Gladiatoren in Feuer und Eis

Feuer, Wasser, Erde und Luft sind die vier Elemente, aus denen in der englischen Grafschaft Staffordshire harte Kerle gemacht werden. Auch Sportler aus der Region waren beim härtesten Hindernislauf der Welt dabei.

Sie springen aus schwindelerregender Höhe in eiskaltes Wasser, kriechen durch stinkenden Schlamm und laufen durch brennende Heuballen. Zehn junge Männer aus der Region dürfen sich seit vergangenem Sonntag "Tough Guys", harte Kerle, nennen. Zwischen eindreiviertel und vier Stunden benötigten sie für den mörderischen Parcours nahe Perton in England.

"In Deutschland würde so etwas wohl nicht genehmigt", glaubt Sebastian Boesen. Der 21-Jährige aus Trassem bei Saarburg beobachtete, wie Rettungstaucher eine Frau, die von einem Hindernis ins eiskalte Wasser gefallen war, retteten. Er habe zwar nicht nachgefragt, aber er vermute aber, dass es eine Versicherung gebe, die das Risiko einer Tough-Guy-Teilnahme absichere, ergänzt Boesens Kamerad Christian Irsch vom Team "Saar-Spacken". Als römische Gladiatoren mit Lederröcken und weitgehend freiem Oberkörper trotzen die acht Sportler aus dem Saargau den winterlichen Bedingungen. Wer ein harter Kerl werden will, tut dies auf eigene Gefahr. Und wofür? "Man will Männlichkeit beweisen, sein eigenes Ego stärken und etwas machen, was nicht jeder macht", sagt Marco Disteldorf.

Vor diesem Ritterschlag haben die Organisatoren für mehrere Tausend Teilnehmer einen Parcours aus Schlammlöchern, Eiswasserseen, abenteuerlichen Hindernissen, brennenden Strohballen und Erdtunnels gestellt. Zunächst wird etwa zwölf Kilometer gelaufen. "Schon nach drei Minuten kam der erste Wassergraben, in den es bis zur Brust hineinging", erzählt Jan Wohlleben. Der Abiturient am Wittlicher Cusanus-Gymnasium nahm mit seinem Freund Christian Kien aus Wittlich-Wengerohr erstmals an dem Rennen teil. Nach dem Crosslauf folgten als Finale die "Killing fields", mehr als 20 besonders schwere Hindernisse.

Die Übungen haben zum Teil zwar militärischen Charakter, den Drill-Sergeant sucht man beim "Tough Guy" aber vergeblich. Vielmehr herrscht kameradschaftliches Miteinander statt Wettkampfstreben.

Den größten Respekt hatten die Teilnehmer aus der Region vor der Kälte. An einer der letzten Stationen musste man in eisigem Wasser, auf dem Eisschollen trieben, unter Baustämmen hindurchtauchen. "Wenn der Kopf unter Wasser ist, geht jede Menge Wärme verloren. Viele fallen wegen Kreislaufproblemen um. Wenn man auftaucht, darf man nicht stehenbleiben, sondern muss weiterlaufen, damit das Blut weiter zirkuliert", sagt Marco Disteldorf. Für den 33-Jährigen aus Freudenburg war es die dritte Teilnahme. Seine Erkenntnis: "Wer mitgemacht hat, definiert Kälte neu."