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Warum Eintracht Trier weiterspielen will - und wie sich der Club gegen Einbußen stemmt

Kostenpflichtiger Inhalt: Fußball : Warum Eintracht Trier weiterspielen will - und wie sich der Club gegen Einbußen stemmt

Bis zum Ende des Geschäftsjahres am 30. Juni steht der Fußball-Club nach eigener Aussage trotz der Corona-Krise auf sicheren Beinen. Danach seien in allen Bereichen die Planungen bedroht. Wie der SVE sich dagegenstemmt – und warum er für eine Fortsetzung der aktuellen Saison plädiert.

In der Fußball-Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar wäre jetzt normaler­weise der spannende Endspurt um den Aufstieg eingeläutet. 29 Spieltage wären absolviert, Eintracht Trier hätte am kommenden Samstag die Auswärtspartie bei Hertha Wiesbach vor der Brust. Hätte, hätte, hätte.

Was bedeutet die wegen Corona unterbrochene Saison für Eintracht Trier?

Finanzen: Wegen der Corona-Pandemie ruht seit dem 8. März der Ball. Inklusive des Ende Februar wegen Unbespielbarkeit des Rasens abgesagten Duells mit Wormatia Worms sind dem SVE in diesem Kalenderjahr bereits fünf Heimspiele durch die Lappen gegangen. Das entspricht Einnahmeverlusten von bislang rund 50 000 Euro. Dennoch sagt Vorstandssprecher Alfons Jochem: „Egal, ob die aktuelle Saison abgebrochen oder fortgesetzt wird: Bis zum Ende unseres Geschäftsjahres am 30. Juni 2020 stehen wir auf sicheren Beinen.“

Grund: Der SVE hat laut Jochem bei den Ausgabeposten jeden Stein umgedreht, zudem verweist er auf Unterstützung von Sponsoren: „Von manchen Geldgebern haben wir eine Art Sonderzahlung erhalten.“ Vorstandskollegin Simone Schuler berichtet von Einsparungen im Kleinen – etwa bei Fahrzeug-, Fahrt- und Telefonkosten sowie Versicherungen. Laut Geschäftsstellenleiter Björn Berens sind darüber hinaus für sechs Teammitglieder die betrieblichen Vorausetzungen für Kurzarbeit erfüllt.

Da aufgrund des ruhenden Trainings- und Spielbetriebs auf dem Moselstadiongelände aktuell keine Strom- und Wasserkosten anfallen und die Rechnungstellung des Mietzinses für die Bereitstellung des Stadions derzeit ausgesetzt ist, kann der SVE Ersparnisse in diesem Bereich im dreistelligen Euro-Bereich verbuchen.

Laut Vorstandsmitglied Roman Gottschalk werden im Jugendbereich derzeit keine Trainer-Pauschalen gezahlt: „Für das Entgegenkommen können wir den Beteiligten nur danken. Alle haben direkt ihre Bereitschaft dazu signalisiert.“

Und was ist nach dem 30. Juni? In seinen Berechnungen geht der SVE derzeit davon aus, dass bis 1. September nicht gespielt werden darf. „Da wir Kosten für den Spielbetrieb in vielen Kostenstellen weiterzahlen müssen, fehlen uns auf Dauer natürlich Zuschauer- und Cateringeinnahmen. Die aktuelle Situation bedroht unsere Planungen in allen Bereichen für die kommende Spielzeit. Im Einnahmebereich müssen wir mit Einbußen im Ticketing und Sponsoring rechnen – unseren beiden größten Einnahmequellen“, sagt Jochem. Hinzu kommt, dass dem SVE in der nächsten Saison die noch in dieser Spielzeit geleistete Einmalzahlung des Ex-Präsidenten Helmut Meeth im mittleren fünfstelligen Euro-Bereich nicht mehr zur Verfügung steht.

Wie steuert die Eintracht dagegen?

Nicht nur von Sponsoren, auch aus der Fanszene erfährt der SVE derzeit Unterstützung. Mit der Aktion #HerzenFüllen (siehe Extra) wurde eine Solidaritäts-Kampagne gestartet, die im Bestfall knapp 27 000 Euro in die Kasse spült. Weitere Aktionen in Zusammenarbeit mit den Anhängern sind geplant. Zudem haben sich laut Eintracht bislang knapp 40 Dauerkarteninhaber gemeldet, um von sich aus einen Verzicht auf Rückerstattungen kundzutun.

Ob Hilfen seitens der Politik oder von Verbänden in Form von Zuschüssen oder Darlehen möglich und sinnvoll sind, eruiert der Verein. Zudem sind gegebenenfalls weitere Einsparungen im Budget notwendig. Jochem: „Wir müssen schauen, wie sich unsere Kosten entwickeln und wo wir Anpassungen vorzunehmen haben.“

Wie soll’s weitergehen?

Am liebsten wäre der Eintracht, wenn die aktuelle Saison ab dem 1. September fortgesetzt würde – mit Zuschauern. In der Tabelle liegt das Oberliga-Team nur zwei Punkte hinter dem Spitzenreiter Schott Mainz – sofern das Nachholspiel gegen Worms gewonnen würde. Nach diesem Szenario würde die Saison zum Jahreswechsel enden, um in der ersten Hälfte 2021 die nächste, verkürzte Spielzeit 20/21 auszutragen.

Entsprechend zählt die Eintracht zu jenen 16,5 Prozent, die sich bei der Umfrage des Fußballverbands Rheinland (FVR) für eine Fortsetzung der Saison ausgesprochen haben. Unter den fünf Oberligisten im FVR ist Trier der einzige Club, der diese Linie verfolgt – laut Berens plädieren die TuS Koblenz, Engers, Karbach und Eisbachtal für einen Abbruch.

Das Stimmungsbild unter allen Rheinland-Pfalz/Saar-Oberligisten wird sich am Mittwochabend herauskristallisieren, dann findet eine Videokonferenz mit allen Clubs und Vertretern des zuständigen Regionalverbands Südwest statt. Jochem ahnt, dass auch da die Eintracht eine Minderheitenmeinung vertreten wird: „Wir wissen, dass wir eine exklusive Sicht der Dinge haben. Aber wir wollen nicht im Mainstream mitschwimmen. Dafür haben wir in die aktuelle Saison schon so viel Arbeit investiert.“

Die Eintracht plant derweil, fristgerecht bis zum 15. Mai sowohl für die kommende Oberliga- als auch Regionalliga-Saison Bewerbungen einzureichen.

Was passiert im Kader? 13 Spieler haben einen Vertrag über die Saison hinaus. Mit allen anderen Spielern, die der SVE halten will, habe der Club laut Sportvorstand Horst Brand bereits gesprochen. „Über finanzielle Dinge können wir aber erst endgültig reden, wenn Klarheit über das weitere Vorgehen herrscht.“

In den sozialen Netzwerken kursiert unterdessen ein aktuelles „Best-of“-Video mit Szenen von Defensivallrounder Jason Kaluanga. Ein Fingerzeig, dass der Belgier (erneut) einen vorzeitigen Absprung sucht, trotz eines Kontrakts bis 2021? „Wir sind da ganz entspannt“,  sagt Brand.

Gibt’s schon eine neues Datum für die verschobene Mitgliederversammlung, bei der Vorstandswahlen anstehen? Noch nicht. Gemäß den vom Bundestag im Eilverfahren beschlossenen Änderungen im Vereinsrecht bleibt auch bei der Eintracht der aktuelle Vorstand im Amt, bis die nächste Mitgliederversammlung entweder in diesem Jahr oder sogar erst im nächsten Jahr stattfindet.