Langes Warten: Theater vor DM in Schwimmoper

Langes Warten: Theater vor DM in Schwimmoper

Die Trennung von Bundestrainer Dirk Lange und dem Deutschen Schwimm-Verband (DSV) zieht sich hin, die Scheidung soll aber sauber vollzogen werden.

„Wir sind in Verhandlungen, die Modalitäten eines Aufhebungsvertrages zu realisieren. Wir sind auf einem guten Weg“, sagte DSV-Leistungssportdirektor Lutz Buschkow kurz vor Beginn der deutschen Kurzbahn-Meisterschaften in Wuppertal. Er rechnet „in Kürze“ mit Ergebnissen. Buschkow geht „nicht davon aus, dass er (Lange) hier sein wird“.

Sein Noch-Angestellter entspricht diesen Erwartungen. „Ich werde nicht kommen, der Sport soll im Vordergrund stehen“, sagte Lange wenig später der Nachrichtenagentur dpa. Der 48-Jährige betonte die „gute Gesprächsatmosphäre“ mit DSV-Präsidentin Christa Thiel. „Es bedarf aber sicher noch der Nachjustierung.“ Langes Vertrag beim DSV läuft bis Ende 2012.

Seit Wochen befinden sich der DSV und Lange in „Abstimmungsgesprächen“. Kurz nach deren Bekanntwerden musste Lange als Trainer auf Abruf vor fünf Wochen beim Weltcup in Berlin zu seiner Zukunft Rede und Antwort stehen - und tat das nach außen entspannt und professionell. Ein ähnliches Szenario bleibt ihm und dem Verband in Wuppertal nun erspart.

Das Verhältnis zwischen Buschkow und dem früheren südafrikanischen Nationaltrainer gilt schon lange als zerrüttet. Beide Seiten wollen und können so wie bisher nicht mehr weitermachen, insbesondere mit Blick auf Olympia in London. Der selbst- und sendungsbewusste Lange hat seit seinem Amtsantritt 2008 mehr Kompetenzen gefordert, als der DSV ihm zugestehen wollte.

Die damit verbundene Beförderung zum Cheftrainer war zuletzt im vergangenen Jahr vom Präsidium ausdrücklich abgelehnt worden. Öffentlich betonten Lange und der mächtige Buschkow anfangs unisono ein gutes Arbeitsverhältnis, doch allein die Körpersprache der beiden Alpha-Tiere bei gemeinsamen Auftritten sprach Bände. Bis zu den Spielen wird Langes Funktion nach dpa-Informationen aus dem DSV-Umfeld auf mehrere Schultern verteilt.

Im Juli waren die Beckenschwimmer im Gegensatz zu den von Buschkow als Bundestrainer betreuten Wasserspringern bei der WM hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Nach der vorzeitigen Abreise der einzigen Gold-Hoffnung Britta Steffen zeigte die Führungsebene keine gemeinsame Linie. Vielmehr offenbarte sich ein Kommunikationschaos, in dem sich Buschkow und Lange fast schon genüsslich Schwarze Peter zuschoben.

Vor der bis Sonntag dauernden nationalen Meisterschaft betonten Athleten und Sportdirektor den Charakter der Kurzbahn-Saison als Durchgangstation zu den Olympischen Spielen 2012 in London. So wird neben den Lokalmatadoren Christian vom Lehn und Sarah Poewe auch der Essener Hendrik Feldwehr die EM in Stettin vom 8. bis 11. Dezember auslassen. Das Trio gibt neben anderen Athleten Langbahn-Wettkämpfen den Vorzug. Britta Steffen und Paul Biedermann haben hingegen ihren Start in Polen angekündigt.