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Weltrekord-Versuch: Volleyballer planen 121-Stunden-Marathon in Wittlich

Kostenpflichtiger Inhalt: Volleyball : Weltrekord-Versuch: Volleyballer planen 121-Stunden-Marathon in Wittlich

Ab Ostermontag wollen 24 Akteure im Eventum Wittlich 121 Stunden nonstop Volleyball spielen. Um den Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde zu erlangen, ist im Vorfeld nicht nur hartes Training notwendig.

Schlafmangel, ein Wehwehchen hier, eine Blessur dort. Es war eine Schinderei. Aber eine, die glücklich gemacht hat.

Im April 2013 hatten zehn Volleyballspieler aus der Region in Osburg den Weltrekord im Dauer-Volleyballspielen gebrochen und sich einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde gesichert. Sie pritschten und baggerten 89 Stunden lang.

„Wir sind an körperliche Grenzen gegangen. Ein normales, langes Fünf-Satz-Match im Volleyball dauert zweieinhalb bis drei Stunden. Da waren 89 Stunden natürlich eine ganz andere Herausforderung. Es war sehr anstrengend, aber eine tolle Erfahrung“, erinnert sich Alexander Schmidt aus Orenhofen (Eifelkreis Bitburg-Prüm), der damals mit dabei war.

Trotz aller Strapazen: Schmidt und 23 weitere Volleyballer wollen nun eine Schippe drauflegen – um den Rekord zurück in die Region Trier zu holen! Denn aktuell hält das Team SVU Volleyball aus den Niederlanden die Bestmarke im Dauerspielen mit 101 Stunden, aufgestellt im Januar 2017.

„Mehrere Spieler von damals haben sich vor ein paar Monaten gesagt, das können wir nicht auf uns sitzen lassen. Zwei, drei ,Verrückte‘ aus mehreren Vereinen haben sich zusammengeschlossen, so wurde das Projekt geboren“, berichtet Mike Neuwinger. Der 40-Jährige aus Ayl (Kreis Trier-Saarburg) ist mit dabei, wenn das neue 24er-Team vom 13. bis 18. April im Wittlicher Eventum den Rekord um gleich 20 Stunden auf 121 Stunden steigern will. „Wir hätten auch nur 60 Minuten auf 102 Stunden draufsatteln können, doch bei dieser langen Wegstrecke machen 20 Stunden mehr auch nichts mehr aus“, sagt Neuwinger.

Die Spieler erwartet nicht nur eine kraftraubende Aufgabe, sondern auch eine psychische Belastung. „Man denke nur an die permanente Beschallung in der Halle. Das macht’s nicht einfach, zwischendurch mal zur Ruhe zu kommen“, sagt Neuwinger, der für Losheim in der Volleyball-Landesliga spielt.

Das Reglement hat sich zwischenzeitlich geändert. 2013 traf ein zehnköpfiges Rekord-Team auf insgesamt 22 Mannschaften, die jeweils für vier beziehungsweise am Schluss fünf Stunden als Gegner zur Verfügung standen. Nun umfasst das Rekord-Team 24 Spieler. Sie bilden zwei Mannschaften, die gegeneinander antreten und in ihrer Zusammensetzung nicht verändert werden dürfen. Das heißt: Pro Mannschaft stehen sechs Spieler auf dem Feld, und sechs stehen am Spielfeldrand zur Einwechslung bereit.

Die Auflagen von Guinness World Records sind unmissverständlich: Es wird nach den Vorgaben des Internationalen Volleyball-Verbands gespielt. Jeder Spieler erwirtschaftet sich pro 60-minütiger Spielzeit eine sogenannte fünfminütige ,Komfortpause’, die zum Beispiel zum Duschen oder – bei angesparten Pausen – für ein Nickerchen genutzt werden können. Aber: Auch in diesen Pausen darf niemand die Halle verlassen.

Wer in seiner ,Komfortpause‘ den Spielfeldrand verlassen möchte, muss sich in einem Logbuch ein- und bei der Rückkehr wieder austragen lassen. Neuwinger: „Wenn einer auch nur eine Minute zu spät aus seiner Pause zurückkehrt, ist alles vorbei.“

Was alles zu beachten und gefordert ist, steht laut Neuwinger in einem vielseitigen Dossier. Dieses wurde im Vorfeld erstmal vom Englischen ins Deutsche übersetzt. „Da musste höllisch aufgepasst werden, Übersetzungsfehler zu vermeiden“, erklärt Neuwinger.

In mehreren Trainingscamps tasten sich die Spieler an den Rekord-Modus heran. An diesem Wochenende trifft sich die Gruppe, um in der Halle des Wittlicher Peter-Wust-Gymnasiums bis Sonntag durchzuspielen. Zwei weitere Camps sind im Februar und März geplant, dann wird es ernst.

Aktuell umfasst das Team noch 26 Spieler – falls sich bis zum ersten Aufschlag noch jemand verletzten sollte. Männer und Frauen sind dabei, die Altersspanne reicht laut Neuwinger von 20 bis 55 Jahren. Eine Wildcard wurde vergeben – eine Spielerin aus Celle hat sie gewonnen.

Das zeigt: Der neue Weltrekordversuch schlägt bundesweit Wellen – und darüber hinaus. Per Video haben Trainer Max Hauser und Spieler Mart van Werkhoven vom Männer-Bundesligisten Herrsching sowie der Schweizer Ex-Fußball-Schiedsrichter Urs Meier Motivationsbotschaften geschickt.

Mit einem Rahmenprogramm sollen Interessierte während des 121-Stunden-Weltrekordversuchs ins Eventum gelockt und Einnahmen generiert werden.

Denn: Der gesamte Erlös kommt zwei guten Zwecken zugute. Die Volleyballer wollen auf die Arbeit von Annas Verein aufmerksam machen, der Einrichtungen zur Behandlung chronisch- und krebs-kranker Kinder fördert, und helfen, Kindern der Maria-Grünewald-Förderschule aus Wittlich die Teilnahme an den Special Olympics zu ermöglichen. Eine Basis ist schon mal geschaffen: Jedes Teammitglied zahlt jeweils 100 Euro in die Spendenkasse.

Zuvor müssen (hohe) Kosten gedeckt werden – im Idealfall durch Sponsoren. Etwa für einen Livestream, eine lückenlose, alle Ecken der Halle abdeckende Videoaufzeichung des Weltrekordversuchs, einen LED-Würfel, über den unter der Hallendecke die Werbung der Geldgeber flimmern soll, für Licht, Sound, eine Bühne. Geplant ist auch, einen professionellen Boden zu verlegen, der gummiert und damit gelenkschonend ist. Für eine Leihe fällt schnell ein vierstelliger Euro-Betrag an.

Verlassen können sich die Rekordjäger auf die Stadt Wittlich. Neuwinger: „Sie kommt uns in vielen Dingen sehr entgegen.“

Entscheidend ist die Videoaufzeichnung, die nach Ende der 121 Stunden per Post an die Guin­ness-Verantwortlichen per Einschreiben mit Rückschein verschickt wird. Beim Filmen darf nichts schiefgehen. Neuwinger: „Wir müssen zwei Systeme über zwei Stromkreise fahren. Wenn Kamera A ausfällt, muss Kamera B direkt einspringen. Gleiches gilt für Festplatten. Wir brauchen eine enorme Speicherkapazität.“ Neben der Technik braucht es Augenzeugen, die mit keinem der Rekord-Teilnehmer verwandt sein dürfen.

Um alle Details im Vorfeld zu klären, hat sich aus der Spieler-Gruppe ein neunköpfiges Organisationsteam gebildet – unter anderem für die Verwaltung, das Rahmenprogramm, das Sponsoring, den Spielbetrieb und Social-Media-Aktivitäten. Die Schirmherrschaft des Rekordversuchs hat die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer übernommen.

2013er-Rekordmann Alexander Schmidt geht mit großer Vorfreude, aber auch einem Riesenrespekt an die Aufgabe heran. Auch, weil der heute 43-Jährige in Diensten des VB Echternach inzwischen sechs Jahre älter ist als damals.

Er weiß genau, was auf ihn und seine Mitstreiter zukommt: „Wenn es am Ostermontag, 13. April, losgeht, werden unsere Körper voll mit Adrenalin sein. Ab Mittwoch bis Donnerstag heißt es dann: Beißen! – vor allem in den Nächten. Ab Freitag geht es dann wieder aufwärts, weil das Ziel in Sicht kommt.“