Damen ohne Neid: Wir profitieren von Boll und Co.

Damen ohne Neid: Wir profitieren von Boll und Co.

Die Tischtennis-Herren um Top-Star Timo Boll bieten bei der WM in den Niederlanden den übermächtigen Chinesen teilweise Paroli und sind im Viertelfinale noch dabei, die DTTB-Damen führen aber wie der Rest der Welt einen schier aussichtslosen Kampf gegen China.

Alle sieben Chinesinnen standen im Viertelfinale - mehr ist für das Reich der Mitte nicht möglich. Damen-Bundestrainer Jörg Bitzigeo lässt sich trotz der totalen China-Dominanz nicht entmutigen. Er will die Politik der kleinen Schritte fortsetzen. „Wir waren einmal im Achtelfinale und haben in Jiaduo Wu und Kristin Silbereisen zwei Spielerinnen, die direkt für Olympia 2012 in London qualifiziert sind. Das ist keine schlechte Bilanz“, sagte der 34-jährige Diplom-Sportwissenschaftler.

Bitzigeio steht im Schatten seines prominenten Herren-Kollegen Jörg Roßkopf. Seine Spielerinnen haben keinen Timo Boll in ihren Reihen, auch wenn Jiaduo Wu 2009 in Stuttgart viel umjubelte Europameisterin wurde. Die mediale Aufmerksamkeit fällt deutlich geringer aus. Das erzeugt aber keine Neidgefühle gegen Boll und Co. „Wir konkurrieren nicht mit den Herren, wir profitieren von ihnen. Sie sorgen für unsere Fördergelder“, argumentierte Bitzigeio.

Das Geld hat er gewinnbringend eingesetzt. Seine Damen gewannen im Vorjahr sensationell Bronze bei der Team-WM in Moskau, für großes Aufsehen sorgte das aber nicht. „Das war eine Sternstunde“, sagte der Damen-Coach. Die Sternstunde wiederholte sich in Rotterdam nicht. Wu verlor im Achtelfinale glatt mit 0:4 gegen Chinas Ex-Weltmeisterin Guo Yue, fand das aber normal.

„Das Achtelfinale ist mein bestes WM-Ergebnis, ich habe mein Ziel erreicht. Schade, dass ich schon so früh auf eine Chinesin treffen musste“, sagte Wu. Die 32-Jährige stammt selbst aus China und spielte nach Ansicht des Trainers viel zu freundlich. „Ihr hat der Killerinstinkt gefehlt“, sagte Bitzigeio. „Ich war zu passiv und zu brav“, stimmte ihm Wu mit einem freundlichen Lächeln zu.

„Wu ist und bleibt unser Kapitän“, sagte Bitzigeio in der Ahoy-Arena. Die Nummer 16 der Welt soll auch bei der EM im Oktober in Danzig, bei der Team-WM 2012 in Dortmund und bei Olympia 2012 den Kurs bestimmen. Für die Zeit danach setzt Bitzigeio auf junge Spielerinnen wie Zhenqi Barthel (24), Sabine Winter (18) oder Kathrin Mühlbach (19, die im Düsseldorfer Tischtennis-Zentrum trainieren. Wer da nicht mitzieht, hat beim Coach keine Chance.