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Trier/Paris 
„Zeigen, dass der Radsport seine dunkelsten Stunden überstanden hat“

Trier/Paris . Vor der Tour ist nach der Tour: Mitte August startet die Deutschland-Tour. Im TV spricht der sportliche Leiter der Rundfahrt, Ex-Gerolsteiner-Profi Fabian Wegmann, warum es nicht so leicht ist, solch ein Rennen in Deutschland auf die Beine zu stellen, und einen Hammer am Trierer Petrisberg.

Als sportlicher Leiter ist Ex-Gerolsteiner-Radprofi Fabian Wegmann (38)  der entscheidende Mann für die Streckenplanung der Deutschland-Tour, die am 24. August auf dem zweiten von vier Teilstücken  über 212 Kilometer von Bonn nach Trier führt. Der sechsmalige Tour-de-France-Teilnehmer, der die Frankreich-Rundfahrt in diesem Jahr als Co-Kommentator für die ARD begleitete, freut sich auf „eine abwechslungsreiche Strecke mit viel Auf und Ab“ bei der Deutschland-Tour.

„Meine Hauptaufgabe im Vorfeld war es, Start- und Ziel-Städte so miteinander zu verbinden, dass die einzelnen Teilabschnitte den Charakter eines klassischen Eintages-Rennens aufweisen. Das klingt ziemlich einfach, ist aber eine diffizile Schnipsel-Arbeit. Man muss Klassement-Fahrern wie Sprintern gleichermaßen entgegenkommen und  auch Passagen mit Bahnübergängen vermeiden.“

Unter dem Hashtag „Deutschland, Deine Tour“ hatten Radsport-Fans bereits im vergangenen Jahr ihre Vorschläge für Länge und Profil der Teilstücke abgeben können. „Das eine oder andere haben wir durchaus einbauen können, da waren ein paar interessante Aspekte dabei.“  Nachdem er die Strecke dann selbst ein paarmal mit dem Auto abgefahren habe, sei er „eigentlich ganz zufrieden gewesen“.

Während  der Auftakt von Koblenz nach Bonn „vielleicht eher etwas für die Sprinter“ sei,  könnte am Freitag, wenn es durch die Eifel und nach der Mosel-Überquerung bei Piesport Richtung Trier gehe, „das Terrain mehr für Fluchtgruppen oder Solo-Ausreißer“ geeignet sein. Der abschließende „Hammer“ am Petrisberg, von wo aus es Richtung Ziel bei der Arena gehe, könnte je nach Rennverlauf „so was wie ein Scharfrichter“ werden.

Es sei nicht leicht, hierzulande ein Radrennen dieser Kategorie auszurichten, auch weil die wenigsten Behörden oder Kommunen nach der zehnjährigen Abstinenz der Deutschland-Tour  mit so etwas Erfahrung hätten. „Man kann ja nicht einfach so mal ein paar Straßen sperren oder Umleitungen einrichten. Dazu braucht man behördliche  Genehmigungen. Das geht nicht von heute auf morgen.“ Die Austragung der Rundfahrt hat daher die Amaury Sport Organisation (A.S.O.)  übernommen, die sich vor allem als Ausrichter der Tour de France und der Rallye Dakar einen Namen gemacht hat. Wegmann wurde die sportliche Leitung der Rundfahrt übertragen.

Der gebürtige Münsteraner soll auch als „Geburtshelfer“ dazu beitragen, dass die Rundfahrt sich in Zukunft fest etabliert. Deutschland sei mit starken Sprintern  wie André Greipel, Marcel Kittel und John Degenkolb, einem exzellenten Zeitfahrer wie Tony Martin, dazu einer traumhaften Landschaft und einer großen Radsport-Vergangenheit ein riesiger Markt. „Mit ihrem jahrelangen Know-how in Sachen Organisation und Logistik ist die A.S.O. der perfekte Umsetzer für dieses Vorhaben.“ In Verbindung  mit dem Bund Deutscher Radfahrer (BDR) soll das französische Unternehmen die neue Deutschland-Tour bei Teams und Partnern zu einem festen Produkt vermarkten.

Dass der Radsport die Massen bewege, könne man in jedem Jahr in Frankreich erleben, sagt Wegmann. „Auch der Tour-Start im vergangenen Jahr in Düsseldorf hat gezeigt, was in Deutschland möglich ist. Da waren Zehntausende von Menschen unterwegs, obwohl es in Strömen geregnet hatte.“

Natürlich könne aus der Deutschland-Tour, die mit dem UCI-Status 2.1 offen für World Tour Teams ist, keine Dreiwochen-Rundfahrt werden. „Aber wir haben die Chance zu zeigen, dass der Radsport auch bei uns seine dunkelsten Stunden überstanden hat und ein Mehr-Etappen-Rennen hier eine Zukunft hat.“