Boll fühlt sich um Halbfinale betrogen

Boll fühlt sich um Halbfinale betrogen

Nach dem verpassten Halbfinale bei den China Open fühlte sich Tischtennis-Star Timo Boll von seinem chinesischen Gegner betrogen. Der Düsseldorfer hatte gegen den Weltranglisten-9. Xu Xin eine 3:1-Satzführung und einen Matchball vergeben.

„Am Schluss hat er zwar etwas besser gespielt, aber er hat mich auch um einen Punkt betrogen, als er eine Doppelberührung des Balles an Hand und Schläger nicht zugegeben hat“, beklagte der zehnfache Europameister. „Auf diese Art und Weise zu verlieren, das ist bitter.“

Bundestrainer Jörg Roßkopf hatte die Situation genauso gesehen. „Leider gibt es aber immer wieder Athleten, die an Fair Play nicht interessiert sind“, sagte der Rekord-Nationalspieler. „Aber ich hoffe, Timo wird in dieser Hinsicht auch nach Negativerfahrungen wie heute seine beeindruckende Fair-Play-Haltung nie ändern.“

Dafür ist Boll mehrfach ausgezeichnet worden. 2005 bei der WM in Shanghai bekam er den Fair-Play-Pokal: Boll korrigierte im Achtelfinale bei eigenem Matchball gegen den Chinesen Liu Guozheng eine Schiedsrichterentscheidung zu seinen Ungunsten und verlor das Match. „Am Ende muss man als Spieler immer mit einem reinen Gewissen vom Tisch gehen können. Xu Xin konnte das heute nicht“, kritisierte Roßkopf.

Mit seiner Leistung war Boll trotz der dritten Niederlage im dritten Aufeinandertreffen mit dem chinesischen Senkrechtstarter zufrieden. „Ich habe das Match heute die meiste Zeit eindeutig dominiert und hätte das Spiel mit 4:1 oder sogar mit 4:0 gewinnen können“, analysierte er. Letztlich konnte der Düsseldorfer aber nicht verhindern, dass die Spieler aus dem Reich der Mitte im Halbfinale unter sich waren.

Für Boll-Bezwinger Xu Xin, der im Achtelfinale der mit 330 000 Dollar dotierten Veranstaltung auch Dimitrij Ovtcharov (Orenburg) ausgeschaltet hatte, war dort aber Endstation. Seinen ersten Titel auf der Pro Tour sicherte sich der Weltranglisten-5. Zhang Jike durch ein knappes 4:3 gegen Olympiasieger Ma Lin. Bei dem hochkarätig besetzten Turnier triumphierten die Gastgeber in allen Konkurrenzen: Bei den Damen landete die Weltranglisten-8. Li Xiaoxia einen zweifachen Erfolg. Im Einzel setzte sie sich gegen die vier Plätze höher notierte Südkoreanerin Kim Kyung Ah klar mit 4:0 durch.

Für Roßkopf überwiegt nach den Korean und China Open das Positive. „Sportlich gesehen können wir insgesamt mit unserer Asienreise sehr zufrieden sein“, sagte er mit Blick auf die Europameisterschaften in Ostrau (11.-19. September). Dort sind das Herren-Team, Boll/Christian Süß (Düsseldorf) im Doppel und Jiaduo Wu (Kroppach) im Damen-Einzel Titelverteidiger.