„Krass“: Schwimmer entsetzt über Cielo-Freispruch

„Krass“: Schwimmer entsetzt über Cielo-Freispruch

Gut gelaunt absolvierte Britta Steffen ihre ersten Bahnen im Wettkampf-Becken von Shanghai, einmal nur verfinsterte sich ihre Miene. Dass der positiv getestete Freistil-Olympiasieger Cesar Cielo bei der Schwimm-WM starten darf, schlägt hohe Wellen.

Nicht nur bei Steffen und den anderen Deutschen. „Krass. Wozu macht man dann überhaupt noch Doping-Kontrollen. So kann jeder machen, was er will. Das ist traurig, bitter zu hören“, sagte die Doppel-Weltmeisterin in Shanghai. Zwei Tage vor Beginn der Becken-Wettbewerbe war der Freispruch durch den Internationalen Gerichtshof CAS ein großes Thema beim Training in der Wettkampfhalle des Oriental Sports Centre.

„Das war ein guter Tag“, kommentierte Marco di Carli die überraschende Entscheidung ironisch. Der Frankfurter ist über 100 Meter Freistil Weltjahresbester vor Cielo und wird bereits am Sonntag in der Staffel auf den Brasilianer treffen. Daniela Schreiber, die neben Steffen in der 4x100-Meter-Freistilstaffel auf eine Medaille hofft, war „schockiert“ über die CAS-Entscheidung. Das Gericht hatte Cielos Erklärung akzeptiert, das Furosemid stamme von verunreinigten Nahrungsergänzungsmitteln. „Das geht in die ganz falsche Richtung. Nicht dass wir so enden wie der Radsport.“

Markus Deibler, dessen Bruder über 50 Meter Schmetterling auf Cielo trifft, wollte nicht ausschließen, dass der Brasilianer unverschuldet positiv getestet wurde und die Verwarnung seines Verbandes rechtens war. Trotzdem müsse gleiches Recht für alle herrschen. „Es kann keine Rücksicht auf Einzelfälle geben. Anscheinend werden Olympiasieger und große Namen anders behandelt. Sie können sich erlauben, was sie wollen“, sagte der Hamburger achselzuckend.

Der positiv auf das Maskierungsmittel Furosemid getestete Doppel-Weltmeister Cielo hatte sich am Donnerstagabend erleichtert geäußert. „Die Wahrheit hat gesiegt, und ich blättere diese Seite in meinem Leben um“, schrieb der 24-Jährige auf seiner Internetseite. Der Internationale Sportgerichtshof CAS hatte zuvor die Verwarnung des brasilianischen Verbandes bestätigt und auf eine Sperre verzichtet. Eine Urteilsbegründung soll in erst einigen Wochen vorliegen.

Der Weltschwimmverband FINA hatte bei der sechsstündigen Anhörung eine dreimonatige Sperre für Cielo gefordert. Offen blieb, warum die FINA nicht mehr Druck auf den brasilianischen Verband ausübte. Fünf Jahre vor den Olympischen Spielen 2016 in Rio sind Dopingfälle in Brasiliens Schwimmsport keine Ausnahmeerscheinung. Furosemid-Nachweis hat bei anderen Verbänden fast immer zu Sperren geführt, möglich sind bis zu zwei Jahre.

Auch international waren die Reaktionen deutlich. „FINA und CAS haben der Schwimm-Welt einen schlechten Dienst erwiesen und einen gefährlichen Präzedenzfall geschaffen“, twitterte der südafrikanische Freistilsprinter Roland Schoeman. Interessant dürfte sein, wie Publikum und Konkurrenten auf Cielos ersten Wettkampf-Auftritt am Sonntag reagieren.