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Regionaler Handball
Nach der WM ist vor der Arbeit

Prüm. Wie kann die Euphorie genutzt werden? Verbandscoach Rudi Engel gibt Denkanstöße. Von Mirko Blahak
Mirko Blahak

Rudi Engel ist Handballer durch und durch. Der Prümer ist seit bald 40 Jahren im Trainergeschäft. Klar, dass er sich dieses Ereignis nicht entgehen ließ. In Köln verfolgte er das WM-Haupt­rundenspiel der deutschen Mannschaft gegen Spanien (31:30). „Es war mitreißend. Die Halle war komplett gefüllt. Es gab viele Emotionen und einen enormen Enthusiasmus. Das sind Erlebnisse, bei denen man als Handballer dabei sein muss“, berichtet der 60-Jährige, der auch im Kollegenkreis im Finanzamt Bitburg-Prüm ein dank der WM gesteigertes Interesse am Handball festgestellt hat. „Das muss jetzt genutzt werden – und zwar besser als nach dem EM-Titel 2016.“ Die Euphorie von damals hielt nicht lange, nachhaltige Effekte an der Basis sind ausgeblieben. Engel: „Man muss sich nur mal anschauen, wie schwierig es einige Vereine haben, Mannschaften im D- und C-Jugendbereich zu stellen. Das kann man nicht nur auf den demografischen Wandel schieben.“

Jugendliche brauchen Vorbilder – die habe die aktuelle Heim-Weltmeisterschaft 2019 geschaffen. „Die Kinder haben bei den Übertragungen gemerkt, dass mit Teamgeist viel zu bewegen ist“, sagt Engel, der als Verbandstrainer der männlichen Jugend sowie als Coach und Jugendkoordinator der männlichen Rheinland-Pfalz-Auswahl Talente über mehrere Stufen hinweg begleitet.

Fortwährende Handball-Begeisterung bei Kindern zu wecken, sei nun das Gebot der Stunde. Prädestiniert dafür sind aus Sicht von Engel etwa die Star-Trainings – eine Aktion des Deutschen Handball-Bunds und der AOK, für die sich Schulkassen bewerben können. Wichtig seien darüber hinaus regelmäßige Angebote für Kindergartenkinder sowie Grundschüler – sei es im Sportunterricht oder durch Vereine am Ort, mit entsprechender Unterstützung der Verbände. Schade findet es Engel in diesem Zusammenhang, dass es im Vorfeld der Weltmeisterschaft keine Mini-WM für E-Jugendliche im Verband Rheinland gegeben habe – anders als beispielsweise in der Pfalz.

Ist das Interesse im Kindesalter geweckt, folgt der nächste Schritt in die Vereine. Die Herausforderungen dabei sind groß. Engel: „Wir brauchen mehr fachkundige Trainer und Hallenkapazitäten in unserer Region.“ In puncto Übungsleiter müssten entsprechende Angebote auch an die Eltern von Handball-Kindern gemacht werden: „Die WM hat nicht nur die jungen Handballer, sondern auch deren Eltern begeistert.“

Zwei Wochen lang spielte Handball in der medialen Sportberichterstattung eine Hauptrolle. Doch bleibt das so? Engel ist skeptisch: „Es wäre ja schon viel gewonnen, wenn in der Sportschau mal die Tabelle der Handball-Bundesliga eingeblendet würde. Bitten sie in einem Basislehrgang mal die Jugendlichen, fünf Bundesligisten zu nennen. Da scheitern viele, obwohl sie ja selbst Handball spielen.“

Grundsätzlich glaubt Engel jedoch, dass auf den verschiedenen Ebenen tatkräftiger als nach bisherigen Großereignissen versucht werden wird, die Chance beim Schopfe zu packen. Und für alle Sportfans hat er noch einen Rat parat: „Bei der Heim-Europameisterschaft 2024 muss man dabei sein!“

 Tipps vom Weltmeister: Bei den Star-Trainings für Schulklassen geben Handballgrößen wie Christian Schwarzer (im Bild mit Kindern der Grundschule Fell) ihr Wissen weiter.
Tipps vom Weltmeister: Bei den Star-Trainings für Schulklassen geben Handballgrößen wie Christian Schwarzer (im Bild mit Kindern der Grundschule Fell) ihr Wissen weiter. FOTO: Bjoern Pazen (BP)