Vor dem Gladiators-Heimspiel gegen Hanau spricht Triers Co-Trainer über seine außergewöhnliche Karriere.

Basketball : Der saarländische Oldenburger

Vor dem Gladiators-Heimspiel gegen Hanau spricht Triers Co-Trainer über seine außergewöhnliche Karriere.

Wenn Holger Smit das damals gewusst hätte. Dieser Hahnemann, der wird eines Tages mal seinen Sohn trainieren? Nach dieser Aktion? Die Vorfreude, sie hätte sich in Grenzen gehalten – aber ganz sicher. Rückblick: Es ist Anfang der 2000er. An das exakte Jahr erinnert sich Marc Hahnemann heute nicht mehr. Hoch oben im Emsland stehen sich an jenem Tag die Basketball-Jugendteams des Oldenburger TB und der TSG Westerstede gegenüber. Im Trikot des OTB: Kevin Smit – heute Flügelspieler der Römerstrom Gladiators Trier. Im Trikot der TSG: Marc Hahnemann – heute Co-Trainer der Römerstrom Gladiators Trier. Beide Jahrgang 1991, Hahnemann ist ein paar Tage älter.

Smit ist zu dieser Zeit schon eine Hausnummer in und um Basketball-Oldenburg. Zum einen: Weil Smits Vater Holger bereits für den OTB in der 1. Bundesliga aktiv war, der Name Smit für Basketball-Tradition in der Region steht. Zum anderen: Weil der Flügel- und Aufbauspieler als großes Talent gilt, dem bereits damals eine Profikarriere vorausgesagt wird.

„Kevin“, erzählt Marc Hahnemann im Januar 2019, „Kevin war immer einer der besten Spieler in der Mannschaft. Einer, vor dem unser Trainer stets gewarnt hat. Er war bekannt – im Gegensatz zu mir.“ Heißt im Spiel: keine einfachen Punkte für den jungen Smit.

Das Duell zwischen Smits OTB und Hahnemanns TSG läuft bereits eine Weile. Dann das: Der Ball fliegt. Smit will ihn, Hahnemann auch. Beide hechten übers Feld, dann macht’s rumms: Die zwei krachen in der engen Schulturnhalle gegeneinander. Hahnemann erinnert sich amüsiert: „Das Blöde war, dass die Aktion direkt vor Kevins Vater passierte. Der saß am Rand auf einer Holzbank und ist danach komplett außer sich gewesen. Er fand, sein Sohn sei viel zu hart angegangen worden.“ Heute, so schätzt Hahnemann, könne sich Holger Smit sicherlich längst nicht mehr daran erinnern. „War ja eigentlich auch ganz harmlos“, meint er lachend. Und Kevin Smit? Auch der hat die Szene längst vergessen. „Er wusste noch nicht mal, dass wir überhaupt je gegeneinander gespielt haben“, berichtet Hahnemann. „Als ich ihm das dann sagte, hat er mich total verwundert angesehen.“

Seit dem Frühsommer 2018 arbeitet Marc Hahnemann als Co-Trainer für die Gladiators Trier. An der Mosel hat er einen Zweijahresvertrag plus Option für eine weitere Spielzeit unterschrieben. Gemeinsam mit Chefcoach Christian Held bildet er das jüngste Trainerteam der 2. Basketball-Bundesliga: Held ist 30, Hahnemann 27 Jahre alt. „An meiner Entscheidung, nach Trier zu wechseln“, erzählt Hahnemann, „hatte Christian großen Anteil“.

Dabei hätte doch alles ganz anders kommen sollen – kein Trier, kein Basketball: Geboren in Ratingen bei Düsseldorf, geht’s für Hahnemann früh ins Saarland. „Aus beruflichen Gründen meines Vaters“, wie er berichtet. Noch vor der Einschulung der nächste Umzug: Ab in den Norden, nach Oldenburg. „Dort habe ich mein Abitur gemacht und meine Liebe zum Basketball entdeckt.“ Das Abi gerade in der Tasche, heißt’s wieder Koffer packen, zurück ins Saarland. Wieder berufliche Gründe, wieder der Vater. Hier spielt der saarländische Oldenburger dann für den TuS Herrensohr, sammelt zudem erste Erfahrungen an der Seitenlinie als Trainer des dortigen U18-Teams.

Dann tritt der Basketball in den Hintergrund – vorübergehend: Hahnemann startet ein duales Studium. Titel: Sportmanagement. Arbeitgeber: Fußball-Spielerberatung „Soccer and more Limited“ in Saarbrücken. Doch er merkt schnell: Fußball nein, Basketball ja. Der Sport mit dem orangefarbenen Ball, er fehlt ihm. Hahnemann beendet sein Studium, und startet seine Basketball-Trainerkarriere – eine Karriere, die rasend schnell an Fahrt gewinnt: Er trainiert die Oberliga-Damen des TBS Saarbrücken, arbeitet für den saarländischen Basketballverband, landet bei den Saarlouis Sunkings, fungiert dort als Co-Trainer der Regionalliga-Herren – bis zu diesem Abend im April 2017: Hahnemann und die Regionalliga-Herren haben ihr Training gerade beendet, da steht plötzlich Hermann Paar vor ihm. Der damalige Coach der Damen-Nationalmannschaft und Trainer des Saarlouis Royals-Damen-Bundesligateams hat ein Anliegen. Hahnemann erinnert sich: „Er sagte, dass er mich bereits seit längerem beobachtet habe und mich gerne in seinem Team sehen würde.“ Der gebürtige Rheinländer ist von den Socken, überlegt kurz und sagt zu. „Ich habe dann erst mal als Videocoach und Assistent der Nationalmannschaft begonnen.“ Er macht seinen Job gut, und kurz darauf engagiert Paar ihn auch als Co-Trainer bei den Royals.

Im Winter 2017 der nächste Schritt: Nach Paars Entlassung – beide stehen bis heute in engem Kontakt, Hahnemann bezeichnet den 64-Jährigen als „meinen Mentor“ – steigt er zum Cheftrainer in Saarlouis auf – mit 26 Jahren. Er stabilisiert das Team trotz zahlreicher Querelen im kriselnden Club, verpasst am Ende nur knapp die Playoffs. Hahnemann sagt: „Das war eine unfassbare Erfahrung für mich. Dieses halbe Jahr hat mir gezeigt: Egal, was kommt, man schafft das schon.“

Nach der Saison wollen die Royals Hahnemann halten – doch der junge Coach entscheidet sich für die Gladiators, sorgt dafür, dass aus dem Trier-Oldenburg-Trio – bestehend aus Kevin Smit, Lucien Schmikale und Christian Held – ein Quartett wird. Hahnemann gesteht: „Christian und ich  kannten uns nicht aus Oldenburg. Ich hatte ihn zuvor erst einmal getroffen.“ Schon da habe er einen „wahnsinnig guten ersten Eindruck“ von Held gehabt. „Als Fachmann sowie als Mensch.“ Nach dem Vertragsangebot treffen sich beide zum zweiten Mal: „Da dachte ich mir endgültig: ‚Wow, da kann ich extrem viel lernen’.“

Und seine Erwartungen, so betont er jetzt nach einem guten halben Jahr an der Mosel, die haben sich erfüllt: „Ich bin glücklich mit der Entscheidung, hier nach Trier gekommen zu sein – ich fühle mich wohl“. Bei den Gladiators ist Hahnemann – der nebenbei auch die U18-Damen-Nationalmannschaft als Videocoach betreut – unter anderem für die Gegnervorbereitung zuständig. Vier bis fünf Stunden pro Tag, so erzählt er, verbringe er mit Videostudium.

Die Zusammenarbeit mit Chefcoach Held, sie sei sehr vertrauensvoll. „Egal, ob im Spiel oder im Training: Christian fordert ein, dass ich meinen Senf dazugebe – und das mache ich auch.“

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