Maurers Silber im Grenzbereich - Mahn kollabiert

Maurers Silber im Grenzbereich - Mahn kollabiert

Fünf Kilometer vor WM-Silber dachte auch Angela Maurer an Aufgabe. Zu sehr hatte die schwüle Hitze und das weit über 30 Grad warme Meerwasser an ihren Kräften gezehrt.

Titelverteidigerin Linsey Heister fehlte auf ärztliches Anraten, andere mussten das Rennen vorzeitig beenden, doch die 35-jährige Maurer trotzte den Extrembedingungen und hielt 25 Kilometer durch.„Es war nicht mehr zumutbar“, sagte die Weltmeisterin von 2009 nach dem härtesten Rennen ihrer langen Karriere. Nach knapp fünfeinhalb Stunden brachten kaltes Wasser über den Kopf und ein nasses Handtuch um den Körper die Lebensgeister langsam zurück.

Die siebte deutsche Medaille von Shanghai war besonders hart erkämpft. „Platz zwei ist super, ich freue mich riesig. Ich bin froh, dass es so gut gelaufen ist, ich bin ja auch schon krank hier angereist“, sagte die Mainzerin. Das Rennen im heißen ostchinesischen Meeresbecken gewann Ana Marcela Cunha aus Brasilien. Bronze ging an die Italienerin Alice Franco.

Antje Mahn (Rostock) musste das Rennen nach zehn Kilometern abbrechen und kollabierte nach ihrer Rückkehr an Land. „Ich war zwischendurch sehr besorgt. Ein Schock ist ein lebensbedrohlicher Zustand“, sagte Mannschaftsarzt Volker Dotzel. Nach Infusionen stabilisierte sich der Zustand der 22-jährigen Rostockerin. Sie sollte das Medical Center am Jinshan Beach verlassen und sich unter Aufsicht in ihrem Hotelzimmer weiter erholen.

Die schwüle Hitze und das überhitzte Meeresbecken forderten den Sportlern alles ab. Zwar war das Rennen um letztlich zwei Stunden auf 06.00 Uhr Ortszeit vorverlegt worden, doch die Hälfte des Feldes startete erst gar nicht oder gab entkräftet auf. Ein Rettungsschwimmer musste Antje Mahn aus dem Wasser ziehen. Als sie vom Boot an Land kam, war sie noch ansprechbar, dann aber verschlechterte sich ihr Zustand. „Die letzte halbe Stunde des Rennens weiß sie gar nichts mehr. Ihre Erinnerung endet am vorletzten Ponton“, berichtete Teamarzt Dotzel.

Nach dem Tod des US-Schwimmers Francis Crippen vergangenen Oktober in Dubai hatte eine Kommission des Weltverbandes FINA in einem Bericht empfohlen, nur noch Rennen bis zu einer Wassertemperatur von 28 Grad zu starten. Die medizinische Kommission der FINA hält Rennen bis 31 Grad vertretbar. Diese sollen laut den Schwimmern noch übertroffen worden sein. „Wir hatten ein sehr erfolgreiches Rennen, bei 25 Kilometern geben immer Teilnehmer auf“, lautete der Kommentar von FINA-Generaldirektor Cornel Marculescu.

Benjamin Konschak aus Karlsruhe beendete den Herren-Wettkampf ebenfalls vorzeitig. Hier gewann der in Würzburg lebende Bulgare Petar Stoitschew vor dem Russen Wladimir Djatschin und dem Ungarn Csaba Gercsak. Damit konnte sich Bundestrainer Stefan Lurz über eine Goldmedaille seines Bruders Thomas und zwei Titel ausländischer Sportler aus seiner Gruppe freuen. Fünf-Kilometer-Weltmeisterin Swann Oberson (Schweiz) trainiert ebenfalls unter seiner Regie.

Die Freiwasserschwimmer haben damit in China viermal Edelmetall gewonnen: Einmal Gold, zweimal Silber und einmal Bronze waren sogar noch einen Tick besser als die hohe Zielvorgabe des Deutschen Schwimm-Verbandes (1-1-2). „Ich bin super happy. Wir haben unser Soll übererfüllt“, sagte Stefan Lurz und lobte das Rennen von Maurer. „Auf Angie ist Verlass. Ich bin stolz, solche Sportler in meinen Reihen zu haben.“

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