Kanutin Fischer wird 50 - und peilt Olympia an

Kanutin Fischer wird 50 - und peilt Olympia an

Mit 50 Jahren will die Grande Dame des Kanusports noch einmal ganz hoch hinaus. Seit Monaten schuftet Deutschlands Rekord-Olympiasiegerin Birgit Fischer unermüdlich für ihr mit Spannung erwartetes Comeback.

Das Ziel: Im Sommer bei den Olympischen Spielen in London nach der neunten Goldmedaille zu greifen. „Die Vorbereitungen laufen. Olympia ist in meinen Überlegungen aber noch weit weg“, sagte Fischer kurz vor ihrem runden Geburtstag am 25. Februar, den sie im heimischen Päwesin (Brandenburg) feiert.

Sechseinhalb Jahre Wettkampfpause liegen hinter Fischer, eine unendlich lange Zeit im Profisport - auch für eine solche Ausnahmeathletin. Ob Fischer im August am Dorney Lake westlich der britischen Hauptstadt wirklich einen großen Auftritt haben wird, ist alles andere als ausgemachte Sache. Zunächst müsste sich die 27-fache Weltmeisterin bei den nationalen Qualifikationsrennen durchsetzen: In Duisburg werden vom 5. bis 7. April sowie vom 27. bis 29. April die wenigen Olympia-Plätze ausgefahren. Fischer wird sich mit einer ganzen Reihe von Sportlerinnen messen müssen, die ihre Töchter sein könnten.

„Ich werde mir bis zum 25. März Zeit lassen, ehe ich eine Entscheidung treffe. Diese Zeit brauche ich noch“, kündigte Fischer im dpa-Gespräch an. Genau an diesem Tag endet die Meldefrist des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV) für die Ausscheidungswettkämpfe. Die Grundlage fürs mögliche Comeback hatte Fischer bereits vor rund einem halben Jahr mit ihrer Meldung für das Trainingskontrollsystem der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) geschaffen.

Jetzt sind alle gespannt, was die langjährige PR-Maschine des Kanuverbandes macht. „Sie hat mir gesagt, dass sie mir rechtzeitig über ihre Pläne Bescheid geben wird“, sagte Bundestrainer Reiner Kießler. Ob er ans Comeback der früheren Vorzeige-Kanutin glaubt? „Das ist ganz schwer zu sagen. Ich bin selber gespannt.“

Zehn Wochen lang war die achtmalige Olympiasiegern zuletzt in Australien, trainierte dort intensiv und auf eigene Kosten. Einen Zuschuss vom DKV gab es nicht. Mit Kießler und Verbandspräsident Thomas Konietzko hielt sie losen Kontakt, sie schrieben sich die ein oder andere Mail - ansonsten herrschte Funkstille. „Ich trainiere nach meinen eigenen Plänen“, verdeutlichte Fischer.

Auch Konietzko ist gespannt, ob sich Fischer im fortgeschrittenen Alter noch mal in den Ausscheidungsmarathon stürzt. Nötig hätte sie das nach zwölf Olympia-Medaillen und 37-mal Edelmetall bei diversen Weltmeisterschaften jedenfalls nicht, urteilte der deutsche Kanu-Chef. „Sie hat so viel erreicht in den letzten Jahrzehnten. Alles, was jetzt noch kommt, ist reine Zugabe.“

Es wäre Fischers viertes Comeback: Nach zwei Babypausen und einer Laufbahnunterbrechung nach Olympia 2000 war sie jeweils stark zurückgekehrt. Ein so gewaltiger Zeitraum wie jetzt lag jedoch nie zwischen dem Ende eines Karriereabschnitts und dem nächsten Neustart. „Man hat sie über Jahre nicht im Kanu gesehen“, sagte Kießler. Schaffe Fischer mit 50 Jahren die Qualifikation, dann „spricht das natürlich auch nicht für die Stärke der jungen Sportlerinnen“.

Ihre letzten internationalen Auftritte hatte Birgit Fischer im Jahr 2005 bei der WM in Zagreb, als sie zweimal Dritte wurde. Ihren letzten Podestplatz holte sie damals mit ihrer Nichte Fanny Fischer im Kajak-Zweier. Die hat ihre Laufbahn bereits beendet: Sie tat das im vergangenen September, an ihrem 25. Geburtstag.

Erfolge Birgit Fischer

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