Hambüchen zaubert: Comeback mit „Bären-Nummer“

Hambüchen zaubert: Comeback mit „Bären-Nummer“

Erst stieß er die Fäuste triumphierend in die Luft, dann kam die Aufforderung zum Mitjubeln an das Publikum. Am Ende seines Comeback-Wettkampfes war Fabian Hambüchen schon fast wieder der Alte.

Nach einer überragenden Reckübung beim 160:4 Bundesliga-Kantersieg seiner KTV Straubenhardt bei der KTG Heidelberg ließ er sich am Ende auf einer Beifalls-Woge tragen.

248 Tage nach seinem letzten Wettkampf mit dem Sieg beim Swiss Cup setzte Hambüchen mit einer Weltklasse-Schau ein imposantes Signal an die Konkurrenz: Mit 16,65 Punkten erhielt er soviel Punkte wie zuletzt vor drei Jahren, als diese Note in Dessau noch inoffiziellen Weltrekord bedeutet hatte. Einen Schwierigkeitsgrad von 7,5 hatte der frühere Reck-Weltmeister der Turn-Welt bisher nur einmal angeboten - am 29. November 2008. „Jetzt gehe ich noch ein bisschen zaubern“, hatte er schon kurz vor der Übung schmunzelnd frohlockt.

Wegen der Folgewirkungen der Achillessehnen-Operation im Januar verzichtete Hambüchen auf Boden und Sprung, wie auch kommende Woche bei der ersten WM-Qualifikation in Altendiez. Nach seiner Reck-Show war Hambüchen sichtlich erleichtert. „Ich denke, das wird die Übung sein, die ich auch bis London beibehalte. Bei der ist nicht mehr viel draufzusetzen. Ein kleines bisschen vielleicht, irgendwo, da muss man mal schauen“, meinte er zufrieden. „Aber zunächst bin ich mal super froh“, sagte er und genoss es sichtlich, im Rampenlicht zu stehen.

„Die Übung ist eine kleine Sensation, eine 'Bären-Nummer'. Wenn er die so durchkriegt, dann spielt er mit“, schwärmte auch Trainer und Vater Wolfgang Hambüchen. Wohlwissend, dass der chinesische Olympiasieger Zou Kai beim Challenge-Turnier in Doha das Maß der Dinge am Reck bereits auf den Ausgangswert von 7,7 verschoben hatte. „Das war allerdings nicht so sauber geturnt“, urteilte er.

Das Geheimnis seiner neuen Übung ist die Reihe von Höchstschwierigkeiten, ohne Unterbrechung geturnt. Zu Beginn ein Tkatschew-Salto gestreckt und eine gesprungene Drehung in den Ellgriff. An sich schon eine Höchstschwierigkeit, mit der der Slowene Aljaz Pegan lange Zeit Erfolge feierte. Hambüchen setzt nun noch einen drauf: Er turnt direkt daran noch einen Jägersalto mit ganzer Schraube (ebenfalls in den Ellgriff) und sammelt so vier zusätzliche Zehntelpunkte als Bonifikation.

„Es ist eine Risikovariante“, räumte Wolfgang Hambüchen ein. Diese eröffnet genau drei Möglichkeiten: „Entweder so wie heute, dann klappt es und die Übung hat einen Schwierigkeitsgrad von 7,5. Oder er merkt rechtzeitig, dass etwas nicht passt, dann macht er eine andere Verbindung daraus und bekommt noch 7,1. Oder er steht unten auf der Matte“, sagte er.

Das Comeback seines Sprösslings hatte in der Sporthalle Kirchheim allerdings denkbar schlecht begonnen: Schon nach einer Minute musste er vom Pauschenpferd, ein zweiter Sturz folgte. „Vor dem Pferd war ich schon sehr nervös. Das Problem war, sich wieder an den Wettkampf zu gewöhnen. Und am Pauschenpferd, wo es mir sowieso immer schwerfällt, ist das nicht so ganz einfach“, sagte der einstige „Turn-Floh“. Und gleich gab er die Kampf-Devise aus: „Nächstes Wochenende bei der WM-Qualifikation in Altendiez geht's weiter und ich probiere es aufs Neue.“

Auch Vater Hambüchen genoss die Wettkampfatmosphäre. „Ich hatte schon beinahe vergessen, wie herrlich man sich beim Turnen aufregen kann“, meinte er. Er sei froh, dass die Zeit der Hanteln und Laufbänder nun vorbei sei. Von Januar bis Mitte März habe Fabian jeden Tag sieben bis acht Stunden in der Reha an den Gewichten verbracht. „Danach sah er aus wie Popeye“, fand Wolfgang Hambüchen, der allerdings die sich daraus ergebenden Vorteile gerne mitnimmt: „Vor allem an den Ringen merkt man den Kraftzuwachs jetzt brutal.“

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