Nürburgring : „Grüne Hölle, weiße Hölle“

Nürburgring: Erstes NLS-Rennen wegen heftigen Schneefalls abgesagt.

Nichts war es mit dem geplanten Saisonauftakt in der Eifel am Samstag: Heftige Schneefälle verhinderten die Austragung des ersten von neun Rennen der Nürburgring Langstreckenserie (NLS) 2021. Nachdem das Training kurz nach acht Uhr aufgenommen, aber nach nur einer Runde sofort wieder abgebrochen wurde, kam nach mehreren vergeblichen Anläufen, den Lauf zeitlich zu verschieben, um kurz vor 12 Uhr die endgültige Absage: „Die Streckenverhältnisse lassen eine sichere Durchführung des Rennens nicht zu. Zudem ist für den Nachmittag keine deutliche Wetterbesserung in Aussicht“, erklärte Rennleiter Frank Taller.

Für alle Betroffenen, nicht nur Organisatoren, Fahrer und Teams, bedeutete das viel Ärger, unnötigen Zeitaufwand und vergeudetes Engagement im Ehrenamt. Ein Einsatz,  der (nicht zum ersten Mal) in der Eifel umsonst war. Der amtierende NLS-Champion Philipp Leisen (Irrel) schilderte unserer Zeitung die Verhältnisse samstags morgens wie folgt: „Im Fahrerlager war es komplett weiß. Das ist dann zwar nach einiger Zeit verschwunden, aber die Seitenstreifen blieben schneebedeckt. Alles genauso, wie es schon Tage vorher im Wetterbericht stand. Als für mittags die nächsten Schneeschauer angekündigt wurden, war das Thema durch. Grundsätzlich fängt die Saison in der Eifel ja eigentlich immer zu früh an.“

Rudi Adams aus Nohn war als Startfahrer für den Audi R8 LMS der equipe vitesse vorgesehen. „Leider kam ich nicht dazu, am Samstagmorgen meine vorgesehenen Runden zu drehen. Aber ich bin sehr zufrieden mit meinen Trainingsergebnissen vom Freitag. Wir sehen uns dann in drei Wochen erneut. Hoffentlich mit mehr Glück.“

Das gilt auch für die vielen Sportwarte rund um die Nordschleife.  Ronny Blödorn aus Dümpelfeld direkt am Nürburgring stand mit seiner Kollegin Anja Bust in der Senke zwischen Brünnchen und Pflanzgarten auf Posten. „Wir treffen uns morgens immer um 6.30 Uhr zur Lagebesprechung, das Training beginnt ja in der Regel um 8.15 Uhr. Das war auch am Samstag so wie immer. Aber die erste Trainingsrunde wurde nicht einmal komplett gefahren. Dann wurde abgebrochen.“

Am Posten haben die beiden alles vorrätig, um mit ihren diversen Flaggen mit den Fahrern zu kommunizieren, mit Funkgeräten mit der Orga und Einsatzkräften zu sprechen und Material, um ausgelaufenes Öl oder Sprit abzubinden. Alles, was man bei dieser verantwortungsvollen Tätigkeit als Sportwartin und Sportwart im Motorsport braucht.

200 Posten sind rund um die 22,8 Kilometer lange Nordschleife in Sichtweite zueinander installiert. Jeder ist mit zwei Personen besetzt. Hinzu kommen DRK-Leute, Feuerwehr, Parkwächter. „Rund 500 Frauen und Männer, ohne die ein Rennen nicht stattfinden könnte.“ Ehrenamtler, die man nicht bemerkt als Fan.

Eine Verlegung des Rennens auf den Sonntag stand nie zur Debatte. „Wie willst du das denn machen?“, fragen die beiden im Gespräch mit unserer Zeitung. 500 Leute rund um die Strecke morgen noch mal hierhin beordern? Selbst wenn einige das mitmachen würden: Hierbleiben und verpflegen geht unter Corona-Auflagen auch nicht.

„Nein, es ist nun mal wie es ist. Wir sehen uns in drei Wochen wieder“, sagt Ronny und beginnt, die Plane des provisorischen Lagers der beiden, unter dem sie ihre Flaggen und sämtliches Material untergestellt haben, wieder abzubauen. „Ich rege mich da nicht mehr auf. Damit musst du am Ring rechnen.“

Auch Aktivensprecher Nico Menzel aus Kelberg pflichtete bei: „Als wir um kurz vor halb acht rausgefahren sind, betrug die Asphalttemperatur fünf Grad. Das waren zwar kalte, aber machbare Bedingungen. Im Schwalbenschwanz bin ich in Schneetreiben gekommen. Es bildeten sich Eiskristalle auf der Strecke und der Grip war schlagartig weg. Bei diesen unbeständigen Bedingungen wäre das Risiko eines Rennens einfach zu groß gewesen.“

VLN-Geschäftsführer Christian Stephan  ist zwar enttäuscht, lobt aber auch das Engagement aller Beteiligten: „Das Organisationsteam hat viel Arbeit investiert, um die Veranstaltung unter Pandemie-Bedingungen zu ermöglichen. Uns bleibt die Gewissheit, dass organisatorisch alles funktioniert hat. Aber das Wetter können wir leider nicht ändern. Manchmal ist die Grüne Hölle eben auch eine weiße Hölle.“