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Boy stürzt ab: Trophy-Pleite nach Reck-Premiere

Boy stürzt ab: Trophy-Pleite nach Reck-Premiere

Der nächtliche Feueralarm nahm ihm den Schlaf, die Adrenalin-Schübe raubten die Konzentration: Turner Philipp Boy hat seinen Höhenflug in der Champions Trophy nicht fortsetzen können.

Nach WM-Ruhm und Weltcup-Ehren hat sich der Cottbuser Vize-Weltmeister beim Kampf um das große Geld zweimal vergriffen und mit zwei Stürzen vom Reck die Siegprämie von 15 0000 Schweizer Franken (11 200 Euro) verschenkt.

„So eine Scheiße. Der Feueralarm hat mir die Nachruhe geraubt - aber es wäre Blödsinn, jetzt alles darauf zu schieben“, meinte der Cottbuser. „Zwei Stürze, eigentlich unfassbar. Aber man lernt eben immer dazu.“ Wegen des Fehlalarms im Hotel um 02.30 Uhr hatte Boy in der Nacht nur ganze dreieinhalb Stunden schlafen können.

Vor den Augen von Fabian Hambüchen, der noch seine Achillessehnen-Verletzung auskuriert, befand sich Boy vor dem „Königsgerät“ klar auf der Siegerstraße. Doch dann zeigte er Nerven und stürzte gleich zweimal von seinem Lieblingsgerät, an dem er tags zuvor noch den ersten Weltcupsieg seiner Karriere gelandet hatte. „Ich war so voller Adrenalin, dass ich überdreht habe“, gestand er.

So lag er am Ende mit 86,550 Punkten als Fünfter noch hinter Eugen Spiridonov aus Bous, der sauber durchturnte und mit 86,800 Zählern Vierter wurde. Für Boy gab es damit nur 4500 Schweizer Franken, Spiridonov nahm 6000 Franken mit nach Hause. Der Sieg ging an den britischen Turner Daniel Purvis, der sich mit 88,30 Punkten vor dem Ukrainer Mykola Kuksenkow (87,525) und Cup-Verteidiger Maxim Dewjatowski (Russland/87,45) durchsetzte.

Tags zuvor hatte sich Boy mit seinem ersten Sieg vom bisherigen Modell der Weltcup-Serie in Stuttgart verabschiedet. Am kommendem Jahr werden die Schwaben in die neue Mehrkampf-Serie mit nur vier Stationen integriert. Boy ist im Gegensatz zu Hambüchen dafür qualifiziert. „In der neuen Serie kann man richtig Kohle verdienen. Klar, dass ich da richtig Gas geben will“, meinte Boy. Dem Sieger der Serie in Jacksonville, Glasgow, Tokio und Stuttgart winkt dann noch ein Jackpot von 100 000 Schweizer Franken (74 000 Euro).

„Endlich, endlich: Beim dritten Weltcup-Start der erste Sieg“, meinte Boy, nachdem er von 4000 Zuschauern begeistert gefeiert worden war und am Barren gleich noch Rang drei nachlegte. Auch Hambüchen fand als Co-Kommentator der ARD lobende Worte. „Er musste seine schwierige Übung eigentlich nur durchturnen und ein bisschen Show machen. Das ist ihm sehr gut gelungen“, sagte der Hesse, der in Stuttgart Hunderte Autogrammjäger glücklich machte. „Meine Achillessehne erholt sich immer mehr. Zur EM in Berlin werde ich wieder Vollgas geben“, kündigte der Ex-Weltmeister an.

Für das beste Resultat der deutschen Frauen sorgte überraschend Anja Brinker, die bei ihrem Comeback nach langwieriger Fußverletzung nur haarscharf ihren dritten Weltcup-Erfolg verpasste und am Stufenbarren Zweite wurde. Die WM-Achte Elisabeth Seitz, die sich als Vorkampf-Beste eine Chance auf den ersten Weltcup-Triumph ausgerechnet hatte, stürzte ab und wurde Siebte. Zuvor hatte sie mit einem dritten Platz am Boden überzeugt. Der Sieg ging an Weltmeisterin Lauren Mitchell aus Australien, die auch am Schwebebalken und Stufenbarren erfolgreich war.