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Wie ein Benz-Diesel: Wenn er rollt, ist Feilen nicht mehr zu stoppen

Wasserliesch/Konz : Ein mal rund um Luxemburg als lockeres Radtraining 

Radsport: Stefan Feilen plant die Teilnahme an einem Langstreckenrennen quer durch Deutschland. Zur Vorbereitung geht‘s ins Großherzogtum.

Auch wenn Stefan Feilen am Sonntagmorgen gerade 300 Kilometer rund um Luxemburg geradelt sein wird, fahre er gerne auch noch bei Saarpedal bis Saarburg oder Mettlach mit, wenn jemand möchte, lässt der 45-Jährige durchblicken: Zur Eröffnung des autofreien Sonntags entlang der Saar will Feilen um 10 Uhr auf dem Konzer Marktplatz ankommen. Aber auch nach einer Nacht im Fahrradsattel hat er noch immer nicht genug. „Wenn ich nach solchen 300 Kilometern schon kaputt wäre, wäre das ganz schlecht“, sagt der Wasserliescher. Denn die Runde um das Großherzogtum ist nur ein etwas größeres Training für das Langstreckenrennen Race across Germany vom 1. bis 3. Juli. 1100 Kilometer muss der Radsportler dann innerhalb von 58 Stunden bewältigen.

Start ist am 1. Juli in Flensburg am Hafen. Im Abstand von zwei Minuten werden die 60 Teilnehmer (mehr sind nicht zugelassen) auf die Strecke geschickt – Windschattenfahren ist verboten. Die Strecke bis auf den Marktplatz in Garmisch-Partenkirchen ist vorgegeben. Die Teilnehmer müssen selbst per GPS zu vorgegebenen Punkten finden und von dort eine Meldung mit Daten wie aktueller Fahrtzeit an die Rennleitung durchgeben. „Die Navigation ist das kleinste Problem“, sagt Feilen. Das funktioniert mit entsprechender Ausrüstung auf dem Fahrrad mittlerweile genauso gut wie im Auto.

Schwieriger ist es, wach zu bleiben. Feilen wird vom Bus seines Vereins RV Schwalbe Trier begleitet. Die hinterste Sitzreihe wird ausgebaut, um Platz für eine Matratze zu schaffen. Die wird aber eher sein vierköpfiges Begleitteam, bestehend aus seiner Lebensgefährtin und Freunden, darunter ein Physiotherapeut, nutzen können. Bei Paris-Brest-Paris, einer 1200-Kilometer-Ultrafahrt, sei er vor drei Jahren die ersten 28 Stunden, 600 Kilometer, nonstop durchgefahren. Ebenso bei einem 24-Stunden-Rennen in Luxemburg. „Schlafpause planen wir nicht ein“, sagt Feilen deshalb. Aus Erfahrung weiß er: „Die erste Nacht ist die schlimmste. Die zweite geht eigentlich und eine dritte wird es nicht geben“, erklärt er mit Verweis auf sein Ziel, innerhalb von 48 Stunden in Garmisch zu sein.

Das wäre auch die Qualifikation für das legendäre Race across America (RAAM) von der West- zur Ostküste der USA über rund 5000 Kilometer. „Aber selbst, wenn ich die Quali habe, wird es wahrscheinlich am Finanziellen scheitern“, sagt Feilen. Die Deutschland-Durchquerung kostet ihn bereits zwischen 4500 und 5000 Euro (inklusive rund 500 Euro Startgeld). Für das RAAM müsse man mit rund 30.000 Euro rechnen.

Die 300 Kilometer rund um Luxemburg, zu denen Feilen am Samstagnachmittag um 16 Uhr an der Saar-Obermosel-Touristik in Konz startet, sind nicht einmal seine längste Trainingseinheit der vergangenen Wochen. Am Karfreitag fuhr er die Mosel entlang nach Koblenz und zurück: 400 Kilometer. Bis zu 20 Stunden pro Woche trainiert der ehemalige Fußballer. Momentan bestehe sein Leben aus arbeiten, trainieren und schlafen.

 Stefan Feilen vom RV Schwalbe Trier plant die Teilnahme am Race across Germany.
Stefan Feilen vom RV Schwalbe Trier plant die Teilnahme am Race across Germany. Foto: privat

Dass seine Radtouren so lang werden würden, daran hatte der in Onsdorf (Kreis Trier-Saarburg) aufgewachsene Feilen nicht gedacht, als er sich vor 14 Jahren sein erstes Rennrad kaufte. „Fußballspielen ging irgendwann wegen der Knochen nicht mehr“, erzählt er. Feilen fuhr einfach drauf los, schloss sich erst dem RSC Wincheringen und 2018 dem RV Schwalbe Trier an. Normale Radrennen sind nichts für ihn, hat er spätestens 2014 nach seiner ersten Ultralangdistanz gemerkt, erzählt er: „Ich bin nicht der schnellste, aber ein bisschen wie ein alter Benz-Diesel: Wenn er läuft, dann läuft er.“