Pause für Kanutin Bongardt

Pause für Kanutin Bongardt

Die Berg- und Talfahrt von Jennifer Bongardt hört nicht auf. Nach dem bitteren Olympia-Aus in Peking verfehlte sie im Jahr darauf das WM-Team. Die ehemalige Weltmeisterin kämpfte sich stark zurück, wurde vor einem Jahr WM-Vierte. Diese Saison verpasst sie wieder verletzt.

Als sich die ehemalige Weltmeisterin Jennifer Bongardt beim Polizei-Einsatztraining am Finger verletzte, nahm es die Slalom-Kanutin mit einer Prise Galgenhumor. „Da wusste ich nicht, ob ich heulen oder lachen sollte“, sagte die 28-Jährige. Während Olympiasieger Alexander Grimm & Co. am Wochenende um WM-Tickets kämpften, musste Bongardt in Augsburg operiert werden. „Natürlich bin ich angenervt, aber ich kann ja nichts ändern. Ich sammel alles jetzt - vielleicht kommt dann mit Blick auf 2012 nichts mehr.“

Harte Jahre hat die Team- und Einzel-Weltmeisterin von 2007 hinter sich. Bei Olympia scheiterte sie bitter im Halbfinale, und wenn sie auf den Lauf von Peking angesprochen wird, kommt es manchmal noch „extrem“ hoch. „Gerade in Zeiten wie jetzt, in denen man nichts machen kann und das Ziel so viel weiter weg ist, noch mal an den Olympischen Spielen teilzunehmen“, sagte die zweimalige Team-Europameister im Kajak-Einer. Wegen einer Schulterverletzung hatte sie für diese Saison den Verzicht erklärt und möchte sich voll auf die Ausbildung als Polizeimeisterin konzentrieren. Danach soll der Blick Richtung London gehen.

„Der Traum vom olympischen Edelmetall ist vorerst aufgeschoben, aber nicht aufgehoben“, schreibt Bongardt auf ihrer Internetseite. Aber in diesen Tagen zweifelt sie, ob sie noch einmal so stark wird wie vor Peking, als sie als Medaillenkandidatin nach China gereist war. „Damals war ich so nah dran, aber habe nichts mit nach Hause genommen. Jetzt bin ich an einem Punkt, von dem aus es sehr schwer wird, dass ich überhaupt mal wieder den Anschluss finde“, schilderte die zweimalige Olympia-Teilnehmerin ihre Zweifel. Selbst beim Joggen merkt sie zur Zeit, dass die einstige Power „nicht mehr so da ist“.

Der Formverlust nagt natürlich an der Leistungssportlerin, die sich im Vorjahr mit Rang vier bei der WM überraschend stark zurückgemeldet hatte. Aber die Zwangspause bietet auch die Chance, der immer wieder schmerzenden, bereits zweimal ausgekugelten linken Schulter die nötige Genesungspause zu gönnen; und dann kann sie wieder mit neuem Elan angreifen. „Theoretisch ja“, sagte Bundestrainer Michael Trummer.

Inwieweit sie dabei den großen Trainingsrückstand aufholen könne, liege an „ihrer Motivation“. Die soll nach der Paddel-Pause wieder groß sein. „Das wird schwer werden. Aber ich hoffe, dass das Glück dann mal auf meiner Seite ist.“