DSV-Debatte schwelt vor Berliner Weltcup weiter

DSV-Debatte schwelt vor Berliner Weltcup weiter

Wenn Michael Phelps antritt, ist ihm eigentlich die ungeteilte Aufmerksamkeit sicher. Doch der Deutsche Schwimm-Verband macht dem Superstar die Schlagzeilen vor dem Berliner Kurzbahn-Weltcup mit einer Personaldebatte streitig. Paul Biedermann hält sich da raus.

Biedermann und Phelps redeten ausgiebig, hatten sich selbst aber wenig zu sagen. Vor dem Kurzbahn-Weltcup in Berlin saßen die beiden Schwimmstars auf gemütlichen Sesseln im Untergeschoss eines Hauptstadt-Hotels, doch die drängendsten Fragen musste nach der Pressekonferenz Lutz Buschkow im Stehen beantworten. Der Leistungssportdirektor des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) verweigerte wortreich klare Aussagen über die Zukunft von Bundestrainer Dirk Lange, wollte weder bestätigen noch dementieren, dass Lange bei den Olympischen Spielen 2012 in London für den DSV dabei ist.

Bei den laufenden „Abstimmungsgesprächen“ sei „Stillschweigen vereinbart worden. Daran werden sich alle Parteien halten“, sagte Buschkow am Freitag in Berlin. Zumindest beim Weltcup am Wochenende wird Lange als Bundestrainer am Beckenrand stehen, bestätigte Buschkow. Trotzdem bleibt Lange ein Bundestrainer auf Zeit.

Paul Biedermann wollte die nun offen ausgebrochene Personaldebatte um Lange nicht kommentieren. „Ich halte mich beim DSV komplett raus, wir sind hier, um schnell zu schwimmen“, sagte der Weltrekordler und tat die neuen DSV-Querelen nach außen hin entspannt mit einem Lächeln ab: „Ich kann mich nicht erinnern, dass es vor einem wichtigen Event mal anders war. Ich glaube, niemand stört sich daran.“

Fast schon in den Hintergrund geriet das Sportliche. Phelps wird in Berlin über fünf Strecken starten, lässt aber die 200 Meter Freistil aus. Hier hatte Biedermann Phelps am Mittwoch in Moskau geschlagen. „Es geht nicht darum, was heute oder morgen passiert, sondern in neun Monaten“, sagte Phelps mit Blick auf London 2012.

Im Schlabberlook mit lässiger Trainingshose und unrasiert lümmelte sich der 14-malige Olympiasieger in seinem Sessel. 2009 sei er „in der schlechtesten Form meines Lebens“ gewesen, 2010 habe ein wenig die Motivation gefehlt, nun fühle er sich immer besser in Form, entscheidend sei aber Olympia. Noch sei es aber zu früh, um über Ziele zu reden. Befragt, ob in London Weltrekorde für Olympiasiege nötig wären, antwortete Phelps: „Ich hoffe, in allen Rennen.“

Befragt, wie sich seine Beziehung zu Biedermann seit der WM-Schlappe von 2009 („Da hat er mich zerstört“) entwickelt habe, antwortete Phelps: „Ich mag Rennen, in denen es heiß hergeht und es viele gute Konkurrenten gibt.“ Die wenig persönlichen Worte nahm der Doppel-Weltmeister von 2009 locker: „Wir werden keine Kumpels, sind sportliche Konkurrenten.“

Seine drei Weltjahresbestzeiten wollte Biedermann angesichts des frühen Saisonzeitpunkts nicht zu hoch hängen. Bei seinen Rennen über 200 und 400 Meter Freistil dürfte der Franzose Yannick Angnel sein Hauptkonkurrent sein. „Ich will mich schon noch verbessern“, sagte Biedermann, der 2009 in Berlin vor dem Verbot der Hightech-Anzüge zwei Weltrekorde geschwommen war. Bei den 36 Rennen treten 27 Weltmeister und elf Weltrekordhalter aus 38 Nationen an.

Wie Bundestrainer Lange war auch Britta Steffen nicht bei der Pressekonferenz dabei. Nach der vorzeitigen Abreise der Doppel-Olympiasiegerin von der für sie enttäuschenden Langbahn-WM im Juli in Shanghai hatten der DSV und Steffen ihre Differenzen beigelegt. Die 27-Jährige wird Schirmherrin eines Jugendprojektes und sich am Samstag mit Vertretern der verbandseigenen Deutschen Schwimmjugend treffen. Beim Weltcup tritt Steffen über ihre Paradestrecken 50 und 100 Meter Freistil an. „Sie wird die Rennen aus dem vollen Training heraus bestreiten. Unser großes Ziel ist Olympia“, sagte Heimtrainer Norbert Warnatzsch.

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