Für Olympia: Lernen von „König“ Biedermann

Für Olympia: Lernen von „König“ Biedermann

Paul Biedermann freute sich erst einmal auf einen „schönen Urlaub zu Hause“ mit „viel Grillen“, aber nach einer kurzen Durchschnauf-Pause ist dann alles auf den Olympia-Countdown ausgerichtet.

Schon ein Jahr vor den Olympischen Spielen in London brannte der dreimalige Medaillengewinner Biedermann auf das nächste Duell mit den amerikanischen Schwimm-Stars Michael Phelps und Ryan Lochte. „Die WM gibt mir Mut, weil ich weiß, ich kann noch besser, ich kann noch mehr und das Richtung Olympia perfektionieren“, sagte der 24-Jährige. Er kann als „Leader“, so Bundestrainer Dirk Lange, Vorbild für den Großteil der Mannschaft sein.

Bei den nationalen Titelkämpfen vor zwei Monaten hatten einige Athleten wie der als Weltjahresbeste angereiste Marco Di Carli Hoffnungen geweckt - Biedermann lieferte trotz des Verlusts seiner zwei WM-Titel eine tadellose Leistung ab. „Er hat bei den Meisterschaften heftige Schelte und Kritik einstecken müssen, hier ist er wieder der König. Ich denke, da können wir uns alle eine Scheibe von ihm abschneiden. So wird es gemacht“, sagte Di Carli, der nach Jahren der Abwesenheit den Fokus auf die Qualifikation legen musste. „Es wird das Ziel für die nächste Saison, mich in so eine körperliche Verfassung zu bringen, dass ich bei den deutschen Meisterschaften sagen kann, ich brauch nur 99,9 Prozent anstatt 100 Prozent.“

Biedermann, für den die anstehende Kurzbahn-Saison vor Olympia einen geringeren Stellenwert als sonst hat, kann das. Anderen Athleten ist das (noch) nicht möglich. Für die optimale Vorbereitung auf den Saison-Höhepunkt in diesem Jahr war auch der Zeitpunkt der nationalen Ausscheidung sieben Wochen vor der WM problematisch. 2009 lag die DM gerade einmal vier Wochen vor der WM - diese Variante oder die DM neun Wochen vor dem Saisonhöhepunkt bevorzugen die meisten Trainer für den richtigen Formaufbau.

Für das kommende Jahr soll der Plan angepasst werden. Dann ist für London ohnehin auch die EM in Antwerpen (16. bis 27. Mai) maßgeblich, um für die Sommerspiele nominiert zu werden. Dazu soll es eine nationale Qualifikation und Titelkämpfe geben. „Wir Trainer wollen die DM zwei Wochen vor der EM und diese liegt neun Wochen vor Olympia“, sagte der Essener Heimtrainer Henning Lambertz.

Bis dahin müssen Deutschlands Beckenschwimmer aber nicht nur weiter an den körperlichen Voraussetzungen feilen, sondern auch an der psychischen Wettkampfstabilität. ARD-Expertin Franziska van Almsick sah zum Teil „verängstigte“ deutsche Schwimmer und verwies auf eine ganz andere „Ausstrahlung der Amerikaner“. „Es ist nicht so einfach für manche Leute neben einem Phelps und Lochte zu stehen. Da wird man schon mal kleiner auf einmal, wenn man nicht selbstbewusst und selbstsicher ist“, räumte auch Bundestrainer Lange ein.

Lange, die Heimtrainer und Leistungssportdirektor Lutz Buschkow werden in den kommenden Wochen eine intensive Auswertung und Analyse der WM-Resultate mit nur sechs Einzel- und fünf Staffel-Finalteilnahmen durchführen. In der zweiten Augusthälfte im Trainingslager in Kienbaum dürfte aber nicht nur die WM mit nur fünfmal Bronze thematisiert werden, sondern auch der Fall Britta Steffen noch mal auf die Agenda kommen. Auch wenn Sanktionen nach der fluchtartigen WM-Abreise der 27-Jährigen nicht ausgeschlossen wurden: Man wird sich für das wichtige Olympiajahr auf einen gemeinsamen Weg verständigen, denn nur Biedermann als Goldhoffnung ist zu wenig.