Lange Suche: Canadier-Kaltstart bei Kanu-WM

Lange Suche: Canadier-Kaltstart bei Kanu-WM

Über keine 1000-Meter-Strecke holten deutsche Kanuten mit drei Siegen öfter olympisches Gold, aber seit über einem Jahr bereitet der Canadier-Zweier dem Verband sorgen.

Bei der WM 2010 in Posen sprach Bundestrainer Reiner Kießler nach dem Halbfinal-Aus gar von einer „historischen Niederlage“, die EM in diesem Jahr ließ man nach enttäuschenden Leistungen im Vorfeld gleich unbesetzt. Stattdessen wurde an einem Boot gebastelt, dass bei den Weltmeisterschaften von Donnerstag bis Sonntag in Szeged auf Erfolgskurs paddeln soll. Tomasz Wylenzek/Stefan Holtz wagen ohne gemeinsamen internationalen Einsatz im Vorfeld den WM-Kaltstart.

„Ich bin kein Fantast und sage, jetzt haben wir ein Boot und die werden das schon richten“, sagte Kießler vor den Titelkämpfen in Ungarn. „Das wird ein schweres Stück Arbeit.“ Einen Platz in den Top-6 muss man für die olympischen Quotenplätze erreichen, ansonsten muss im nächsten Jahr nachgesessen werden.

„Wir haben keine Riesenerwartungen, aber für die kurze gemeinsame Zeit läuft es gut“, sagte Wylenzek. Nach dem Rücktritt von Christian Gille, mit dem der Essener 2004 olympisches Gold gewann und auch in Peking zu Bronze fuhr, holte sich Wylenzek auf Anhieb mit Erik Leue 2009 den WM-Titel. Doch zwischen den beiden passte es menschlich danach nicht mehr, und daher wurden neue Formationen gesucht. Der Erfolg blieb in Posen aus - und beim Heim-Weltcup in Duisburg gab es im Mai dieses Jahres die nächste Enttäuschung.

Da zog sich der Verband zurück, statt zur EM ging es zu internen Tests. „Wir haben alle auf die Startlinie zurückgesetzt und dann ging es von neuem los“, schilderte Kießler den Auftakt des bis zum Mai 2012 dauernden „Jahresprojekts“. Dabei wurde das Boot Wylenzek/Holtz geboren. „Jeder Linksschläger hat mit jedem Rechtsschläger getestet und da bin ich mit Tomek eine Zeit gefahren, die ich über 1000 Meter noch nie in meinem Leben annähernd erreicht habe“, sagte Zwei-Meter-Hüne Holtz, dem eigentlich mehr Stärken über die 200 Meter zugeschrieben worden waren. „Ich weiß auch nicht, wieso ich die 1000 Meter halbwegs gut fahren kann im Zweier.“

Dazu behielten die beiden im internen Ausscheid gegen die anderen Boote die Oberhand. Doch reicht das schon für die WM? Denn gerade im Canadier-Zweier ist neben Kraft und Ausdauer viel technisches Geschick und eine feine Abstimmung für ein gerade aus fahrendes Boot wichtig. „Das ist um ein Vielfaches schwerer als in anderen Booten. Und wenn man zu viele Kurven fährt, hat man am Ende eben Rückstand“, sagte Kießler.

Schon jetzt signalisieren Wylenzek/Holtz, dass sie unabhängig vom WM-Ausgang gerne auch nächstes Jahr zusammen Kurs auf Olympia nehmen wollen. Aber erst einmal will das Duo in Szeged den Quotenplatz holen - und kann nach den Zweier-Darbietungen der vergangenen zwölf Monate eigentlich nur gewinnen. „Mehr verkorksen können wir es nicht“, sagte Wylenzek.

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