Welt gekommen war, haben sich die Grünewalds rührig um ihn gekümmert und ihm alles gezeigt – so wie Großeltern“, erinnert sich Vater Kay Seider, der aktuell das Richard-Böttger-Heim, eine Pflegeeinrichtung in Mannheim, leitet. Er freut sich über die Eishockeyliebe der ehemaligen Vermieter: „Als wir letztmals 2015 im Rahmen eines Urlaubs zu Besuch in Peterswald waren, wussten sie über Moritz bestens Bescheid.“

Schafft das Nachwuchs-Ass eine Welt-Karriere? „Moritz ist sehr bodenständig geblieben. Er packt das“, ist sich Ilse Grünewald sicher. Auch Ehemann Werner sieht gute Voraussetzungen: „Er ist ein Riesentalent. Aber Talent alleine reicht nicht. Er muss auch gesund bleiben!“

Dass er einen Fuß in der Tür zur NHL hat, ist ein Meilenstein. Der Vater erinnert sich an den entscheidenden Moment: „Als beim Draft in Vancouver Moritz‘ Name fiel, waren auch wir Eltern platt. Es hat eine Weile gedauert, um das zu verarbeiten.“

Wie und wo auch immer Moritz Seiders Weg in der großen weiten Eishockey-Welt weitergeht – die Grünewalds werden es mit großem Interesse und Akribie von Peterswald aus verfolgen.

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