Kanuten als „Wundertüte“ - Dreimal Gold für DKV

Kanuten als „Wundertüte“ - Dreimal Gold für DKV

Dreimal Gold für die deutschen Kanuten: Nicole Reinhardt brach mit dem WM-Titel im Kajak-Einer den Bann, danach sorgten zwei Herren-Boote für dicke Überraschungen.

Erst fuhr der neuformierte Canadier-Zweier Tomasz Wylenzek/Stefan Holtz über 1000 Meter der Konkurrenz davon. Danach bescherte der Kajak-Vierer mit Norman Bröckl, Max Hoff, Robert Gleinert und dem neu ins Boot gekommenen Paul Mittelstedt mit einer aus der Not geborenen Besetzung den nächsten Coup.

„Jeder Tag ist eine Wundertüte, man weiß morgens nicht was abends rauskommt“, sagte Verbandspräsident Thomas Konietzko. Er erlebte ein „Wechselbad der Gefühle“, Chef-Bundestrainer Reiner Kießler „ein Chaos, eine Achterbahn“. Silber gab es für den Kajak-Zweier Franziska Weber und Tina Dietze über 500 Meter. Dazu schraubte der Deutsche Kanu-Verband (DKV) die Zahl seiner Olympia-Startplätze auf 13 hoch. Dort liegt er mit Ausnahme des Canadier-Bereichs im Plan.

Über 200 Meter war Reinhardt noch im Halbfinale am Vormittag ausgeschieden, über die 500 Meter blendete sie die Enttäuschung aus. Mit viel Risiko war die 25-Jährige das Rennen schnell angegangen und wurde wie vor sechs Jahren in Zagreb mit Gold belohnt. „2005 bin ich unbeschwerter an die ganze Sache rangegangen. Das jetzt war über Jahre harte Arbeit“, sagte die nun insgesamt siebenmalige Weltmeisterin. „Nicole hat mit dem ersten Sieg ein bisschen den Bann gebrochen. Es ist wichtig, dass die Mannschaft sieht, es geht.“

Während Reinhardt zum Favoritenkreis zählte, hatte das Canadier-Duo fast niemand auf der Rechnung. Mit den zwei Olympia-Quotenplätzen für London wäre man beim Verband bereits zufrieden gewesen. Dass die neue Formation dann gleich zu Gold paddelte, ließ Fans und Konkurrenz staunen. „Das ist einer der schönsten Siege in meiner Karriere“, meinte Athen-Olympiasieger Wylenzek, der noch auf der Ziellinie von Holtz umarmt wurde. „Ich hätte auch noch weiterfahren können. Es war wie auf einem roten Teppich“, schwärmte 2,02-Meter-Hüne Holtz.

„Wahnsinn, unfassbar“, staunte ein fast sprachloser Canadier-Coach Kay Vesely über den Auftritt des Zweiers. „Wenn mir das gestern einer gesagt hätte, hätte ich gesagt, du spinnst.“ Nach enttäuschenden Ergebnissen hatte der Verband noch auf die EM verzichtet, stattdessen neue Formationen getestet. Die Überraschung des Duos konnte aber nicht ganz über das Aus von Sebastian Brendel im Kampf um einen Quotenplatz hinwegtrösten. Der Europameister will das Verbandsticket im Mai in Duisburg bei einem Kontinentalwettkampf sichern.

Beeindruckend steckte der „Kampfvierer“ (Kießler) den Ausfall von Schlagmann Marcus Groß (Fieber) weg. „Nach dem ganzen Mist hat man sich den Sieg erträumt, aber wir wussten überhaupt nicht, was passiert“, sagte Max Hoff. „Wir wollten das Unmögliche möglich machen“, sagte Gleinert.

Auch auf Weber/Dietze war wieder Verlass. Nachdem die beiden am Vortag noch mit dem Damen-Vierer zu Silber gepaddelt waren, holten sie sich zu zweit die selbe Plakette. Der Sieg ging an das österreichische Duo Viktoria Schwarz und Yvonne Schuring, die im deutschen Wolfen geboren wurde. „Mittlerweile können wir uns über Silber freuen“, sagte Weber nach kurzen Momenten der Enttäuschung. Der Herren-Zweier musste über die 500 Meter krankheitsbedingt abgemeldet werden.

Mehr von Volksfreund