Interview mit Sportmoderatoren-Legende Jörg Wontorra und seiner Tochter Laura

Interview Laura & Jörg Wontorra : Bei Selfies hängt Laura Wontorra ihren Vater ab

Er ist eine Sportmoderatoren-,Legende’, sie zählt zu den Aufsteigerinnen in der Branche. Jörg und Laura Wontorra sprechen vor ihrem Besuch in der Eifel bei der ersten ,Wontis Champions Golftrophy’ über das Vater-Tochter-Verhältnis, Widerstände im Job, Instagram-Follower und Besuche an der Mosel.

Jörg Wontorra ist mit 70 alles andere als in Rente. Bei Sky Sport News HD ist er mit einer neuen Sendung gestartet – für den Sportmoderator ein weiteres Kapitel nach Stationen bei der ARD-Sportschau, bei ,ran - Sat.1 Bundesliga’ oder beim DSF-Doppelpass. Seine Tochter Laura Wontorra tritt in die Fußstapfen des Vaters – die mit dem Fußball-Profi Simon Zoller verheiratete 30-Jährige ist derzeit bei der RTLGroup bei Übertragungen von Spielen der Nationalmannschaft, in der Bundesliga-Show von Nitro und bei Europa-League-Sendungen zu sehen.

Bundesliga-Start, Play-offs in den Europapokal-Wettbewerben: Im Fußball geht’s wieder in die Vollen. Hat das Leben für Sie jetzt endlich wieder richtig Sinn?

Jörg Wontorra: Ich habe genüsslich zwei Monate sehr bewusst Pause gemacht und mich einfach mal zurückgezogen. Ich habe das sehr genossen. Aber jetzt fängt das Kribbeln wieder an. Ich freue mich auf meine neue Sendung bei Sky Sport News HD. Laura hatte nicht ganz so lange Pause. Sie hat darunter ,gelitten‘, dass Eintracht Frankfurt die Europa-League-Qualifikation zu bestreiten hat. Da musste sie viel früher wieder arbeiten.

Laura Wontorra: Genau. Ich hatte eine sehr überschaubare, kurze Pause, da ich nach dem Saisonende in der Bundesliga noch mit der Nationalmannschaft unterwegs war und derzeit die Qualifikation der Frankfurter begleite. Aber ich bin ja auch erst viel kürzer dabei als mein Vater, und deswegen kribbelt‘s bei mir da schon ein bisschen schneller.

Was erwarten Sie für eine Spielzeit – national und international?

Jörg Wontorra: National wird es ein noch spannenderer Kampf um den Titel werden, da sich Borussia Dortmund sehr gut aufgestellt hat. Die Bayern sind ja noch auf der Suche nach dem eigenen Ich. Das könnte für Dortmund zumindest  am Anfang ein Vorteil sein.

Laura Wontorra: Ich bin auch sehr gespannt. Dortmund ist bereit, wirklich anzugreifen. Es würde der Bundesliga einfach guttun. Wir brauchen ein bisschen Abwechslung in der Bundesliga, sonst wird’s doch arg langweilig. Das hat nichts mit Bayern-Hass zu tun. Und ich habe mit RB Leipzig einen kleinen Geheimfavoriten. Ich war gerade dort und habe mir alles angeguckt. Was Trainer Julian Nagelsmann und Sportdirektor Markus Krösche da in kurzer Zeit aufgebaut haben, ist wirklich beeindruckend.

Sie waren jüngst vor allem als Moderatorin in der Europa-League-Qualifikation von Eintracht Frankfurt gefordert. Als Fernsehzuschauer bekam man den Eindruck, Sie reden derzeit öfters mit Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic als mit Ihrem Mann Simon Zoller. Können Sie Entwarnung geben?

Laura Wontorra: Ja doch, definitiv! Aber es ist erstaunlich, was Fredi Bobic in den vergangenen Jahren bei der Eintracht aufgebaut hat. Wir sind ja noch in der Transferperiode, da ist er natürlich genau der richtige Ansprechpartner, da er das Geld verwaltet.

Jörg Wontorra: Und Fredi Bobic hat ja auch höchsten Unterhaltungswert. Im Fernsehen passt er sehr gut zu meiner Tochter. Wenn er mal aufhört als Vorstand, sollte er Experte bei Nitro werden.

Hand aufs Herz: Auf welchem Programmplatz der Fernbedienung ist bei Ihnen zu Hause Nitro gespeichert?

Jörg Wontorra: Ich habe das relativ geschickt gemacht. Ich habe die großen Sender vorne – die ARD auf eins, das ZDF auf zwei und Pro Sieben auf sieben. Aber dann geht’s los: Auf der acht habe ich natürlich meinen Sender Sky Sport News HD, und auf der neun kommt Laura. Und auf zehn kommt n-tv, weil ich die Börse verfolge.

Laura Wontorra: Mit der Reihenfolge kann ich sehr gut leben …

Im Fußball gibt es Allesfahrer – sind Sie ein Alles-Gucker? Verfolgen Sie sämtliche Sendungen am Bildschirm, in denen Ihre Tochter moderiert?

Jörg Wontorra: Das habe ich am Anfang gemacht – alleine aus Interesse, wie das Kind sich so schlägt. Und zum anderen, um ab und zu mit einem Rat zur Seite zu stehen. Aber Laura hat sich inzwischen so gut freigeschwommen, dass ich nicht mehr alles verfolge. Ich kann auch mal eine Sendung sausen lassen und ein gutes Essen vorziehen. Aber bei großen Spielen bin ich immer dabei.

Sie sind 70, haben als Sportjournalist so viel mitgemacht. Schauen Sie sich trotzdem auch etwas von Ihrer Tochter ab?

Jörg Wontorra: Durchaus. Laura hat den großen Vorteil, dass sie sich in den Vorläufen zu Länderspielen oder Europacup-Spielen disziplinieren muss. Sie hat maximal eine halbe Stunde Zeit – und es sind Werbepausen dazwischen. Das heißt: Sie muss mit ihren Fragen auf den Punkt kommen. Da ich längere Sendungen habe, kann ich etwas ausufernder fragen, was aber die Zuschauer vielleicht langweilen könnte. Also: Ich habe mir bei meiner Tochter abgeguckt, schnell zur Sache zu kommen.

Für welchen Rat sind Sie Ihrem Vater am dankbarsten?

Laura Wontorra: Der beste Rat, den er mir jemals gegeben hat, war, nach dem Studium den Beruf der Sportjournalistin von der Pike auf zu lernen. Er hat mich dazu gedrängt, ein Volontariat zu machen. Davon profitiere ich bis heute.

Müssen Sie in Ihrem Job mit Widerständen kämpfen?

Laura Wontorra: Gar nicht so sehr. Klar, am Anfang wird man mit meinem Nachnamen viel mehr beäugt. Viele wollten wissen: Wie schlägt sie sich denn? Aber es reicht nicht, den Namen Wontorra zu haben und ganz nett auszusehen. Irgendwann muss man sich beweisen. Sonst wäre ich jetzt nicht schon knapp acht Jahre dabei. Ich habe nicht das große Problem, als Frau in dem Job zu sein. Denn auch meine Mutter hat vor meiner Geburt Jahre als Sportjournalistin gearbeitet.

Wenn man Ihren Namen eingibt, taucht bei google-News an zweiter Stelle zurzeit ein Beitrag des Frauenmagazins jolie auf. Der Text beginnt mit dem Satz: „Laura Wontorra (30) ist hübsch, erfolgreich und Sport-Moderatorin: Eine wahre Traumfrau für viele männliche Zuschauer vor dem Fernseher.“ Ist das für Sie noch ein Lob oder nervt’s?

Laura Wontorra: Das ist definitiv ein Lob! Wenn Leute sagen: ,Wir schauen Sie gerne‘, dann,  weil ich eine positive Ausstrahlung habe. Diese positive Lebenseinstellung habe ich von meinem Vater adaptiert.

Herr Wontorra, während andere in Ihrem Alter Rosen züchten, starten Sie mit einer neuen Sendung noch mal durch. Bei ,Wontorra on Tour’ fühlen Sie nach jedem Bundesliga-Spieltag montag­abends einer Größe aus dem Fußball auf den Zahn. Welche Lücke im Fernseh-Sport wollen Sie schließen?

Jörg Wontorra: Dass man im Fußball eine Stunde lang ein Einzelgespräch führt, gibt es so noch nicht. Wir wollen ein Schlaglicht auf den zurückliegenden Spieltag werfen und natürlich den Interviewpartner etwas näher vorstellen. Es darf also durchaus menscheln. Los ging es mit Hans-Joachim Watzke. Nächsten Montag ist Rudi Völler zu Gast. Wir wollen, dass man die Entscheider der Liga auch etwas besser privat kennenlernt. Darauf müssen sich die Gäste natürlich auch einlassen wollen.

Damit ist „Wontorra – Der Talk“ am Sonntag Geschichte. War dort neben dem Sport1-Doppelpass doch kein Platz für zwei Talk-Formate mit mehreren Gästen?

Jörg Wontorra: Das fand ich gar nicht so. Wir haben zwei unterschiedliche Sendungen gemacht. Der Doppelpass bleibt eher der Stammtisch. Wir haben versucht, den Fußball ein bisschen mehr zu hinterfragen. Wir haben auch über allgemeine Fußball-Themen gesprochen und nicht nur den Spieltag beleuchtet. Wir waren mit den Quoten zufrieden. Aber wir haben gesehen, dass es gut ist, mal wieder ein neues Format zu machen.

Wer von Ihnen bekommt eigentlich mehr Autogrammpost?

Jörg Wontorra: Ich bekomme wenig Autogrammpost. Das liegt aber auch daran, dass das Zeitalter der Autogramme vorbei ist. Heutzutage müssen wir die Zahl der Selfies messen, die mit uns gemacht werden. Inzwischen hat Laura mich bei den Selfies ganz ,knapp’ überholt ... Und bei Instagram hat sie ungefähr 180 000 Follower mehr als ich.

Laura Wontorra: (lacht) Er ist ja auch neu bei Instagram, da muss er erst langsam aufholen.

Sie haben Ihrer Tochter gesagt: Heirate nie einen Fußballer. Warum hat Sie nicht auf Sie gehört?

Jörg Wontorra: Da müssen Sie meine Tochter fragen …

Laura Wontorra: Ich wollte das selber nie. Aber Simon und ich haben uns verliebt. Letztendlich sind wir jetzt schon drei Jahre verheiratet und sechs Jahre zusammen. Irgendwas scheint nicht falsch an der Beziehung zu sein.

Wie ist es um Ihr Golf-Handicap bestellt?

Laura Wontorra: Da bin ich definitiv die Schlechtere, weil mir ein bisschen die Zeit fehlt – und die Geduld. Ich gebe auf dem Grün zu schnell auf und bin genervt von meinen Schlägen. Papa spielt deutlich öfters als ich und ist aufgrund seiner Erfahrung altersmilder und geduldiger als ich.

Jörg Wontorra: Lauras Abschläge sind wesentlich länger als meine. Aber dafür dauert es danach bei ihr wesentlich länger, bis sie den Ball im Loch unterbringt. Das ist das Problem.

Im Golfresort Bitburger Land geht die erste ,Wontis Champions Trophy’ über die Bühne. Was versprechen Sie sich davon?

Jörg Wontorra: Es ist schön, wenn man über das Golfspielen etwas für die gute Sache tun kann. Ich finde es toll, dass gleich drei Projekte mit großzügigen Spenden bedacht werden. Ich freue mich, dass neben der Hanse-Stiftung auch Mittel für ein Organspende-Aktionsbündnis fließen. Da Chantal Bausch, die Tochter meiner Lebensgefährtin, ein Spenderherz hat, besteht eine enge Bindung zu dem Thema. Und da ist drittens die Unterstützung für Joachim Deckarm. Dessen Unfall ist jetzt 40 Jahre her, dennoch nehmen Menschen mit ihrer Spendenbereitschaft weiterhin Anteil an seinem Schicksal.

Organspende ist ein immens wichtiges Thema, aber seit dem Frühjahr wieder aus den Schlagzeilen verschwunden …

Laura Wontorra: Chantal ist schon angesprochen worden. Ich kenne sie schon sehr lange, da wir im gleichen Sportverein Tennis und Hockey gespielt haben. Sie ist ein tolles Beispiel, wie man sich zurückkämpft. Sie zeigt, was man trotz eines Spenderherzens schaffen kann. Das Thema Organspende muss ins Bewusstsein der Menschen.

Sie haben zeitweise in Luxemburg gelebt – wie oft hat es Sie da an die Mosel, in die Eifel, nach Trier verschlagen?

Jörg Wontorra: Wir haben zwischen 1992 und 1995 in Luxemburg gelebt. Da wir in der Nähe von Trier Freunde hatten, sind wir öfters rübergefahren. Die Mosel kenne ich besser als die Eifel. Durch sie bin ich meist nur gefahren – auf dem Weg zum Stadion in Köln.  Laura war damals noch klein, sie hat nicht so viele Erinnerungen an die damalige Zeit.

Laura Wontorra: Das stimmt. Aber ich bin jetzt von Köln aus des Öfteren mal in der Eifel. Sie bietet sich für Wochenendausflüge an. Und der Nürburgring ist auch ab und zu ein Ziel. Die Eifel ist eine wunderschöne Region.

Erinnern Sie sich an Ihren letzten und bislang einzigen beruflichen Besuch im Trierer Moselstadion?

Laura Wontorra: Ja! Mit Sport1 haben wir dort ein Spiel der Fußball-Regionalliga Südwest übertragen. Ich weiß allerdings nicht mehr, wie es ausging – und wer der Gegner war.

Für Trierer Verhältnisse war es am 12. Oktober 2015 ein historischer Abend: 6:0 fiedelte die Eintracht Kickers Offenbach vom Feld …

Laura Wontorra: Ich bin damals eingesprungen, normalerweise war ich seinerzeit als Moderatorin in der zweiten Liga im Einsatz.

Sollte die Eintracht aufsteigen und mal wieder eine Übertragung im Moselstadion anstehen, sollte der Club Sie als Moderatorin anfragen. Sie bringen ja Glück ...

Laura Wontorra: Ja, das kann der Verein gerne machen. Ich hoffe, ich bin dann nicht unterwegs.

Bei der ,Wontis Champions Trophy’ sollten Sie am Donnerstag gemeinsam den Gala-Abend moderieren. Das ist durch den Einzug von Frankfurt in die Play-offs nicht möglich. Am gleichen Abend müssen Sie in Straßburg moderieren. Kommen Sie trotzdem in die Eifel?

Laura Wontorra: Ja, das ist sehr schade. Ich wusste bis Anfang Juni nicht, dass sich Nitro um die Rechte zur Übertragung der Europa-League-Qualifikation bemüht. Und dann rief mich voller Stolz mein Sportchef an und sagte: ,Wir haben die Rechte bekommen’. Aber ich werde mich von Straßburg aus schnellstmöglich auf den Weg in die Eifel machen und werde bei der Siegerehrung am Freitag mit dabei sein.

Aber Sie spielen mit, Herr Wontorra?

Jörg Wontorra: Auf jeden Fall. Ich freue mich immer wieder, mich mit Handballern und Fußballern auf dem Golfplatz messen zu dürfen, auch wenn deren Handicap viel besser ist als meines. Aber ab und zu habe ich auch mal einen guten Tag.

Bei der Siegerehrung werden Sie gemeinsame Sache machen. Bei der Bremer Sport-Gala stehen Sie auch jedes Jahr zusammen auf der Bühne. Wird es auch mal ein gemeinsames Projekt im Fernsehen geben?

Laura Wontorra: Lust hätten wir schon. Anfangs haben wir das bewusst gemieden, damit ich meinen eigenen Weg gehen konnte. Inzwischen entsteht bei mir immer mehr der Wunsch, ein gemeinsames Projekt zu machen. Aber es muss thematisch passen.

Jörg Wontorra: (mit einem Augenzwinkern) Eins ist ganz sicher: Wir werden nie gemeinsam die ARD-Sportschau moderieren … Es muss ein Projekt sein, das auf das Vater-Tochter-Gespann abgestimmt ist.

Interview: Mirko Blahak

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