Zu Besuch in der Südeifel bei Philipp Leisen, dem neuen VLN-Langstreckenmeister: Ein Spagat zwischen Rennen und dem eigenen Betrieb. 

Motorpsort : Zwischen Nordschleife und Elektrohandel

Zu Besuch in der Südeifel bei Philipp Leisen, dem neuen VLN-Langstreckenmeister: Ein Spagat zwischen Rennen und dem eigenen Betrieb. 

Für den Champion war zu Wochenbeginn schon wieder Alltag im eigenen Betrieb, der Firma Elektrogeräte und Metallwaren Leisen in der Südeifel. Zwei Tage zuvor sah das noch ganz anders aus,  war abends feiern angesagt. Denn nach dem letzten Rennen in dieser Saison durfte Philipp Leisen  (34) gemeinsam mit den  Teamkameraden Christopher Rink und Danny Brink den Titel  bei Europas größter Breitensportserie im Motorsport, der VLN-Langstreckenmeisterschaft auf dem Nürburgring, genießen.

Im vom Pixum Team Adrenalin Motorsport  eingesetzten BMW E90 325i sicherte sich das Trio die Meisterschaft.  Insgesamt neun Rennen, acht davon über die Distanz von jeweils vier Stunden, eines über deren sechs, mussten sie  bewältigen, um am Ende ganz vorn zu stehen. In der Regel mitten in einer ganzen „Armada“ von 150 bis 180 Fahrzeugen auf der Nordschleife des Nürburgrings.

Die Leidenschaft für schnelle Autos war dem studierten Diplom-Betriebswirt quasi von der Nachbarschaft vorgelebt worden. Dort wohnte lange Zeit der gebürtige Däne Kurt Thiim, der erste Meister der Deutschen Tourenwagenmeisterschaft (DTM). „Wenn der Kurt in seiner Rover Vitesse unterwegs war und die Rennen auf 3Sat gezeigt wurden, hingen wir alle vor dem Fernseher. War doch klar“, erinnert er sich heute.  Kurts Sohn Nicki, heute Werksfahrer bei Aston Martin, sollte später sein Teamkamerad werden.

Aber zunächst einmal musste er sich durchboxen. Der örtliche VW-Händler besorgte ihm einen Sichtungslehrgang  bei Abt Motorsport in Kempten für den neu geschaffenen VW Lupo Cup. Zu diesem Zeitpunkt hatte der junge Philipp bereits seinen Führerschein gemacht und besaß ein paar Tage später schon eine Jahreskarte für die Touristikfahrten auf der Nordschleife. „Der Ring hat mich von Beginn an fasziniert. Die Streckenführung war ja im Navi drin. Das hab ich dann ganz groß gestellt und bin so meine ersten Runden auf der Nordschleife gefahren.“

Bei Abt Motorsport stellte sich der junge Mann aus der Eifel ganz geschickt an, wurde zu weiteren Castings geladen und erhielt dann ein Cockpit im Cup-Lupo. Philipp erinnert sich an sein erstes Rennen: “Das war 2003.  Ich war noch 18 und stand als Dritter im Zeittraining in der ersten Reihe. Eigentlich war ich völlig überfordert, hatte von Taktik und Technik null Ahnung. Es hat auch noch geregnet und natürlich habe ich übertrieben und bin dann auch abgeflogen.“

Doch die Lehrjahre wurden irgendwann doch  zu Herrenjahren. Leisen fuhr, immer im Rahmen der DTM, erst Lupo-Cup, dann Polo-Cup, später Seat Leon Supercup. „Irgendwann war der zeitliche Aufwand nach dem Studium nicht mehr zu vereinbaren: donnerstagsabends weg, sonntagsabends zu Hause. 2009 bin  ich in die Firma eingestiegen, da war Schluss.“

Und so wurde die alte Liebe Nordschleife sein neues Wohnzimmer. „Die VLN ist manchmal eine Eintages-Veranstaltung für mich. Samstags morgens hin, abends zurück. Das geht.“  Das Reglement der Serie kommt ihm entgegen (siehe Extra).  Längst weiß er sich mit seinem E90 zwischen den um vieles schnelleren GT3-Geschossen zu bewegen: „Du musst körperlich und mental fit sein, für andere mit denken. Wenn so ein AMG oder ein R8 Dir durchs Auto fährt, dann war es das. Zumindest für dieses Rennen.“ Aber es gibt unter den rund 400 Piloten, die sich bei so einem Langstrecken-Rennen tummeln,  auch welche, von denen Leisen sagt: „Da wäre ein anderes Hobby sinnvoller gewesen.“

Was jetzt noch kommt, weiß er nicht: „Klar, wäre so ein Cup-Porsche oder ein GT4 reizvoll. Aber vieles ist auch eine Geldfrage. Es muss halt alles mit der Firma vereinbar sein.“ Und die ruft jeden Morgen.

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