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Hambüchen fordert Champions Boy und Nguyen heraus

Hambüchen fordert Champions Boy und Nguyen heraus

Fabian Hambüchen kommt mit viel Rückenwind, doch zwei Champions vom „goldenen Jahrgang 1987“ wollen dem deutschen Turnstar die Schlagzeilen rauben.

Philipp Boy und Marcel Nguyen sind die Favoriten, wenn am Samstag im pfälzischen Altendiez die erste WM-Qualifikation der deutschen Turner auf dem Programm steht. Vor den Augen von DFB-Präsident Theo Zwanziger, der als 2. Vorsitzender des VfL Altendiez dem Ereignis gespannt entgegen blickt, wird in der Turn-Provinz eine Show der Superlative erwartet.

Obwohl Matthias Fahrig, der Boden-Champion von Birmingham, wegen einer Sehen-Entzündung an der Sohle kurzfristig absagte, treffen erstmals seit April 2010 vier der fünf aktiven deutschen Europameister in einer Veranstaltung aufeinander. „Die Rückkehr von Fabian Hambüchen wird bei den anderen etwas bewirken. Es wird eine harte Nummer, man kann keine Prognose geben“, sagte Cheftrainer Andreas Hirsch.

Hambüchen, der nach seiner Achillessehnen-Operation noch nicht am Boden und Sprung turnen kann, muss den Mehrkampf-Thron den anderen überlassen. Doch kann er damit angesichts seines Super-Comebacks am Reck in der Vorwoche gut leben: „Das ist nicht schlimm. Ich konzentriere mich auf meine Geräte und werde zuschauen, wie die anderen um die Mehrkampf-Krone kämpfen“, meinte er gelassen.

Einen WM-Bonus vergibt Hirsch an keinen. „Natürlich bin ich froh, dass Fabian zurück ist. Ich muss nun sehen, wie ich ein WM-Team zusammenschustere. Einen Vorteil haben jene, die stabile Mehrkämpfe anbieten können“, bekannte der Chefcoach. „Aber damit will ich Fabians Leistungen keineswegs infrage stellen.“

Das große Duell im Sechskampf wird sich somit zwischen Boy und Nguyen abspielen, die sich schon in Berlin einen EM-Kampf auf Biegen und Brechen lieferten, in dem Boy das goldene Ende für sich hatte. „Wenn ich gut turne und Marcel stärker ist, dann könnte ich auch mit Platz zwei gut leben. Wenn ich aber selber fünf Fehler mache, dann natürlich nicht“, räumte Boy ein.

Nguyen, der Sohn eines Vietnamesen und einer Deutschen, hat auch genügend Selbstbewusstsein, bleibt aber bescheiden. „Ich bin fit, aber ich kann noch nicht alles bieten, was ich bei der WM vorhabe“, sagte der Unterhachinger. Er hofft, dass er seine schwierige Top-Übung am Barren mit dem Ausgangswert 6,9 zeigen kann. Das wären zwei Zehntel mehr als bei seinem EM-Sieg. „Die Übung steckt voller Risiko, aber ich werde es wagen“, kündigte er an. Auch am Pauschenpferd und an den Ringen will er schwieriger turnen als bei der EM. „Ich bin selbst sehr gespannt, wie die Übungen so laufen“.

Bei Boy hat trotz der Highlights bei WM mit Mehrkampf-Silber und EM mit Gold und Silber die klare Niederlage gegen Nguyen bei den Meisterschaften des Vorjahres Spuren hinterlassen. „Da war ich total niedergeschlagen. In Berlin wollte ich unbedingt gewinnen. Jetzt gehe ich wesentlich entspannter heran“, sagte der 24-jährige Lausitzer.

Besonders brisant dürfte sich die Konstellation am Königsgerät entwickeln. Nach Hambüchens Paukenschlag mit der neuen Top-Übung sind nun der EM-Zweite Boy und auch Nguyen in Zugzwang. „Am Reck habe ich einiges probiert, um meine Final-Übung aufzustocken. Vorerst biete ich einen Ausgang von 7,2 an. Den Jägersalto, den Fabian eingebaut hat und damit auf 7,5 kommt, lehne ich kategorisch ab“, meinte Boy.

Trotz einiger Spannungen in der Vergangenheit freuen sich Boy und Nguyen auf Hambüchens Rückkehr. „Eine Riesen-Verstärkung für das Team. Es wäre toll, wenn wir zur WM alle topfit sind“, sagte Nguyen. Ähnlich sieht es Boy: „Fabian hat in Heidelberg seine schwierige Reck-Übung super durchgeturnt. Wenn er so weitermacht, wird er unserem WM-Team in Tokio sehr helfen können.“