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Motocross in Reil: Spuren lesen, Hirn einschalten

Reil. Bei den Rennen auf dem berüchtigten "Heißen Stein" ging der TV der Frage nach: Was macht eigentlich einen guten Motocross-Fahrer aus?

Reil (jüb) Wie eine Herde hypernervöser Rennpferde steht die Meute der rund 30 ultraleichten Maschinen Zentimeter vor dem Gatter, das jeden Moment mit einem Schlag den Weg in die verstaubte Strecke freigeben wird. 30 Männer und Frauen, eingezwängt in ein Korsett aus eng anliegenden Lederkombis, bis zum Knie reichender Stiefelschäfte, schützenden Integral-Helmen und das ganze Gesicht bedeckenden Brillen, wartet auf das erlösende Signal.
Die Zwei- und Viertakter pfeifen und kreischen, was das Zeug hält. Die grobstolligen Reifen wühlen den losen Untergrund auf. Mit weit ausgebreiteten Ellenbogen zerren die Fahrer an ihren Gabeln. Dann: Gatter runter. Ab geht die wilde Jagd.
Die Zweiräder werfen, nur um Zentimeter voneinander getrennt, Sand, Geröll und Matsch empor. Für 15 Minuten sind Pilot und Maschine jetzt eins. Das ist der Moment, auf den jeder Motocrosser wartet. Auch am Wochenende bei der 66. Auflage der Rennen auf dem "Heißen Stein" oberhalb der Moselgemeinde Reil. Der ausrichtende Motorsportclub Reil begrüßte nach Auskunft von Vorstandsmitglied Michael Boemer rund 270 Starter - von den Jüngsten bis zu den "Veteranen".
Was zeichnet die besten unter ihnen aus? Was muss man mitbringen, um in seiner Leistungsklasse ganz vorn zu landen? Wagemut? Erfahrung? Routine? Geschicklichkeit? Kondition? Sportkommissar Thomas Schüller, seit Jahren in Reil dabei, beschreibt Umfeld und Anforderungen: "Hier sind nur Amateure. Mit Motocross in diesen Dimensionen kann man kein Geld verdienen. Auch wenn es neben Pokalen auch Preisgelder gibt. Aber erst nach der Saison."
Auf dem "Heißen Stein" fänden die Aktiven perfekte Bedingungen vor: "Die Strecke wird nur einmal im Jahr genutzt, vom Verein bestens gepflegt und präpariert. Bessere Bedingungen findet man nicht. Es liegt an jedem selbst, das Beste daraus zu machen."
Jürgen Schell, der Mann von der technischen Abnahme am Vorstart, erklärt, worauf es ankommt: "Der beste Weg ist nicht immer der kürzeste. Man muss unterscheiden, zu welcher Tageszeit man fährt, welche Witterungsbedingungen herrschen. Ist die Strecke schon mitgenommen? Hat sich das Profil verändert seit dem letzten Rennen vor zwei oder drei Stunden? Wurde gewässert oder nicht?"
Kondition und Stehvermögen müsse jeder mitbringen. Und die Fähigkeit, Spuren zu lesen: "Es gilt. dem anderen die bessere Fährte zu klauen. Das heißt: Hirn einschalten und dann erst den Gashebel ziehen."