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Kleinich: Einmal Hunsrücker, immer Hunsrücker

Serie: „Handball ist unser Leben“ : Einmal Hunsrücker, immer Hunsrücker

Wie Markus Bach über all die Jahre dem TuS Kleinich die Treue hielt, und warum er heute aber nur noch als Zuschauer dabei ist.

Vor viereinhalb Jahrzehnten begann die Handball-Laufbahn von Markus Bach beim TuS Kleinich. Trainer war sein Vater Horst, mit dem sich bald die ersten Erfolge einstellen sollten. Schon als Fünfjähriger prellte und streichelte Markus Bach den Handball auf dem heimischen Bolzplatz – Fußball zu spielen war für ihn auch in jungen Jahren nie ein Thema.

Den ersten großen Erfolg gab es 1982, als die  D-Jugend der zwischenzeitlich zur Handball-Spielgemeinschaft fusionierten Vereine aus Irmenach und Kleinich Rheinlandmeister wurde. Seit dieser Zeit lieferten sich die Hunsrücker Handballer regelmäßig mit den Mannschaften aus Daun und Mülheim-Kärlich die entscheidenden Kämpfe um die Rheinlandmeisterschaft. Ab der C-Jugend trainierte Bach dann unter Burkhard Born, der nicht nur die sportliche Zukunft Bachs prägte, sondern auch die der ganzen HSG. „Jahr für Jahr hat er mit uns neue Spielzüge einstudiert, die wir bis weit in den Seniorenbereich hinein mitgenommen und kontinuierlich verbessert haben. Heutzutage sind Spielzüge ja verpönt und man nennt das ganze jetzt ‚Auslösehandlungen’, was im Prinzip ja nichts anderes ist. Zumindest bei der HSG gab es damals auch mehrere Varianten mit Entscheidungsmöglichkeiten“, verrät Bach.

Am Ende seiner Jugendzeit standen Freude und Enttäuschung dicht nebeneinander, als es bei den A-Junioren 1987 um die westdeutsche Meisterschaft ging. Bach erinnert sich: „Es fing mit dem Halbfinale gegen Schwarz-Rot Aachen an. Das Hinspiel in heimischer Halle hatten wir knapp gewonnen. Zum Rückspiel wurden wir mit einem Plakat empfangen, auf dem man uns weiche Knie attestierte. Am Ende hatten wir die auch – aber nur, weil wir minutenlang im Mittelkreis den Auswärtssieg und damit den Einzug ins Finale feierten.“ Die Entscheidung im Endspiel fiel drei Sekunden vor Schluss des Retourmatchs vor 650 Zuschauern in der Traben-Trarbacher-Sporthalle gegen den späteren deutschen Vizemeister OSC Thier Dortmund. Dank der mehr erzielten Auswärtstore hätte die HSG bis dahin den West-Titel innegehabt, ehe Dortmund zum finalen Schlag ansetzte.

Gleich in seiner ersten Saison im Seniorenbereich durfte Bach den direkten Meistertitel in der Oberliga und damit den Aufstieg der HSG Irmenach/Kleinich in die Regionalliga feiern. Das erste Tor in neuer Umgebung war ihm vorbehalten. Er kann sich sogar noch an den Spielzug erinnern: „Das war die Variante ‚T1-noch mal’ mit langem Kreuzen von der Rückraum-Mitte auf Linksaußen und anschließendem Kreuzen von Linksaußen mit dem Rückraum-Rechts und einem Wurf von der halblinken Position.“ Rolf Ströher und Klaus Frank waren seinerzeit die Vorlagengeber. „Am Ende haben wir unentschieden gegen Bayer Leverkusen gespielt“, schaut Bach mit Stolz zurück.

In den ersten Jahren ging es für die Hunsrücker auf und ab. Einem Abstieg aus der Regionalliga folgte der direkte Wiederaufstieg. Zwölf Jahre spielte Bach unter den Trainern Wolfgang Becker und Burkhard Born, in denen man der Regionalliga West zugeteilt war. Unvergessen sind die Spiele morgens um 11 Uhr bei Unitas Haan in der Nähe von Düsseldorf: „Im ersten Jahr versuchten wir es mit der Anreise am Samstag und einer Übernachtung. Aber wer uns kennt, kann sich vorstellen, dass es nicht unbedingt eine gute Vorbereitung war, wenn 15 junge Männer abends in einem Hotel sitzen. Später fuhren wir dann erst morgens um 6 Uhr von Kleinich nach Haan.“ Mit dem Wechsel des  Handballverbands Rheinland in den Südwesten standen für die Hunsrücker vorerst kürzere Fahrten und andere Gegner mit neuen Sporthallen auf dem Programm, was noch mal einen kleinen Motivationsschub für die Mannschaft und auch den Verein mit seinen treuen Fans darstellte. Aus Fahrten nach Gummersbach, Wermelskirchen, Bocklemünd und Niederpleis wurden nun Touren nach Saarlouis, Offenbach in der Pfalz oder nach Kirchzell im Odenwald.

Die Busfahrten hatten Kultstatus: „Auf dem Hinweg bauten wir oft ein Kuchenbuffet auf. Nicht selten waren eine Käse-Sahne-Torte oder eine Schwarzwälder Kirschtorte dabei. Auf der Rückfahrt, nachdem wir auch mal die Halle als Gastmannschaft abgeschlossen haben, gab es dann die Hausmacher Wurst und Selbstgebrannten.“ Wenig Verständnis für derartige Ernährung rund ums Spiel hatte der ehemalige russische Nationalspieler in HSG-Reihen, Igor Domaschenko, der über Jahre hinweg unter Profibedingungen spielte und trainierte. „Er wollte uns vor allem vor dem Spiel davon abhalten, hatte bei diesem Unterfangen aber keinen Erfolg. Immerhin gesellte er sich nach den Spielen gerne zu uns, trank einen Kaffee und aß auch mal ein Stück Kuchen“, berichtet Bach. Die  Auswärtsfahrten mit den treuen Fans bezeichnet er als „gesellschaftliche Ereignisse“. Angeführt von Handball-Urgestein Hans Schneiß fanden die  Fans vom Hunsrück in fremden Hallen innerhalb weniger Minuten Kontakt und auch Freunde, waren immer gern gesehene Gäste. Das führte so weit, dass für die Irmenacher Partien die Bierration in den Hallen mitunter verdoppelt wurde.

Für Bach war 2006 nach 20 Jahren Leistungshandball in der ersten Mannschaft der 1999 um den TuS Horbruch erweiterten HSG Schluss.  Trotz unzähliger Angebote, auch aus der zweiten Bundesliga, trug er ausschließlich das Hunsrücker Trikot, davon 16 Jahre in der Regionalliga. Mit vier Trainern (Wolfgang Becker, Burkhard Born, Paul Schmidt und Igor Domaschenko) und geschätzten 60 Akteuren, davon nur zehn, die nicht aus den Stammvereinen kamen, spielte Bach zusammen. Von 2001 bis ’03 fungierte er als Spielertrainer.

Seine sportliche Laufbahn fasst er so zusammen: „Wenn man pro Saison sechs Wochen Sommerpause und eine Woche im Winter abzieht, kommt man schnell auf 180 Einheiten pro Jahr. Trotz allem bin ich von Verletzungen größtenteils verschont worden. Lediglich eine Knie-Operation am Meniskus ließ mich rund fünf Monate aussetzen. Ansonsten waren es Fingerbrüche, ein Hand- und ein Nasenbruch, die mich zum Aussetzen zwangen.“ In 20 Jahren habe er nur eine Rote Karte kassiert – nach drei fragwürdigen Zwei-Minuten-Zeitstrafen in einem Pokalspiel beim TV Weiden bei Aachen: „Vermutlich passte dem Schiedsrichter an diesem Tag meine Nase nicht. Auf jeden Fall kam der zweite Schiedsrichter nach dem Spiel und entschuldigte sich bei mir.“

Lang ist die Liste der Erfolge, die Bach in all den Jahren einheimste. So wurde er nicht nur Rheinlandmeister in der Jugend, sondern auch bei den Herren, 1988 Rheinland-Pfalz-Meister, mehrfacher Rheinlandpokalsieger und Gewinner des Grenzlandpokals mit der Verbandsauswahl.

Nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn in der ersten Mannschaft konnte er aber die Handballschuhe nicht so einfach an den Nagel hängen, spielte von 2008 an noch  zwei Jahre lang in der dritte Mannschaft der HSG, trainierte zudem von 2008 bis ’11 die zweite Garnitur der HSG Irmenach/Kleinich/Horbruch in der Verbandsliga und schaffte auch hier einen Meistertitel. Von 2011 bis ’15 übernahm er die erste Mannschaft des Vereins als Trainer. Mit der A-Jugend der JSG Hunsrück wurde er in der Saison 2015/16 dann Fünfter in RPS-Oberliga, trainierte in der Saison 2016/17 nochmals die zweite Garnitur in der Verbandsliga, schaffte den Klassenerhalt und schloss seine letzte Saison als Coach mit Platz acht ab.

Seit 2017 ist er nur noch als Zuschauer in den Handballhallen zugegen. Hauptsächlich schaut sich Bach dann die Spiele seiner Söhne Nico (24) und Luca (19) an, die seit dieser Saison gemeinsam in der zweiten Mannschaft der HSG unter seinem Bruder Martin als Trainer spielen.

Einen Trainerjob will sich Markus Bach auch deshalb nicht mehr aufhalsen, da er unter der Woche beruflich in ganz Deutschland unterwegs ist. „Das ist mit festen Trainingszeiten nicht zu verbinden“, sagt der gelernte Maschinenbautechniker, der im Außendienst für eine Anlagenbaufirma tätig ist. Ein bisschen Sport muss aber immer noch sein: Als Ausgleich zum fehlenden Handball und zur Arbeit geht er öfters mit seiner Frau Verena wandern. Auf dem Programm stand auch schon ein Mehrtagestrip in den Alpen.