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Handball: Hunsrück-HSG kann in die 3. Liga aufsteigen

HSG Irmenach : Sogar ein Aufstieg per Los ist möglich

Frauenhandball: Bei der HSG Hunsrück haben sie die Saison trotz des Abbruchs noch nicht abgeschrieben.

Die Saison ist generell abgebrochen. Bei den Hunsrücker Handballerinnen aus Irmenach, Kleinich, Horbruch, Gösenroth und Laufersweiler gibt es aber trotzdem noch sportliche Ziele: Der Fokus liegt auf der Relegation zur 3. Liga. Wichtig ist den Verantwortlichen zudem, den Nachwuchs zu fördern.

Mit zwei Siegen war die Hunsrück- HSG unter ihrem neuen Trainer Nils Ibach (31) in die RPS-Oberligasaison 2020/21 gestartet, ehe die Corona-Pandemie die Unterbrechung und schließlich den Abbruch der Spielzeit zur Folge hatte. Dem Heimspielsieg Anfang Oktober gegen Bodenheim (32:27) folgte eine Woche später der ungefährdete 35:25-Auswärtserfolg beim TV Welling. Das Hunsrücker Team schien auf dem besten Wege, sich an der Tabellenspitze zu etablieren, doch nach der Einstellung der Saison kam das Aus, sämtliche Spiele wurden annulliert.

Gleich zu Jahresbeginn gelang es den Verantwortlichen, mit Carolin Hahn (20) eine junge und talentierte Spielerin aus Staudenheim zu verpflichten, die seit ihrem zwölften Lebensjahr beim SSV Meisenheim aktiv war, und die bereits im Laufe der Saison bei den Hunsrückerinnen mittrainiert hatte. „Wir gehen mit der Verpflichtung von jungen, talentierten Spielerinnen aus der Region unseren Weg der Förderung des Leistungshandballs im Hunsrück konsequent weiter“, betont der Vorstand mit Alwin Reuter und Bernd Everding. Am Mittwoch gaben die Hunsrücker zudem die Verpflichtung eines großen Talents bekannt: Maja Urbanek (17) kommt vom TuS Kirn.  Auch die aktuell schwierigen Bedingungen können die Ambitionen der HSG nicht stoppen. Deshalb entschied man Mitte Februar, dem Verband sein Interesse am Aufstieg zur 3. Liga zu melden. Geplant ist eine Qualifikationsrunde, die am Freitag, 11. Juni, im Pokalmodus mit dem Halbfinalspiel gegen Moselweiß/Arzheim beginnen soll. Im zweiten Duell stehen sich die TSG Friesenheim und der SV Zweibrücken gegenüber. Die Sieger ermitteln am 13. Juni den Drittliga-Aufsteiger.

Ob es wirklich so kommt, ist indes unklar. Die Aufstiegsrunde soll nur stattfinden, wenn es die behördlichen Bestimmungen zulassen, dass alle Mannschaften spätestens am 17. Mai wieder in ihren Hallen trainieren können. „Wir hoffen sehr, dass wir sogar bereits im April in unseren Hallen trainieren können“, lässt Everding durchblicken.

Sollten die Spiele aus Pandemie-Gründen abgesagt werden müssen, wird das Los über den Aufsteiger entscheiden. So lautet die Vorgabe der Oberliga-Verantwortlichen. Trainer Nils Ibach hofft, dass es dazu nicht kommt. „Wir alle wollen eine sportliche Entscheidung. Ich sehe vier Spitzenteams, die sich sportlich um den Aufstieg streiten wollen. Dabei gibt es keine leichten Gegner. Gerade Moselweiß/Arzheim hat sich im Hinblick auf die anstehende Relegation im Torhüterbereich verstärkt.“

Die Hunsrückerinnen sind im Rahmen der Corona-Vorgaben seit März in der Outdoor-Halle in Simmern aktiv. „Wir nutzen zudem die Außenanlagen unserer Hallen“, erklärt Ibach, der mit seinen Spielerinnen auch die Zeit davor nicht ungenutzt gelassen hatte. „Sie haben seit dem Beginn der Saisonunterbrechung viel gemacht, hatten eine Trainingsphase zuhause und wurden von mir mit individuellen Trainingsplänen ausgestattet. Das ersetzt aber keinesfalls den Trainingsbetrieb, bei dem wir sehen konnten, wie heiß die Spielerinnen darauf waren, endlich wieder einen Ball in der Hand zu halten.“

Bis auf Melanie Endel, die vergangene Saison bereit war, die Mannschaft aufgrund der Verletzung von Judith Schmiedebach zu unterstützen, bleibt das Team zusammen. „Melanie muss kürzertreten, auch bedingt durch ihren Umzug und steht uns nicht mehr als Spielerin zur Verfügung. Wir halten selbstverständlich Augen und Ohren offen und schauen uns nach Verstärkungen aus dem regionalen Umfeld um“, verrät Ibach.

In finanzieller Hinsicht schaut der HSG-Vorstand durchaus optimistisch nach vorne. Nach dem Verlust des langjährigen Hauptgeldgebers, dem Flughafen Hahn, wurde das Sponsoringkonzept umgestellt. Man baut auf kleinere und mittlere Unternehmen und Betriebe, die nach aktuellem Stand bis auf wenige Ausnahmen alle bei der Stange bleiben wollen. „Wir wissen aber auch, dass einigen Betrieben dies aufgrund der Corona-Situation nicht mehr möglich sein wird, lassen jedoch nichts unversucht, neue Sponsoren zu gewinnen. Entgegen kam uns die Tatsache, dass viele Trainer auf ihr Honorar teilweise verzichteten und wir aufgrund der ausgefallen Trainingseinheiten und Spiele Fahrtkosten für Spielerinnen und Trainer sparen konnten“, verrät Everding.

Sorgen bereitet den Verantwortlichen allerdings die Nachwuchsarbeit. „Das wird die größte Herausforderung sein, da hier seit Monaten nichts mehr stattfinden konnte und die Jugendlichen ihr Freizeitverhalten verändert haben. Wir wollen schnellstmöglich mit kleineren Gruppen in den Trainingsbetrieb einsteigen und möchten generell ein attraktives Spielangebot bis hin zum Seniorenbereich anbieten“, sagt Everding. 

Die Jugend hätte in Pandemie-Zeiten viel mit der Schule zu tun, weiß er. Trainer Ibach erklärt die missliche Lage so: „Die Angebote, die wir ihnen für zuhause machen können, sind weit weg von dem, was unseren Handball auszeichnet, den Mannschaftssport. Das individuelle Training kann den regulären Trainingsbetrieb nicht ersetzen und so wird es schwer sein, den Nachwuchs bei der Stange zu halten. Bei uns liegt der Fokus darauf, die Jugendlichen wieder in die Halle zu bekommen.“

Erschwerend kommt für die Hunsrück-HSG eine logistische Herausforderung hinzu – nicht zuletzt, weil der Verein in verschiedenen Landkreisen zuhause ist und dort mit unterschiedlichen Inzidenz-Werten auch verschiedene Hygienestandards einzuhalten sind. „Das ist viel Aufwand, den wir aber gerne leisten, auch, um das Ziel 3. Liga zu erreichen“, unterstreicht Ibach.