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Nürburgring: In der Motorsportszene fliegen die Fetzen

Motorsport : In der Motorsportszene fliegen die Fetzen

Viel Unmut gibt es derzeit unter den Teilnehmern der Nürbring-Langstrecken­serie: Zur neuen Saison will der Veranstalter die Nenngelder erhöhen und so die Teams mehr zur Kasse bitten. Im Gegenzug sollen die Fahrer bessere Vermarktungschancen erhalten. Einige Starter wähnen sich bereits in den Fängen einer „Drückerkolonne“.

Am 20. März sollen mit der Probe- und Einstellfahrt zum eine Woche später stattfindenden ersten Lauf der Nürburgring-Langstreckenserie (NLS) die ersten Renner auf die Nordschleife gelassen werden. Gut einen Monat zuvor tobt ein heftiger Streit zwischen den Beteiligten. Vor allem die kleineren Privatteams gehen gegen den Veranstalter, die VLN, auf die Barrikaden. Der Grund: die teilweise heftig gestiegenen Meldegebühren, das sogenannte Nenngeld.

Ein solches Nenngeld ist bei vielen Veranstaltungen üblich: Es ist der finanzielle Beitrag der Teilnehmer, der dem Veranstalter hilft, die laufenden Kosten für das Event zu decken. Das ist bei einem Rennen auf dem Nürburgring oder einer Rallye nicht anders als beim Preisskat oder beim Jubiläumsfest des Kirchenchors. Darum, beziehungsweise um dessen Höhe, ob angemessen oder nicht, geht es aber jetzt im Vorfeld der NLS. Denn wie immer im Leben, wenn es droht, schmutzig zu werden, geht es ums liebe Geld. Und viele Betroffene, vor allem aus den kleinen Rennklassen, fühlen sich benachteiligt, bevor das erste Fahrzeug überhaupt die Strecke gesehen hat. Nach der zuschauerlosen und notgedrungen auf fünf Rennen eingedampften Vorjahres-Saison droht nun schon wieder Ungemach. Dabei hatten alle Beteiligten zumindest vorsichtig auf eine „halbwegs normale“ NLS-Serie des Jahres 2021 mit neun Rennen gehofft.

Zur neuen Saison erhöht die Nürburgring Langstrecken-Serie die Nenngelder. Diese unterscheiden sich je nach Teilnehmerklasse. Besonders in den sogenannten kleinen Klassen, dort, wo also die Amateure und nicht die werksunterstützten Teams an den Start gehen, steigen die Nenngebühren künftig stark an. So müssen die Teilnehmer aus den stark frequentierten Klassen H2, OPC, SP2, SP3, SP4, V3, V4, VT1 und VT2 bis zu 34 Prozent mehr Nenngeld bezahlen.

Das aber kommt auch daher, weil in diesen Klassen Teams fahren, die bisher vom Veranstalter auch erheblich subventioniert worden waren. Um an einem Rennen teilnehmen zu dürfen, müssen Teams sich einen Boxenplatz mieten, welcher nicht in den Nennkosten enthalten ist. Zudem müssen sie auch die Zeitnahme bezahlen. Bei den anderen, also den höheren Klassen, beträgt der Aufschlag dagegen nur rund fünf bis sechs Prozent.

Stein des Anstoßes ist – zumindest auf den ersten Blick – ein Hubschrauber, der 2020 zum ersten Mal eingesetzt wurde, und ab der Saison 2021 bei allen Läufen spektakuläre Bilder „in time“ von Manövern auf der Nordschleife liefern und die NLS damit auch als Marketingprodukt für Sponsoren attraktiver machen soll. Den sogenannten „kleinen Teams“, sagt der Veranstalter, sei zugesichert worden, der „Heli“ übertrage nicht nur die Spitze des Rennens mit den leistungsstärksten SP-9-Boliden, sondern sende auch Überholmanöver oder Positionskämpfe wie etwa in der am stärksten frequentierten Klasse V4. Das aber bezweifelt ein Großteil des bis zu 170 Teams umfassenden Starterfelds.

Im Online-Portal GT-place.com wird Teamchef Carsten Meurer von MRC Race world mit den Worten zitiert, er fühle sich „einer Drückerkolonne gegenüber, die mich nach und nach zur Zahlung immer neuer Posten zwingt“. Es sei, so Meurer, „traurig, wenn der Sport komplett vom Kommerz erschlagen wird, hier ist der Totschlag sicher komplett“.

VLN-Meister Philipp Leisen aus Irrel, der in der Klasse V4 unterwegs ist, sagt zu der Problematik: „Ich halte es für zu einfach zu sagen, der Helikopter müsse bezahlt werden, oder das sei das Ende „der alten VLN“, weil die Kleinen es sich nicht mehr leisten können.  Es gibt immer zwei Seiten, wie etwa die immer professionellere Vermarktung der Serie, die sie auch für Sponsoren attraktiver macht. Und dass wirklich alles teurer wird, davon kann ich als Unternehmer ein Lied singen. Es verwundert also kaum.“

Ralph-Gerald Schlüter, der VLN-Generalbevollmächtigte, sagte auf TV-Nachfrage: „Die Nenngeld­erhöhung um bis zu sechs Prozent in den meisten Kategorien war unumgänglich, um auf der einen Seite die stetig steigenden Kosten für die Ausrichtung der Rennen zu finanzieren. Auf der anderen Seite fließen Teile dessen in die Finanzierung eines Helikopters ein, der künftig bei allen Rennen Livebilder für unseren Stream liefern wird. Dadurch wird die Außendarstellung der Serie deutlich verbessert, weil so in allen Klassen spannende Positionskämpfe über die komplette Strecke eingefangen werden können.“

Schlüter sagte dem TV weiter, dass „im Zuge der allgemeinen Nenngeldanpassung“ die starke Subvention der kleinsten Nenngeldstufe reduziert worden sei. Sie sei in dieser Form nicht mehr zeitgemäß. Daraus ergebe sich eine Erhöhung des Nenngelds von 270 Euro bei einem Vier-Stunden-Rennen. Gemessen an den durchschnittlichen Einsatzkosten eines Fahrzeugs dieser Kategorie, entspräche das einer Steigerung von rund vier Prozent. „Das ist aus unserer Sicht zumutbar.“