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Moto3-Erfolg
Öttl gewinnt Großen Preis von Spanien

Jerez de la Frontera. Motorrad-Pilot Philipp Öttl hat den ersten Grand-Prix-Sieg seiner Karriere gefeiert. Drei Tage nach seinem 22. Geburtstag triumphierte der Moto3-Fahrer aus Ainring beim Großen Preis von Spanien in Jerez.

Moto3-Pilot Philipp Öttl gewinnt in Jerez erstmals einen Grand Prix. Nicht nur Vater Peter ist völlig aus dem Häuschen.

Kopfschüttelnd drehte Philipp Öttl in Jerez mit der bayerischen Fahne seine Ehrenrunde, an der Box fehlten Vater Peter schlicht die Worte. "Das ist der schönste Tag in meinem Leben. Wahnsinn", sagte der Teamchef nach langem, ungläubigem Schweigen zum ersten Grand-Prix-Sieg seines Sohnes. Glücklich, gelöst und einfach nur überwältigt feierte die Motorrad-Familie aus Ainring in Oberbayern den so lange ersehnten Coup.

Drei Tage nach seinem 22. Geburtstag gelang Phillip Öttl beim Großen Preis von Spanien zum ersten Mal, was der Vater 22 Jahre zuvor im italienischen Mugello zuletzt geschafft hatte - der Sprung auf das oberste Treppchen. Öttl Junior genoss bei der Siegerehrung die Klänge der deutschen Nationalhymne, dann folgte die obligatorische Dusche mit spanischem Cava.

"Es ist saugut gegangen, es hat alles gepasst", sagte Öttl bei Eurosport, nachdem ihn das Team in einer Jubeltraube empfangen hatte. Im Gegensatz zu seinem Vater kämpfte er beim emotionalen Moment nicht mit den Tränen. Dass es bei seinem 91. Rennstart tatsächlich mit dem großen Wurf klappen könnte, habe er gemerkt, "als ich hinter mir keinen mehr gehört habe", sagte er.

Ein Sonderlob erhielt der Mann des Tages von Eurosport-Experte Sandro Cortese (28). "Ich habe noch nie so einen Philipp Öttl gesehen wie heute. Er hat das gemacht, als hätte er schon zehn Grand Prix gewonnen", sagte der einstige Moto3-Weltmeister.

Öttl, der im Qualifying auf den zweiten Startplatz gestürmt war, gehörte beim vierten Saisonlauf von Beginn an zur Spitzengruppe, in der es pausenlos Positionswechsel gab. Zwölf Runden vor Schluss schob er sich ganz nach vorne, verteidigte den ersten Platz bis zum Ende und gewann knapp vor Marco Bezzecchi (Italien/KTM) von PrüstelGP.

Er sorgte damit für den ersten deutschen Sieg seit fast zwei Jahren. Am 21. August 2016 hatte Jonas Folger beim Moto2-Rennen in Brünn/Tschechien triumphiert, und in diese Klasse will Öttl 2019 unbedingt aufsteigen. Der äußerst ehrgeizige und selbstkritische Pilot hat dafür am Sonntag das beste Argument geliefert.

2012 hatte der Sohn des fünfmaligen Grand-Prix-Siegers Peter Öttl ("Auf den Augenblick habe ich so lange gewartet") sein WM-Debüt gegeben, in der darauffolgenden Saison wurde er Fixstarter. Erstes Highlight war ein dritter Platz 2015 in Indianapolis, im Vorjahr wurde er in Österreich Zweiter. Öttl war mit einem Sieg dran, jetzt ist der Bann gebrochen. Mit 35 Punkten ist er nach vier von 19 Stationen WM-Fünfter, Bezzecchi (63) ist an der Spitze etwas enteilt.

"Man kann mit dem zweiten WM-Platz auch unzufrieden sein", sagte der Pilot von Schedl GP Racing zuletzt im SID-Gespräch. Dieses Selbstbewusstein ist gerechtfertigt.

In der Moto2 trotzte Marcel Schrötter den Schmerzen und belegte den ausgezeichneten siebten Platz. Nach seinem schweren Sturz vor zwei Wochen in Austin/Texas zeigte der 25-Jährige aus Vilgertshofen trotz Bänderrissen in der Schulter eine starke Vorstellung.

"Damit haben wir nicht gerechnet. Er hat gekämpft wie ein Stier, er ist ein zäher Brocken", sagte Teamchef Jürgen Lingg vom Rennstall Intact GP. Schrötter war mit geringen Erwartungen von Startplatz 20 aus angetreten. Es gewann der Italiener Lorenzo Baldassari.

In der MotoGP eroberte Weltmeister Marc Marquez mit seinem zweiten Saisonsieg die Führung in der Gesamtwertung. Der spanische Honda-Pilot gewann überlegen vor Johann Zarco (Frankreich/Yamaha) sowie Andrea Iannone (Italien/Suzuki).

(can)